Chaplins „The Circus“ beim „Konzert ohne Frack“

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Seit über zehn Jahren erfreuen sich die „Konzerte ohne Frack“ großer Beliebtheit, wenn sich das Aachener Theater in einen Filmpalast verwandelt und das Sinfonierochester eine Prise Hollywood-Glanz versprüht.

Bloße Routine hat sich aber bis heute nicht eingeschlichen. Einen Film orchestral live ohne doppelten Boden zu begleiten, bleibt stets eine Herausforderung.

Melancholischer Unterton

Das gilt insbesondere für aktionsreiche Streifen wie die Charles Chaplins, auch wenn das 1928 uraufgeführte Meisterwerk „The Circus“ auf allzu überdrehten Slapstick verzichtet. Das Publikum zeigte sich von der Veredlung des Films durch das vom ersten Kapellmeister Justus Thorau umsichtig geleitete Ochester so begeistert wie bereits vor neun Jahren, als die Aufführungen des gleichen Films im Alsdorfer Cinetower noch ein wenig mehr cineastisches Flair verbreiteten.

Die Musik für den Stummfilm komponierte Chaplin übrigens erst über 40 Jahre nach der Uraufführung, nachdem er die zermürbenden persönlichen und wirtschaftlichen Umstände der Dreharbeiten verarbeitet hatte. Auch wenn oder gerade weil die Musik dadurch einen abgeklärten Zungenschlag erhält, kommen wir in den Genuss einer typischen Chaplin-Partitur mit einem leicht melancholischem Unterton und viel circensischem Kolorit.

Dass die unübertroffene Treffsicherheit der filmischen Pointen mit Chaplins legendärem Drahtseilakt als Höhepunkt die Musik dabei immer wieder an den Rand drängt, spricht nicht nur für die Qualität des Films, sondern auch für das musikalische Gespür Chaplins, der die Musik des 75-minützigen Streifens nie in den Vordergrund rückt. Deshalb erweist sich die überschaubare Ansammlung schlichter Motive, die Timothy Brock vor fünf Jahren neu und geschickt für den Film einrichtete, als völlig ausreichend.

Die üblichen Stimmungs-, Stil- und Tempowechsel bewältigen Orchester und Dirigent ebenso sicher wie die zeitliche Synchronisation mit dem Ablauf der virtuos abspulenden Szenenfolge. Ein Abend also, der wiederum pures Vergnügen bereitete.

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