Chorbiennale: Betörende Klänge und Zaubereien

Von: Pedro Obiera
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Das offizielle Eröffnungskonzert der Chorbiennale fand in St. Michael in Aachen-Burtscheid statt: mit dem Aachener Chor Carmina Mundi (Bild) und dem Frauenchor des Glier-Instituts Kiew. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Der WDR Rundfunkchor legte die Messlatte hoch, und mit zwei Spitzenchören aus Aachen und Kiew schloss sich das offizielle Eröffnungskonzert der 4. Chorbiennale qualitativ dem glänzenden Auftakt durch die Kölner Profis nahtlos an.

Das hohe Niveau der Carmina Mundi unter Leitung von Harald Nickoll, einem der vier Initiativchöre des Festivals, überraschte niemanden in der voll besetzten Kirche St. Michael.

Deshalb zunächst ein Blick auf die Gäste aus Kiew, den Frauenchor des Glier-Instituts für Musik, bestehend aus sehr jungen Damen in geschmackvollen schwarz-goldenen Gewändern, zumeist Studentinnen oder Absolventinnen der offensichtlich erstklassigen Ausbildungsstätte, die das Publikum nicht nur durch ihre Anmut für sich einnahmen, sondern vor allem durch ihren glockenklaren, lupenreinen Gesang, mit dem sie ihr anspruchsvolles Programm absolvierten.

An Klängen aus der ukrainischen Heimat mangelte es nicht. Sowohl, was sakrale Gesänge mit dem eindringlich-typischen Kolorit slawisch-orthodoxer Vokalmusik angeht, als auch lebensfrohe Volkslieder.

Erstaunlich flexibel

Erstaunlich, wie flexibel die jungen Damen stilistisch von den warmen, klangüppigen und getragenen Kirchengesängen auf die teilweise übermütigen Volkslieder umschalteten. Erzielt wurde ein voluminöser, gleichwohl seidenzart-transparenter Klang.

Zwischen den heimischen Nummern schlug man mit „Les Angelus“ von Claude Debussy kaum weniger betörende westliche Klänge an. Dass der Vortrag aller Gesänge in jeder Hinsicht perfekt gelang, ist der vorbildlichen Arbeit der Chorleiterin Galina Gorbatenko zu verdanken.

Davor ließ der traditionsreiche Aachener Chor Carmina Mundi einen bunten Reigen aus aller Herren Länder hören. Eine Werkfolge, die keine geringere Stilsicherheit verlangte als das Programm der ukrainischen Gäste. Auch Carmina Mundi bestach mit spätmittelalterlichen sakralen Gesängen, zu denen sich die Sänger im Kirchenschiff verteilten, was reizvolle raumklangliche Effekte erzeugte. Ein schwieriger „Ritt in den Himmel“ des Finnen Rautavaara breitete ebenso viel Vergnügen wie obertongesteuerte Zaubereien in den „Past Life Melodies“ der Aus-tralierin Sarah Hopkins.

Was die Qualität des Chores angeht, kann man sich nur wiederholen. Zu hören war Chorgesang in ausgefeilter Präzision. Und als sich beide Chöre als Zugabe zu einem orthodoxen Gesang zusammenfanden, kannte die Begeisterung des Publikums keine Grenzen. Übrigens tritt der ukrainische Frauenchor am Donnerstag im Rahmen des Lunchkonzerts um 12.30 Uhr im Krönungssaal des Aachener Rathauses erneut auf.

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