Chorbiennale: Ein Auftakt von allererster Güte

Von: Pedro Obiera und Eva Onkels
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In der Citykirche Aachen begeisterte dieser Chor am Samstagabend: der Ave Kammerchor aus Ljubljana. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Der 5. Internationalen Chorbiennale gingen unruhige Zeiten voraus, bis die Finanzierung gesichert war. Ein neu gegründeter Verein der „Freunde und Förderer der Chorbiennale“ will solchen Turbulenzen in Zukunft vorbeugen und die neuntägige Veranstaltungsreihe auf sichere finanzielle Füße stellen.

Blickt man in das Programm des jetzt eröffneten Aachener Festivals, haben Produktionsleiter Ansgar Menze und seine künstlerischen Berater einen Konzertmarathon mit fast 30 Veranstaltungen und knapp 2000 Sängern auf die Beine gestellt, der nicht nur quantitativ beeindruckt. Auch qualitativ sind keine Abstriche zu erwarten.

Davon konnte man sich bereits am Eröffnungsabend im voll besetzten Depot an der Talstraße überzeugen, als der Aachener Kammerchor als einer von vier Aachener Initiativchören zusammen mit dem Credo Kammerchor Kiew hohe Maßstäbe setzte. Der ukrainische Chor ist einer von sechs Gastchören aus sechs Ländern, die das Motto des diesjährigen Festivals, „Bridges“ (Brücken), klingend zum Ausdruck bringen sollen.

Dass sich mit Musik Grenzen überwinden und Brücken bauen lassen können, demon-strierte gerade der Auftritt des Kiewer Chors, der bereits vor zwei Jahren eingeladen war, aber seine Teilnahme wegen der Krim-Krise absagen musste. Umso herzlicher wurden die Gäste jetzt begrüßt und die bedankten sich mit einem Vortrag allererster Güte. Die vom 17. Jahrhundert bis in unsere Zeit reichende Auswahl russischer Gesänge aus Kirche und Alltagswelt realisierten die Gäste mit allem, was man an professionellen Tugenden erwarten kann.

Dagegen hat es eine semi-professionelle Vereinigung wie der Aachener Kammerchor mit seiner reiferen Stammbesetzung nicht leicht. Dass die vorbildliche Arbeit von Martin te Laak dennoch durchaus an das Niveau der Ukrainer heranreicht, bewies man mit einem gänzlich anders strukturierten Programm. Im Zentrum stand eine Blues-gefärbte „Little Jazz Mass“ des britischen Jazzmusikers Bob Chilcott, die durch eine dreiköpfige Combo zusätzliches Kolorit erhielt, ergänzt durch eine etwas lang geratene, aber räumlich raffiniert angelegte Vertonung eines Textes von Meister Eckhart durch den 65-jährigen Komponisten Wolfram Buchenberg sowie durch eine vergospelte Fassung einer Arie aus Händels „Messias“ durch den Rock-Musiker David Pack. Den Abend beschlossen beide Chöre mit dem mächtigen Sanctus aus Frank Martins Messe für zwei vierstimmige Chöre.

Der Bachverein ist immer ein Garant für hohes musikalisches Niveau und bekannt für seine herausragende Arbeit mit barocker und moderner Kirchenmusik. Der Kammerchor des Bachvereins gestaltete bei seinem Debüt auf der Chorbiennale am Samstag in der Citykirche gemeinsam mit dem slowenischen Ave Kammerchor aus Ljubljana ein schönes, rund 100-minütiges Programm. Eröffnet wurde das Konzert durch den Bachverein mit dem „Stabat Mater“ für zehn Soli, zehn stimmigen Chor und Basso continuo von Scarlatti.

Der Chor verstand es meisterlich, die zehn unterschiedlichen Stimmen immer wieder ineinanderfließen zu lassen und den Solisten den nötigen Raum zu geben. Nach dem eher schwermütigen Stück folgte das 1994 komponierte „Magnificat“ der amerikanischen Komponistin Jean Belmont. Im zweiten Teil des Konzerts trat der Ave Kammerchor, gegründet 1984, auf und sang ein ebenfalls sakrales Programm mit Werken aus vier Jahrhunderten. Den ältesten Komponisten, Jacob Handl Gallus, und den jüngsten, Matej Kastelic trennten rund 450 Jahre. Das Programm: sakral und energiegeladen.

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