Chorfest: Wenn aus der Biennale eine Triennale wird

Von: Hermann-Josef Delonge
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Auf Szenen wie diese wird man aller Voraussicht nach bis 2018 warten müssen: Die Lange Chornacht im Rahmen der Chorbiennale. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Noch sei die Entscheidung nicht endgültig gefallen, heißt es von offizieller Seite. Aber alle Zeichen deuten darauf hin: Die nächste und damit fünfte Auflage der Aachener Chorbiennale wird wohl nicht – wie es der zweijährige Rhythmus eigentlich vorgibt – im kommenden Jahr, sondern erst 2018 stattfinden. Aus der Chorbiennale würde damit ausnahmsweise eine Chortriennale.

Entsprechende Informationen unserer Zeitung bestätigten Aahens Kulturdezernentin Susanne Schwier und Udo Rüber, Verwaltungsdirektor und Geschäftsführer des Theaters Aachen. Der Kulturbetrieb der Stadt Aachen und das Theater firmieren als Veranstalter des Chorfestes, das 2009 erstmals über die Bühnen der Stadt ging und sich in der Folge zu einem überaus erfolgreichen und beliebten Format entwickelt hat.

2015 haben rund 30.000 Menschen die Veranstaltungen der Chorbiennale besucht, alleine 15.000 die Lange Chornacht zum Abschluss. 33 Konzerte der vier Initiativchöre der Chorbiennale, Carmina Mundi, Junger Chor Aachen, Madrigalchor Aachen und Aachener Kammerchor, sowie der zehn Gastensembles standen auf dem Programm; rund 70 Chöre aus der ganzen Region waren darüber hinaus beteiligt.

Die mögliche Verlegung war schon Gegenstand mehrerer Gespräche mit Vertretern der beteiligten Chöre, aber auch mit dem Aachener Domkapitel. Das hat einen besonderen Grund: 2018 würde die Chorbiennale ins Jahr der Feierlichkeiten anlässlich der Aufnahme des Aachener Doms in das Unesco-Weltkulturerbe vor dann genau 40 Jahren fallen.

Das Chorfest könnte in den für dieses Jubiläum geplanten Veranstaltungsreigen integriert werden, soll aber darin „nicht untergehen und seine starke Marke behalten“, wie Schwier betonte. Die zentralen Feiern zur Aufnahme des Doms in die Unesco-Liste könnten im September stattfinden, die Chorbiennale hingegen bereits Anfang Juni, wenn der zentrale Welterbetag am ersten Wochenende des Monats in Aachen stattfindet.

Damit würde man auch die Konkurrenz der von Mitte Juni bis Mitte Juli stattfindenden Fußball-Weltmeisterschaft umgehen. Auch Ansgar Menze, der künstlerische Leiter der Chorbiennale, nennt die Verlegung ins Jahr 2018 eine „starke Option“, wenn auch noch mit Fragezeichen.

Die Einbettung in diesen Kontext hätte einen weiteren Vorteil: Die Organisatoren könnten zusätzliche finanzielle Mittel ak­qui­rie­ren. Der Gesamtetat der Chorbiennale liegt wie in den Vorjahren bei rund 150.000 Euro, die durch Mittel der öffentlichen Hand (Land, Stadt und Städteregion), von Stiftungen, Firmen- und Privat-Sponsoren (vor allem die Sparkasse Aachen) und natürlich über den Verkauf der Eintrittskarten aufgebracht werden. „Im Umfeld der Weltkulturerbe-Feiern ist die Förderkulisse besser“, umschreibt es Rüber.

Gerade hinter den Landesmitteln steht ein Fragezeichen, denn die waren ursprünglich lediglich als Anschubfinanzierung gedacht und stehen nicht automatisch zur Verfügung. Die Chorbiennale schrieb zuletzt immer unter dem Strich eine rote Null, wobei das Rot der Null 2015 deutlich kräftiger geworden war.

Sollte es bei der nächsten Auflage ein größeres Defizit geben, müsste eine Ausfallbürgschaft einspringen. Bei der Stadt Aachen und auch beim Theater ist die Bereitschaft dazu angesichts der finanziell traditionell angespannten Lage eher gering. Da wäre es also gut, wenn man weitere Fördertöpfe anzapfen könnte.

Aber die Chorbiennale lebt auch und vor allem durch das ehrenamtliche Engagement vieler Menschen im Hintergrund, die nicht nur singen oder dirigieren, sondern auch in die konkrete Planung und Organisation einbezogen sind. Auch die brauchen Planungssicherheit, vor allem im Umgang mit den oft internationalen Gastchören, die von weit her – teilweise aus Übersee – zum Chorfest nach Aachen kommen und hier untergebracht und versorgt werden wollen.

Hinter den Kulissen gibt es bereits durchaus Rumoren über die noch ausstehende endgültige Entscheidung, wann denn die nächste Chorbiennale stattfinden soll. Kulturdezernentin Schwier will diese Unsicherheit „schnellstmöglich, vielleicht sogar noch in den Sommerferien“ ausräumen. Dass, wenn das Datum 2018 dann festgezurrt ist, so manche Planung, die noch von einer tatsächlichen Biennale und damit von einem Termin im Jahr 2017 ausgegangen ist, über den Haufen geschmissen werden kann, steht auf einem anderen Blatt.

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