Comeback-Album: Robbie Williams will es wieder wissen

Comeback-Album: Robbie Williams will es wieder wissen

Von: Michael Loesl
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Robbie Williams wagt sich mit einem neuen Album an die Öffentlichkeit. „Reality Killed The Video Star” heißt es und erscheint am Freitag. Foto: dpa

Er war der Konsensstar des Jahrzehnts, jedermanns Liebling, einer, der bereitwillig Platz nahm in der Potentaten-Senfte, die ihm von der unterhaltungswütigen Meute als Opfergabe gestellt worden war: Robbie Williams. Jetzt will er es wieder wissen - mit seinem Comeback-Album „Reality Killed The Video Star”, das am kommenden Freitag erscheint.

Er sang Lieder über Engel, zog alte Kamellen aus der Klamottenkiste und sorgte damit für ein Swing-Revival, er weckte Sehnsüchte in beiden Geschlechtern. Die einen wollten mit ihm, die anderen wie er sein - cool, schön, schräg, überlebensgroß, ironisch, unnahbar, bodenständig.

Er bot die perfekte Vorlage für Sehnsuchtsprojektionen ohne Altersbeschränkungen - als Knuddelbär, Inbegriff testosterongesteuerter Umtriebigkeit, verletzbares Sensibelchen, unterhaltsamer Marktschreier, Saufkumpan, Schwiegermuttertraum, Chefzyniker. Er spielte sich selbst, konnte witzig und charmant sein, nahm sich und den Klimbim, den das Popstarsein mit sich brachte, vordergründig nur so ernst wie unbedingt notwendig und wurde dafür mit Albenverkäufen von rund 50 Millionen Exemplaren belohnt.

Songs als Markenzeichen

Alle liebten Robbie Williams weil er symptomatisch war für die Zeit, die er popkulturell wie kaum ein anderer prägte: glorreich wandelbar, gierig um Aufmerksamkeit ringend, was die eigentliche Botschaft seiner Charts-Regentschaft war. Seine Songs waren gut, aber immer einen Tick überbewertet, weil sie letztlich austauschbar waren. „Angels”, „Rock DJ”, „Advertising Space” - nicht er machte seine Songs durch eine individuelle Handschrift zu Markenzeichen, sondern er ließ sich durch sie zu einem der letzten wirklichen Mainstream-Stars machen, weil er es mit ihnen scheinbar jedem Recht machen konnte. Der Glorienschein überschattete sogar immer wiederkehrende Selbstzweifel des Stars, bis der Unterhaltungsmarkt der ewigen Robbie-Williams-Fütterung überdrüssig wurde.

„Rudebox”, sein letztes Album, soll Schuld gewesen sein. Obwohl dessen Songmaterial, objektiv betrachtet, nicht schlechter war als das des Vorgängers. Williams litt nach dem „Flop” des Albums dem Protokoll nach unter Depressionen, Medikamentensucht, wurde Ufologe und ließ sich einen Vollbart wachsen, um Aliens abschrecken zu können.

Drei Jahre gingen ins Land, bis er kürzlich in Köln auftauchte, um über sein Comeback und sein neues Album „Reality Killed The Video Star” zu erzählen. Das hat er zusammen mit dem Seal-, Pet-Shop-Boys- und Sugababes-Produzenten Trevor Horn eingespielt, dessen „Video Killed The Radio Star” als Vorlage für Williams neuen Albumtitel diente.

Natürlich hat die Realität Williams längst eingeholt. Er „brennt” nicht mehr wie früher, ist und isst gesünder, sieht besser aus, hat seine „Mrs. Williams” in seiner amerikanischen Wahlheimat gefunden und konstatiert, „in einer glücklichen Lebensphase” zu sein. Das Songschreiben habe ihm unter anderem geholfen, wieder zu sich selbst zu finden, „weil es für einen Songautoren keinen größeren Fundus an Ideen gibt als das eigene Elend”.

Die zwölf neuen Resultate auf „Reality Killed The Video Star” klingen überraschend wenig nach seinem bisherigen Zickzack-Kurs, sondern vielmehr wie ein Brückenschlag zu all jenen, die das Pathos des 35-Jährigen zum Schluss vermissten. Große Balladen, fett arrangierte Hymnen und ein bisschen Elektro-Pop der 80er-Jahre gehören zu Williams´ Versöhnungsangebot mit den Konvertiten der „Feel”-Ära. Vielleicht geht er dabei stellenweise ein bisschen zu entschlossen auf Nummer sicher, aber keiner weiß besser als er, dass dieser Comebackversuch funktionieren muss. Denn der private, eher grübelnde Robbie braucht die Karikatur des selbstbewussten Bühnen-Robbie zur Lebensfähigkeit.

Im Moment, sagt er, habe er keine große Lust darauf, seine Entertainermaske aufzusetzen und vor einem ausverkauften Stadion aufzutreten. Aber es besteht kein Zweifel daran, dass er nach dem Ausbalancieren des Beruflichen und Privaten, der Selbstzerstörung und der Kreativität emotional auf der Höhe ist. Auch wenn er seinen Platz im neuen Jahrzehnt erst noch finden muss.
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