Bunter Mix an Stilen und Klängen

Von: Heiner Schepp
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Blumentopf: Das deutsche HipHo
Blumentopf: Das deutsche HipHop-Quartett sorgte beim Summerjam mit originellen Texten für reichlich Stimmung. Foto: Heiner Schepp

Köln. Der Schlussakkord am Sonntagabend machte Vergangenheit und Zukunft des Summerjam so richtig deutlich: Vor der „Green Stage” tanzte und sang die jüngere Generation textsicher zu den Songs des Stuttgarter Rap-Poeten Max Herre, während die augenscheinlich ältere und auch buntere Besucherhälfte vor der Hauptbühne mit Reggae-Ikone Toots Hibbert und seiner Band The Maytals in Nostalgie schwelgte.

So mancher, der dem Erfinder des Begriffs „Reggae” (1968 mit der Single „Do the Reggay” noch in anderer Schreibweise) frönte, dürfte auch schon am 5. Juli 1986 dabei gewesen sein, als auf dem Loreleyfelsen in St. Goarshausen - damals noch unter dem Namen „Reggae Sun-splash” - die Geburtsstunde des heute größten Reggae- und Worldmusic-Festivals in Europa schlug. Vom Ein-Tages-Festival mit vier Bands und Künstlern hat sich der Summerjam als feste Größe im deutschen Festivalsommer etabliert und lockte auch bei der 25. Auflage rund 25.000 Musikfans beinahe aller Generationen auf die Partyinsel im Fühlinger See.

Nach dem grandiosen Fußballsieg der deutschen Mannschaft streiften selbst die jamaikanischen Dancehall-Deejays von T.O.K. Deutschlandtrikots über und heizten die Stimmung weiter an. Dafür hatte am Eröffnungsabend vor allem Gentleman gesorgt, der noch vor wenigen Jahren vor der Bühne stand. Heute ist der „Kölsche Jung” Tilmann Otto Europas populärster Reggae-Künstler und gab auch beim Jubiläums-Summerjam den Top-Act. Gentlemans neue Begleitband The Evolution läuft zwar noch nicht ganz so rund wie die ihn zuvor begleitende Far East Band, dafür hat die Musik des Kölners ganz getreu dem Titel seines jüngsten Albums Diversity („Vielseitigkeit”) hörbar an Abwechslung gewonnen und kommt neben bewährtem jamaikanischen Offbeat nun mit poppigen Balladen oder Techno- und Elektrobeats daher.

Die beim Summerjam ausdrücklich erwünschte Brücke zwischen den Genres schlugen die beiden Söhne von Bob Marley, Julian und Damian Marley, die sich nacheinander die Ehre gaben. Während Julian immer wieder Marley-Meilensteine einstreute, machte Bobs jüngster Sohn Damian zusammen mit US-Rapper Nas im Dancehall- und Rhythm-’n’-Blues-Takt die Bühne unsicher. Und wär das alles noch nicht genug an Stilen und Richtungen, mixten Künstler wie Miss Platnum mit ihren Balkan Beats, die deutschen Hip-Hopper Ohrbooten und Blumentopf und die bayrische Techno-Blaskapelle LaBrassBanda weitere Zutaten in den Summerjam-Jubiläumscocktail. Da passte es ins Bild, dass statt der nicht erschienenen Soul-Legende Jil Scott-Heron die Lokalmatadore von Brings einsprangen und vor der leicht irritierten Worldmusic-Familie meinten: „Man müsste noch mal 20 sein.” Das wird nach dem Jubiläumsjam auch manch hartgesottener Reggaefan gedacht haben. Denn so sehr sich der Summerjam auch um künftige Festivalgenerationen bemühen muss - ein wenig mehr „back to the roots” hätte es zum Jubiläum schon sein dürfen.
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