Bunter Hexenwald voller Überraschungen

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:
goldbild
Sie lief zur Hochform auf: Nicole Heesters, Stargast im Weihnachtskonzert des Aachener Sinfonieorchesters. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Marcus R. Bosch hat ganz recht. Wenn schon Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel” für ihn zum Weihnachtsfest gehört wie Lebkuchen und Mandelkern, warum sollte man sich da, wie in den letzten Jahren, nur mit dem Vorspiel begnügen?

Somit kamen die Besucher des diesjährigen „Gold und Silber”-Konzerts im gewohnt ausverkauften Eurogress diesmal in den Genuss eines stattlichen Querschnitts durch das beliebte Werk. Und nicht nur das. Die Ausschnitte wurden geschickt in die Lesung des originalen Märchens eingebunden, wie es uns die Brüder Grimm hinterlassen haben. So konnte man sich nicht nur an den vertrauten Klängen Humperdincks erfreuen, sondern auch an dem unprätentiösen, gleichwohl spannenden Vortrag durch den Star-Gast Nicole Heesters.

Erstaunlich, wie viele interessante Details in der Erinnerung verblassten, so dass es sich lohnen dürfte, auch in fortgeschrittenem Alter die Märchen noch einmal genauer zur Hand zu nehmen. Und das nicht nur im Jahr des 150. Todestags von Wilhelm Grimm.

Zur Hochform lief die bekannte Schauspielerin im zweiten Teil auf. Nachdenkliches von Brecht, Exotisches über „Weihnachten in China” von Ingrid Noll, übermütig Flachsiges von Robert Gernhard und zum Schluss noch ein Stück Kabarett von Hanns Dieter Hüsch: All das, so schlicht die Erzählungen auch gestrickt sein mögen, erfüllte Nicole Heesters mit Witz und Leben.

Dass auch musikalisch nahezu alles stimmte, dafür sorgte Marcus R. Bosch mit dem Aachener Sinfonieorchester. Da hörte man in jedem Takt, dass ihm die Musik zum „Hänsel” eine Herzensangelegenheit ist. Mit den vorzüglich singenden, wenn auch nicht sonderlich textverständlich artikulierenden Solisten Michaela Maria Mayer (Gretel), Mélanie Forgeron (Hänsel) und Pawel Lawreszuk (Vater) begab man sich in den unheimlichen Hexenwald. Die Wirkung wurde nicht verfehlt, auch wenn die Hexe nicht leibhaftig in Erscheinung trat. Was soll´s?

Sonderlob für Kinderchor

Es gab fast alles, was man an dem gut gebauten, wenn auch oft nachlässig interpretierten Werk schätzt: das Vorspiel, die Kinderlieder, den Hexentanz und natürlich den Abendsegen. Ein Sonderlob verdient hier der Kinder- und Jugendchor des Theaters Aachen, der das effektvolle Finale veredelte.

Chöre in stattlicherem Format hatten im zweiten Teil das Sagen. Hier widmeten sich der Opernchor und der Sinfonische Chor Aachen gemeinsam Ausschnitten aus Josef Rheinbergs Kantate „Der Stern von Bethlehem”. Die Sänger legten sich mächtig ins Zeug, wobei Bosch ein wenig stolz auf die 190 Jahre alte Tradition des Sinfonischen Chors am 6. Januar hinwies, des „drittältesten Chors der Welt”.

Bosch traf eine geschickte Auswahl der besten Stücke des Werks. Auch wenn es sich überwiegend um romantische Konfektionsware handelt, auch wenn der von Frank Flade einstudierte Chor die Höhepunkte mit beachtlichem Klirrfaktor schärfte, war man dankbar für diese Alternative zum Sammelsurium üblicher Weihnachtsprogramme. Schade nur, dass es kaum größere weihnachtlich angehauchte Werke von substanziellem Format gibt.

Vorwiegend locker ging es im ausgiebigen Zugabenteil zu. Ein „Ave Maria” aus der Feder Karl Mays klang so ergreifend wie der Tod Winnetous, Leroy Andersons Schlittenfahrt gehörte dazu wie das inbrünstig gesungene „Halleluja” aus Händels „Messias”, alles garniert mir drei Weihnachts-Hits von „Jingle Bells” bis zur „White Christmas”, bei dem auch das Publikum mitsingen durfte.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert