Aachen - Bühnen-Pechvögel vom Dienst im Das Da Theater

Bühnen-Pechvögel vom Dienst im Das Da Theater

Von: Eckhard Hoog
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Pleiten, Pech und Pannen prägen das Bühnen-Schicksal eines C-Schauspielers: Das verdeutlichen Anja Mathar und Bernd Büttgens im Aachener Das Da Theater.

Aachen. Der erfahrene Theaterfreund weiß längst: Die Grenzen zwischen A-, B- und gerade noch tolerierbaren C-Bühnen sind fließend, uneindeutig und wechseln selbst an ein und demselben Haus häufiger, als man denkt.

Was aber ist mit den vielen C-Schauspielern, auf die der Theaterbetrieb keineswegs verzichten kann? Schließlich treibt sich bei Shakespeare und Co. neben Richard III. und King Lear auch noch jede Menge Fußvolk in dem ganzen Schlachtengetümmel herum. Dafür braucht man eben Mimen, die - sagen wir - nicht unbedingt mit dem Format eines Will Quadflieg auftrumpfen müssen.

Diese C-Schauspieler gehören zu einer durchaus bemerkenswerten Spezies Künstler mit interessanten Eigenschaften. Das belegt zurzeit das Aachener Das Da Theater mit seiner neuen Produktion „Das Einmaleins des C-Schauspielers”, die Dienstagabend Premiere hatte.

Schauplatz ist die Hinterbühne offenbar eines C-Theaters: Die Kulissen klemmen, und die Türklinke strebt dank irgendeines vermaledeiten Handwerkers im Laufe des Abends mit verblüffender Beharrlichkeit immer wieder polternd gen Boden (Bühnenbild: Frank Rommerskirchen). „Hamlet” ist soeben abgespielt, und zwei übrig gebliebene Darsteller, Siggi (Anja Mathar) und Greg (Bernd Büttgens), geraten vor Zaungästen - einem Rest von Publikum, das sich wohl hierher verirrt hat - ins Erzählen.

Und so plaudern sie nach und nach aus dem Nähkästchen, was solch einen Underdog des Theaterwesens so ausmacht, welch schicksalhafte Pannen ihn immer wieder ereilen, mit welch heldenhafter Aufopferung er gegen die verhängnisvollen Tücken der Requisiten ankämpft, und welche gemeinen Erniedrigungen er zu erleiden hat, wenn er wieder einmal mitleidlos den elenden Bühnentod zu sterben hat - während sich der A-Kollege im Glanz des Sieges sonnen kann.

Eingebettet in die anekdotenreiche Plauderei, bieten die Beobachtungen des Autors Michael Green, in der Inszenierung von Tom Hirtz, den beiden Das-Da-Darstellern die eine oder andere Gelegenheit, das ausgesprochene Pech des C-Schauspielers szenisch und grimassenreich zu verdeutlichen: etwa die Schmach, wenn die Säbelspitze unverrückbar in den Kulissen steckenbleibt. Aber auch die Kaltblütigkeit, mit der so eine alte Rampensau die Ladehemmung des Revolvers überspielt; schließlich auch, welch klippenreiche Bühnentodesarten zu unterscheiden sind. Und mit welch hilfreichen Einfällen selbst die kleinste Nebenrolle ungeahnte Aufmerksamkeit erlangt.

Leider ist das Werk von Michael Green selbst ein C-Stück. Der Autor scheint eine komplette Typologie des C-Schauspielers anzustreben, und das auch noch in nummerierter Folge - da mündet der Spaß selbst bei nur 75 Minuten Dauer und witzigen Fecht-Einlagen schnell im enervierenden Reiz von Lektionen. Zumal sich das Stück weitgehend in dialoglosem, wechselseitigem Witze-Erzählen in Vergangenheitsform erschöpft.

Mehr Spiel von Pleiten, Pech und Pannen wäre mehr gewesen. So aber wird die komische Seite von Anja Mathar und Bernd Büttgens, die ihre Sache sehr gut gemacht haben und eine Riesenmenge Text beherrschen, kaum gefordert. Den Rahmen geben Mike Kühne als Hamlet und Pförtner, Susanne Schreyer als Inspizientin ab. Das Publikum klatschte freundlich Beifall.

Weitere Aufführungen im Aachener Das Da Theater, Liebigstraße, die noch nicht ausverkauft sind: 6., 12. und 19. Mai., 20.30 Uhr. Karten unter: 0241/161688 oder 0241/28008.

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