„Charlemagne“ auf der Roten Couch

Von: Eckhard Hoog
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Die ersten kleinen Passanten haben schon Platz genommen: Der Düsseldorfer Künstler Horst Wackerbarth (Mitte, umrahmt von Ute Pennartz, Rick Takvorian und Elke Wienen vom Kulturbetrieb der Stadt Aachen) wandert ab heute acht Tage lang mit seiner legendären Roten Couch in Aachen rund um Dom und Rathaus und interviewt seine Sitzgäste. Foto: Andreas Herrmann
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Mit seiner Roten Couch war er selbst in China: der Düsseldorfer Künstler und Fotograf Horst Wackerbarth.

Aachen. Sein Markenzeichen ist rot, samtig und gepolstert – eine Couch. Eine rote Couch. Besser: „Die Rote Couch“ schlechthin – ein Stück Kunst- und Kulturgeschichte, wenn nicht sogar Menschheitsgeschichte. Horst Wackerbarth heißt der Mann, 64 Jahre alt, studierter Fotograf. Mit seiner Couch ist er in 28 Jahren um die halbe Welt gereist, hat in 39 Ländern über eine Million Kilometer zurückgelegt und sie alle auf seinem Sofa Platz nehmen lassen, um sie zu fotografieren.

Bauern in China, Angestellte in Kasachstan, Geschäftsleute in Tibet, türkische Boxer, Straßenkehrer in Paris, Bauarbeiter in Brooklyn, Bandidos in Duisburg, Jugendliche aus einem Kinderheim in Aachen, indische Seeleute, afrikanische Flüchtlinge in Calais, aber auch Peter Ustinov, Michail Gorbatschow, Yehudi Menuhin und Peter Gabriel.

Hunderte Couch-Porträts

Hunderte Couch-Porträts sind so entstanden für eine „Galerie der Menschheit“, mit Menschen unterschiedlichster Religionen, Nationalitäten, Rassen oder Schichten, auf dem immer gleichen, sie alle einenden Sofa. Jetzt ist Horst Wackerbarth mit seiner Couch wieder nach Aachen gekommen – zum zweiten Mal nach 2011, als er im Rahmen des Festivals „across the borders“ eine ganz besondere Spezies Mensch porträtierte: all jene, die irgendwie „Karliges“ im Vornamen führen – ob Carlos, Karl, Charles, Charlene oder Carola. Der Kulturbetrieb der Stadt Aachen, namentlich Veranstaltungsmanager Rick Takvorian, hat ihn zum Karlsjahr und zur Heiligtumsfahrt noch einmal eingeladen, um im innersten Stadtkern eine „soziale Skulptur“ zu schaffen.

Und das geht so: Ab heute wandert Wackerbarth acht Tage lang von morgens bis abends mit der Roten Couch rund um Dom und Rathaus, über den Markt, den Katschhof, den Hof und den Münsterplatz und lädt vornehmlich junge Menschen dazu ein, auf seiner Couch Platz zu nehmen und sich interviewen zu lassen. Seit den neunziger Jahren stellt er seinen Sitzgästen aus aller Welt einen Katalog universeller Fragen: Was macht das Leben lebenswert? Wie ist dein Verhältnis zu Gott? Zum Universum? Aus gegebenem Anlass wird das Spektrum der Fragen nun erweitert: „Wir fragen gezielt nach Karl dem Großen und der Kirche“, erklärt Wackerbarth. Und das mündet in solche Fragen: Wie ist dein Verhältnis zur Macht? Oder: Wenn du Papst wärst, was wäre dein größtes Anliegen? Was würdest du ändern?

Die Ergebnisse – Videos, die Wackerbarth mit seinem Team erstellt – sind als Teil der großen „Gallery of mankind“ sofort rund um Dom und Rathaus zu betrachten – auf einer großen wandernden Leinwand. Am Ende des ganzen Projekts zieht Wackerbarth in die Aula Carolina und präsentiert dort an drei Tagen seine ganz im Sinne von Joseph Beuys konstruierte soziale Skulptur „Der Weg der Roten Couch“: am 21. und 22. Juni von 12 bis 21 Uhr sowie am 23. Juni von 18 bis 21 Uhr. Bis dahin bezieht er sein Domizil am Hof in der Galerie S.

„Es gelingt sehr selten, mit einem Künstler ein solches Fortsetzungsprojekt zu schaffen“, freut sich Rick Takvorian und blickt dankbar auf die Rote-Couch-Session von 2011 zurück. „Das war ein Riesenerfolg.“ Da saß die Tänzerin ebenso auf der Roten Couch wie der Bauingenieur, der Glasermeister und der Rentner, das sechsjährige Kind und der Künstler. Ein Feuerwehrmann Karl hatte gleich seine ganze Truppe mitgebracht. Studenten der Düsseldorfer Fachhochschule, an der Wackerbarth einen Lehrauftrag hat, nahmen alles auf. „Auf dieser Couch öffnen sich die Menschen“, sagt Wackerbarth.

Die Region, in der Wackerbarth die Rote Couch aufstellt, bezieht er stets ganz gezielt mit ein. So sind bereits zwei Projekte mit dem Aachener Rhein-Maas-Gymnasium und dem Berufskolleg Jülich gelaufen. Den jeweiligen Schülern überließ er das magische Möbelstück komplett. „Die konnten damit machen, was sie wollten“, amüsiert er sich über die außerordentliche Kreativität der Beteiligten. Die Schüler sind mit der Couch ins Forschungszentrum zum Supercomputer gezogen, andere haben neumodische Berufsbezeichnungen wie „Kfz-Mechatroniker“ zur Darstellung gebracht und die Couch aufgebockt, um sie mit Stoßdämpfern und Reifen zu versehen. Auch diese Videos werden an den drei Abschlusstagen zu sehen sein. Und am 11. Juli gibt es noch eine Aktion am Dürener Leopold-Hoesch-Museum, am 12. Juli eine in der Landesgartenschau Zülpich.

Für sein Aachener Projekt sucht Wackerbarth nun noch einen Sponsor, um ein Buch davon drucken zu lassen.

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