Aachen - Bruno Ganz bei Accordate: Was mag Rilke mit Haydn verbinden?

Bruno Ganz bei Accordate: Was mag Rilke mit Haydn verbinden?

Von: Thomas Beaujean
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Prominente Gäste beim Accordate-Sonderkonzert im Krönungssaal des Aachener Rathauses: Schauspieler Bruno Ganz (links) als Rezitator und das Delian Quartett.

Aachen. Das Sonderkonzert außerhalb des Abonnements in der Kammermusikreihe Accordate bot im Wortsinne Besonderes und bescherte den Veranstaltern im Aachener Rathaus einen prall gefüllten Krönungssaal.

Eine Kombination von Musik und Wort, inzwischen nichts Ungewöhnliches mehr, wohl aber in der Kombination Streichquartett und Rezitator. Als letzteren hatte man mit Bruno Ganz einen ganz Großen seiner Zunft gewonnen, dessen Aura und Sprachkunst denn auch den Abend zu einem Erlebnis werden ließ.

Geradezu väterlich wirkte er neben den vier jungen Musikern des erst 2007 gegründeten Delian Quartetts, das mit einem schweren Handicap antreten musste: Wegen eines Trauerfalles war ganz kurzfristig der etatmäßige Primarius ausgefallen.

Für ihn sprang in letzter Minute die kammermusikerprobte junge Alissa Margulis ein, Tochter des renommierten Pianisten Vitali Margulis, und fügte sich mit beachtlicher Flexibilität in die Klangvorstellungen der Kollegen Andreas Moscho, Aida-Carmen Soanea und Romain Garioud ein. Dabei dürfte das ungewöhnliche Programm mit Werken von Haydn, Bach, Purcell und Puccini kaum zu ihrem Repertoire gehört haben.

Joseph Haydns Quartett G-Dur op. 33/5 mit Gedichten zwischen den einzelnen Sätzen: Ist das machbar? Und überhaupt: Entstand eine Verbindung zwischen den Texten und der Musik? Ergänzten oder bereicherten sie sich? Rilke mit Haydn, Brentano und Hesse mit Bach? Was verbindet zwei Fantasien von Henry Purcell mit Rilkes Gedichten „Orpheus.Eurydike. Hermes” und „Abend” oder Hesses „Die leise Wolke”?

Bruno Ganz sprach faszinierend und mit der bei ihm gewohnten Intensität, das Quartett spielte klanglich delikat und bei den barocken Werken stilistisch eigene Wege beschreitend, wobei die Gastprimaria tonlich stark dominierte. Aber irgendwie wirkte das vor allem im ersten Teil wie Text mit Musikbegleitung, den Gedichten nicht ganz gerecht werdend, und der Musik auch nicht.

Das änderte sich im zweiten Teil insofern, als Ganz mit bezwingendem Charme und höchst komödiantisch Märchen von Andersen und den Gebrüdern Grimm las.

Puccinis drei Menuette und das Andante mesto aus den „Crisantemi” hatten hier zwar auch keinen Bezug zur Musik, waren aber künstlerisch leichtgewichtig. Berührend die Zugabe mit Purcells Chaconne „Dido´s Lamento”. Fazit: Hohe Kunst der Sprache, delikate musikalische Gestaltung, aber eine sich durchdringende Klangpoesie ergab sich nicht. Trotzdem begeisterter Applaus.
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