Candida Höfers strenge Fotokunst im Museum Kunstpalast

Von: Ulrike Merten
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Ordnung muss sein: Die Fotokünstlerin Candida Höfer zeigt rund 70 Arbeiten im Museum Kunstpalast.
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Spieglein, Spieglein: Candida Höfers „Museum Kunstpalast Düsseldorf VII, 2011“, zu sehen in eben jenem Museum Kunstpalast. Foto: dpa

Düsseldorf. Da muss selbst die distanziert, fast scheu erscheinende Candida Höfer amüsiert lächeln: „Eine Liebeserklärung?“ Nein, so weit will die in Köln lebende Künstlerin mit dem Ausstellungstitel „Candida Höfer. Düsseldorf“ nun wirklich nicht gehen. Ihre Arbeiten könnten auch in anderen Städten entstanden sein, sagt sie.

Doch tatsächlich sind die rund 70 Arbeiten aus den vergangenen vier Jahrzehnten, die seit dem Wochenende im Museum Kunstpalast zu sehen sind, alle in der Landeshauptstadt entstanden. Hier liegen die Anfänge ihrer schwarz-weißen wie farbigen Fotografien und Projektionen. Und hier hat sie später ihre Blickwinkel und Ordnungs-Positionen neu ausgerichtet.

Die luftig und großzügig gebaute Schau lädt also nicht nur zum vergleichenden Sehen ein – viele der Arbeiten werden erstmals öffentlich gezeigt. Sie löst das einengende Etikett, das die Kunstrezeption Candida Höfer verpasst hat: das der strengen Dokumentarin stets menschenleerer (Kultur-)Räume wie Museen, Bibliotheken, Theater und Hörsäle. In dieser Schau lässt die Künstlerin auch ihre emotionale Seite anklingen und offenbart zugleich in ihren neuen, bislang nicht gezeigten Bildern eine Tendenz zur Abstraktion.

So nimmt die junge Candida 1975 selbst vor laufender Kamera und blaublumiger Tapete im Eiscafé Da Forno Platz. Und versüßt sich mit einer kräftigen Dosis Zucker zu fröhlich-kokettem Lachen ihren Cappuccino. Das kurze Dokument alltäglichen Vergnügens, gebannt auf 16 mm, ist zwar Höfers einziger Ausflug in den Film. Sparsam bewegte Bilder, die werden und wieder verschwinden, gibt es dennoch: So zeigen die Projektionsloops dreier Fotografien aus dem alten Wartesaal des Hauptbahnhofs 1981 Menschen im Aufbruch – beim Mantelanziehen. Menschen im Umbruch hielt sie schon fünf Jahre zuvor schwarz-weiß mit ihrer Diaprojektion „Türken in Deutschland“ fest.

Das eigene Spiegelbild

Wie farbiges Licht auf bewegten Körpern spielt, das könnte Candida Höfer bei ihren überraschend verwischten Konzert-Aufnahmen von Roxy Music und Lou Reed fasziniert haben. Und wiederholt taucht die Fotografin selbst als auslösendes, sich beinahe auflösendes Spiegelbild in ihren Schaufenster-Bildern auf.

Natürlich fehlen auch die großformatigen Innenraum-Klassiker in perfekt tiefenscharfer Frontalperspektive der Düsseldorfer Fotoschule nicht: der Zuschauerraum des Großen (Schauspiel-)Hauses am Gründgensplatz etwa. Kein Mensch, nirgends. Doch gerade diese Abwesenheit, verbunden mit dem Standpunkt der Fotografin auf der Bühne, vermittelt eine Ahnung vom Ausgeliefertsein des Schauspielers und der allzeitig geballten Erwartungshaltung, die ihm vom blauen Sitzplüsch entgegenbrandet. Auch wenn die Documenta- und Biennale-Teilnehmerin versichert, dass sie beim Betreten der Räume weder über deren Funktion noch über ihre Architektur nachdenke.

Dass Candida Höfer von klaren Strukturen fasziniert ist (ob die geometrische Strenge von Fensterrahmen oder der vertikale Faltenwurf eines Garderobenvorhangs), bestätigen frühe wie heutige Fotografien. Die kühle Blickachse vermag selbst das barocke Schwelgen des Rubenssaals im Museum Kunstpalast zu versachlichen. Doch erstaunlich malerisch kommen ganz aktuell aus der Unschärfe geborene Lichtpunkte oder diffuse Fußspuren auf milchig-rotem Sand daher. Die klaren Linien der inneren Architektur des Ausstellungshauses der Julia Stoschek Collection schließlich gehen, extrem weiß aufgehellt, nahtlos in die Abstraktion über.

Beeindruckend ist ein großformatiges Foto der spiralförmigen Treppe des Neuen Stahlhofs, das von Ferne aussieht wie eine auf weißes Papier geklebte hellbraune Schnecke. Ja, auch Höfer greift inzwischen in die digitale Trickkiste. Bei den neueren Fotos stimme sie die Helligkeit im Labor ab, gibt die 69-Jährige zu. Bei der Stahlhof-Treppe sei aber „kein enormer digitaler Eingriff verübt worden“, sagt die scheue Fotografin, die sichtlich ungern über sich und ihre Technik spricht.

„Präsentation ist mir ebenso wichtig wie das Machen der Bilder“, sagt sie. So bilden Projektionen aus mehreren Bildern das Gegengewicht zu den statischen Fotografien. Schade nur, dass die dezent grau gestrichenen Wände stellenweise leer bleiben, während sich kleinformatige Fotoreihen eng aneinanderdrücken. Dahinter steckt natürlich auch eine künstlerische Absicht. „Wir hatten das Gefühl, dass man auch mal Ruhepausen braucht“, meint Kuratorin Gunda Luyken.

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