Aachen - Bruckners Nullte: Marcus Bosch schließt zum Abschied den Zyklus ab

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Bruckners Nullte: Marcus Bosch schließt zum Abschied den Zyklus ab

Von: Pedro Obierea
Letzte Aktualisierung:
Anton Bruckner, Sinfonie in D-
Anton Bruckner, Sinfonie in D-Moll, St. Michael, Jesuitenstraße, Aachen.

Aachen. Wenn sich Marcus R. Bosch in wenigen Wochen endgültig von seinem Aachener Publikum verabschieden wird, werden viele schöne Momente an eine rundum glückliche Zeit in Erinnerung bleiben. Seinen Einsatz für Anton Bruckner kann man sogar in greifbarer Form in Händen halten, wenn im Juni die Einspielungen aller Bruckner-Sinfonien in einer Sonderedition auf den Markt kommen.

Dazu gehören auch die beim Komponisten in Ungnade gefallene „Studiensinfonie” in f-Moll und die „Nullte” in d-Moll, mit denen Bosch jetzt seinen Zyklus punktgenau abschließen konnte. Das Publikum füllte das Mittelschiff der Kirche St. Michael bis auf den letzten Platz.

Als Symphoniker war Bruckner ein Spätzünder. Erst mit 39 Jahren wagte er sich an die zentrale Instrumentalgattung heran und zwar mit einer Sinfonie, die noch stärker der Musik Schumanns und Mendelssohns verhaftet war, als seiner eigenen späteren Handschrift. Bosch ging den mit „molto vivace” ungewöhnlich schnell bezeichneten Kopfsatz denn auch mit Schumannscher Rasanz an, wobei sich die große Besetzung als hinderlich zeigte. Die filigranen Streicherläufe verklumpten zumindest in der halligen Kirchenakustik. Mängel, die sich in den CD-Veröffentlichungen erheblich weniger auswirken dürften.

Insgesamt bleibt Bosch seiner Devise treu, ein klanglich schlankes und von sakralem Weihrauch radikal befreites Bruckner-Bild auf hohem orchestralem Niveau durchzusetzen. Das gilt auch für die kurze Zeit später entstandene Symphonie in d-Moll, die Bruckner zwar auch als „ungiltig” erklärte, dennoch erheblich mehr vom späteren Meister der „symphonischen Riesenschlangen”, erkennen lässt.

Im Grunde weist die Symphonie bereits alle Ingredienzen der formalen Strukturen, der klanglichen Architektur und der melodischen Begleitformeln auf, die zum unverkennbaren Stil des Meisters beitragen. Allerdings bleiben die Themen noch wenig plastisch ausgeformt. Bosch spielte seine in den letzten zehn Jahren gereifte Erfahrung mit Bruckners Musik konsequent aus, so dass die „Nullte” in einem Gewand erklang, das die Aufnahme in den Gesamtzyklus rechtfertigt.

Mit diesen beiden frühen Arbeiten und einer rekonstruierten Fassung der Neunten Symphonie können sich Musikfreunde über eine der vollständigsten Bruckner-Boxen freuen, die derzeit auf dem Markt ist. Die Gesamtedition aller Bruckner-Sinfonien kann bereits jetzt zum Sonderpreis von 69,90 Euro bestellt werden: Sinfonieorchester Aachen, Hubertusstr. 2-8, 52064 Aachen.
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