Brillant: Matthias Kirschnereit bei „Aix Piano“

Von: Thomas Beaujean
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Nicht nur spieltechnisch absolut souverän: der Pianist Matthias Kirschnereit. Foto: Steven Haberland

Aachen. Mit seinem Kollegen Matthias Kirschnereit hatte Michael Rische, der künstlerische Leiter der Klavierserie „Aix Piano“ im Konzertsaal der Musikhochschule, einen hochinteressanten Pianisten eingeladen, der mit einem hochwertigen Programm aufwartete.

Werke von Mendelssohn-Bartholdy, Ginastera und Brahms bildeten eine Programmfolge, die jenseits des Mainstreams verlief.

Dass Felix Mendelssohn-Bartholdy einer der Fixsterne in Kirschnereits Repertoire ist, das wurde bereits bei den ersten Tönen von zwei Liedern ohne Worte und erst recht bei den „Variations sérieuses“ deutlich: Klanglich dermaßen abgetönt, durchhörbar, sorgfältig artikuliert und dennoch kraftvoll hört man diese Musik höchst selten. Das ist durchgestaltet bis ins letzte Detail, dabei in manchen Variationen äußerst brillant und virtuos. Schöner kann man das nicht spielen.

Auch der perkussiven Motorik der erste Sonate des Argentiniers Alberto Ginastera bleibt Kirschnereit nichts an überlegener Gestaltungskraft schuldig. Die Brillanz der gehämmerten Ostinati wirkt klanglich nie überzogen, niemals sprengt der Klavierklang die akustischen Dimensionen des Saales.

Im zweiten Teil dann die sperrige dritte Klaviersonate des bei der Komposition 20-jährigen Johannes Brahms. Auch hier gelingt es Kirschnereit, den dichten, meistens vollgriffigen Klaviersatz klanglich äußerst differenziert zu gestalten, Nebenstimmen hörbar zu machen, ohne den Sätzen ihren großenteils schroffen, feurigen Impetus zu nehmen. Kirschnereit lässt die gesanglichen Linien im von einem Motto inspirierten langsamen Satz expressiv aufblühen und verstärkt durch starke dynamische Kontraste den ambivalenten Charakter des Satzes. Dass das alles spieltechnisch absolut souverän ablief, braucht hier kaum erwähnt zu werden.

Freigiebig verwöhnte er dann das nicht übermäßig zahlreiche Publikum mit Zugaben: Stücke von Chopin, Debussy, Rachmaninow und noch einmal Brahms. Ein höchst beeindruckender Klavierabend, der ein größeres Publikum verdient gehabt hätte.

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