Buch über den Aachener Maler Eric Peters: Spannend bis zur letzten Seite

Von: Eckhard Hoog
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Der Künstler und sein Interpret: der Maler Eric Peters (links) und Autor Wolfgang Becker. In seinem Buch beschreibt der ehemalige Direktor des Ludwig Forums auch, was an Unterbewusstem im Werk des Aachener Künstlers in Erscheinung tritt. Foto: Harald Krömer

Aachen. Seine Bilder wirken wie antike Fresken – so plastisch, monumental im Format, überwältigend in der Darstellung, altmeisterlich kunstvoll, irritierend in der Motivwahl, auf mysteriöse Weise rätselhaft und vielsagend zugleich.

Wenn überhaupt einem Künstler internationalweit das Attribut eines Alleinstellungsmerkmals gebührt, dann ihm: dem Aachener Maler Eric Peters. Der Faszination seiner Werke kann sich niemand entziehen – den Beweis dafür liefert jetzt ein Experte, der nicht nur viel, der wirklich alles gesehen hat, was auf dem zeitgenössischen Kunstmarkt je en vogue war: Wolfgang Becker, ehemals die rechte Hand von Megasammler Peter Ludwig, 21 Jahre lang Leiter der Neuen Galerie – Sammlung Ludwig und Gründungsdirektor des Ludwig Forums in Aachen. Er hat jetzt eine Monografie über Eric Peters vorgelegt, die das Werk des 1952 in Stolberg geborenen Künstlers tiefgreifend interpretiert, in Vergleich setzt zu Positionen der Kunstgeschichte und nicht zuletzt mit fabelhaften Aufnahmen vor Augen führt.

Auf Englisch und Deutsch

168 Seiten, auf edlem Papier gedruckt, der Text auf Englisch und Deutsch, erschienen im Kölner Wienand Verlag, offiziell vorgestellt am Donnerstag im Forum M der Mayerschen Buchhandlung in Aachen: Einer, der tatsächlich alles in seiner Branche kennt, verhehlt hier selbst bei gebotener nüchterner Sachlichkeit nicht, dass ihn tatsächlich noch etwas berühren, um nicht zu sagen ergreifen kann, was die Kunst hervorbringt.

Ein Werk war es ganz besonders, das es Wolfgang Becker angetan hat, das überhaupt den entscheidenden Anstoß gab, das Buch über Eric Peters zu verfassen: das Gemälde „Kaiserwalzer“ von 2015. 20 Quadratmeter Malerei: „Was für ein Bild!“, sagt Wolfgang Becker. „Brutal in seiner Rauheit, herausgekratzt und geschliffen, absolut zeitlos. Und was für Figuren!“

Schemenhaft tanzen dort lebensgroße Gestalten, die wie Roboter wirken, Antennen scheinen in die Höhe gerichtet zu sein – unwillkürlich vermitteln sich Eindrücke von einem futuristischen „Cyber-War“. Dabei ist die Bildquelle für den „Kaiserwalzer“ gut 100 Jahre alt: das verblasste Zeitungsfoto von einem Frontangriff im Ersten Weltkrieg. Es zeigt behelmte Soldaten mit aufgepflanzten Bajonetten beim Angriffssturm im Dampf der Geschütze. Als ob sie sich an den Händen halten würden, vollziehen die Männer einen bizarren, mörderischen und zugleich angstvoll wirkenden Tanz. „Hand in Hand“, erklärt Wolfgang Becker, „so hieß der Kaiserwalzer von Johann Strauß, als er 1889 angekündigt wurde.“

In seiner Interpretation schlägt er den Bogen zu den medialen Bildern unserer Tage: Sie zeigen „Marschierende, Demonstrierende, Prügelnde, Schießende. Hand in Hand gehend, um die Toten trauernd. Der vibrierende Hintergrund im monumentalen Werk von Eric Peters gibt diesem ein melancholisches Pathos. Zugleich erhebt es sich aus der Aktualität und sucht Zeitlosigkeit. Darum legt der Maler Schatten des Himmels in Wasser, Träume und Erinnerungen übereinander wie das Gestein der Jahrtausende“. Zeitlichkeit und Zeitlosigkeit in seltener Symbiose: ein „Bild, das nicht anders verstanden werden konnte denn als sein Kommentar zu der Völkerwanderung aus dem Nahen Osten und Afrika, die sich über Europa bewegte, und die kriegerischen Abwehrbewegungen, die sie erzeugte“.

Motive werden gespiegelt

Beim Eindringen in die geistigen Hintergründe der Peters‘schen Kunst landete Becker zwangsläufig auch in so scheinbar kunstfernen Gefilden wie der Quantenphysik und der fernöstlichen Philosophie. Denn wer Eric Peters näher kennt, der weiß, dass er stundenlang erzählen kann über seine Faszination von so spukhaften Phänomenen wie der Verschränkung kleinster Teilchen, die selbst über die Entfernung von Lichtjahren hinweg wie magische Zwillinge immer das Gleiche tun. Daraus leitet er sein malerisches Prinzip ab, Motive zu spiegeln, zu verdoppeln oder sich überlagern zu lassen. „Quantum“ – so erklärt sich auch der Titel des Buchs.

„Beim Malen spielt immer das Unterbewusste eine entscheidende Rolle“, meint der Künstler. Sein Interpret Becker: „Meine Aufgabe war es zu erklären, was von diesem Unterbewussten in Erscheinung tritt.“ Beispiel: Eric Peters malt Eisberge. Serienweise, riesengroß. Er verdoppelt und überlagert sie mit sich selbst – zur „Verklärung“, wie Wolfgang Becker sagt. Zu Visionen von Eisbergen – mit Augen, Nase, Mund – mit Gesichtern, mitunter verdichtet zu Buddhafiguren, die wie rein zufällig entstehen.

So ergeben sich Bilder in den Bildern, die sich scheinbar der Kontrolle des Malers entziehen – der allerdings eine große Affinität zum Buddhismus in sich trägt und auch täglich meditiert. So konnte Peters 1997 Wolfgang Becker, damals noch Direktor des Ludwig Forums, davon überzeugen, im Ludwig Forum fünf tibetanische Mönche über fünf Wochen ein Mandala aus farbigem Sand fabrizieren zu lassen – ein unvergessliches Highlight im Ludwig Forum, was den Publikumszuspruch angeht. Auch ein solches Kapitel der Zeit streift das Buch.

Mediale Bilder unserer Zeit, vordergründige politische Anstöße wie der Klimawandel oder die Migrantenbewegung sind oftmals der Ausgangspunkt für Eric Peterse_SSRq Malerei – um dann „in unfassbare Bereiche vorzustoßen“, erklärt Becker. „Das Unterbewusste tritt in Erscheinung als metaphysische Sehnsucht.“ In Form von göttlichen Figuren und mythischen Gestalten, gesteigert in großen Formaten – vor dem Hintergrund fernöstlicher Philosophie und kaum zu verstehender Quantenphysik.

All das ist spannend zu lesen in diesem Buch über einen außergewöhnlichen Menschen und Ausnahmekünstler, der seinen Weg nach einem Design-Studium an der Fachhochschule Aachen als Mode-Designer begonnen hat. Und der ganz bodenständig „unerhört sesshaft, mit einer liebenswerten Familie ein bürgerliches Leben führt und wie der Teufel täglich arbeitet“ .

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