Chorkonzert der Bachtage schlägt weiten Bogen

Von: Pedro Obiera
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Aachen. „Am Ende der Zeiten”: Risikobereitschaft kann man Georg Hage, seit einem Jahr Leiter der Aachener Bachtage, nicht absprechen, wenn er ein ganzes Musikfest unter ein derart apokalyptisches Motto stellt. Frohlocken und Trompetenglanz dürfen nicht erwartet werden.

Umso erfreulicher, mit welcher Konsequenz und musikalischer Geschlossenheit Hage und der Kammerchor des Bachvereins die Anforderungen des ersten Chorkonzerts erfüllten. Zur Konzeption Hages gehört, das Werk Bachs in noch größere thematische und musikhistorische Kontexte zu bringen als sein verdienstvoller Vorgänger Wolfgang Karius. Das betrifft vor allem die Öffnung zur zeitgenössischen Musik.

Und so gehen Bachs selten zu hörendem „Actus tragicus” neben Trauermusiken von Heinrich Schütz auch zwei kurze Werke des Letten Arvo Pärt und des ungarischen Großmeisters György Ligeti voran. Angesichts der diffizil ausgeführten Nuancierung der vokalen Klangfarben ist es legitim, wenn Hage mit seinem vorzüglich präparierten Chor die extrem komplizierten rhythmischen Strukturen von Ligetis komplexer Chorstudie „Lux aeterna” etwas vereinfachte.

Weniger Probleme bereitet Pärt mit seiner von tiefer Religiosität erfüllten Motette „Nunc dimittis”, die erkennen ließ, wie sorgfältig Hage mit seinem Chor an Tonbildung, Phrasierung und Textverständlichkeit arbeitet.

Schütz´ Musikalische Exequien op. 7 aus dem vom 30-jährigen Krieg gebeutelten Jahr 1635 bildeten den groß angelegten Auftakt des Programms. Ein stilistisch anspruchsvoller Mix aus Motette und geistlichem Konzert, der neben einem sicher geführten Chor ein exzellentes Solistenensemble erfordert. Auch dabei zeigte Hage mit einer Ausnahme ein glückliches Händchen.

Aufhorchen ließ nicht nur die in Aachen ausgebildete Sopranistin Claudia Ludwig Lawong mit ihrer kerngesunden, glockenhellen Stimme, sondern auch die Tenöre Florian Cramer und Joachim Streckfuß sowie der Bassist Christian Walter. Ein nahezu ideales Ensemble, in das sich lediglich der brüchig intonierende Countertenor Peer Abilgaard nicht homogen einfügen ließ.

Mit einer rundum stilsicheren und emotional ebenso kontrollierten wie berührenden Interpretation von Bachs früher Trauerkantate „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit” BWV 106, dem sogenannten „Actus tragicus”, schloss das Konzert in der zwar nicht vollen, aber ordentlich besuchten Michaels-Kirche.
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