Aachen - Blutjunge Hoffnungsträger singen im Theater Aachen

Blutjunge Hoffnungsträger singen im Theater Aachen

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Eine gute Idee des Aachener Theaters, nach längerer Pause den Sängern des Ensembles die Gelegenheit zu geben, sich als Liedsänger ohne Maske und vorgegebenem Programm präsentieren zu dürfen. Noch besser, dass man zum Einstand der geplanten Reihe zwei blutjungen Nachwuchskräften das Podium des gut besuchten Spiegelfoyers überließ.

Und zwar zwei Stipendiaten der Aachener Theater-Initiative, die in einem einjährigen Praktikum den Bühnenalltag kennenlernen dürfen.

Ein Liederabend stellt natürlich besondere Anforderungen an einen Sänger. Ohne szenische Darstellung, ohne Orchester und Dirigent gilt es, den Gesängen völlig ungeschützt Leben einzuhauchen. Was das Textverständnis und die differenzierte Gestaltung der Inhalte angeht, gaben sich die Sopranistin Camille Schnoor und der Bariton Maximilian Krummen alle Mühe. Und das mit Erfolg.

Die französische Sängerin trug acht Lieder von Franz Schubert von denkbar unterschiedlicher Machart vor und ließ dabei ein hohes Maß an stilistischer Flexibilität erkennen. Sie traf den dramatischen Ton von Kenners Ballade „Ein Fräulein schaut vom hohen Turm“ ebenso sicher wie die melodische Linie des berühmten „Ständchens“. Erfreulich, dass sie Matthias Claudius‘ bekanntem „Tod und das Mädchen“ die Vertonung von Joseph von Spauns ironisch gemeinter, von Schubert aber todernst und wesentlich schwächer verarbeiteter Replik „Der Jüngling und der Tod“ folgen ließ.

Viel Beifall

Mit ihrem hellen Timbre und ihrer leicht geführten, in der Höhe etwas verhärteten Stimme gelangen ihr durchweg gesanglich saubere Interpretationen, auch wenn dunkler getönte Gesänge nicht immer ihrem Stimmtyp entsprechen. Solorepetitor Christoph Breidler war ihr am Flügel ein verlässlicher Partner.

Wesentlich stärker brachte sich die spanische Pianistin Ainoa Padrón ein, als sich der Bariton Maximilian Krummen vorstellte und mit großer Stimme und ebensolcher Geste opernhafte Präsenz verbreitete. Das bekam Gustav Mahlers „Lied des Verfolgten im Turm“ außerordentlich, Ravels Chansons zu „Don Quichotte à Dulcinée“ nicht ganz so gut. Sein anspruchsvolles Programm mit drei Liedblöcken von Mahler, Ravel und Richard Strauss gestaltete er hellwach und mit einer in jeder Lage ausgewogenen Stimme. Der Wechsel von ironisch gefärbten Liedern wie Mahlers „Um schlimme Kinder artig zu machen“ zu lyrischen Gesängen wie Mahlers „Rheinlegendchen“ oder gar der extrem schwierig auf Linie zu haltenden Rückert-Vertonung von „Ich atmet einen linden Duft“ sowie Richard Strausse_SSRq „Himmelboten“ gelang im Wesentlichen vorzüglich.

Viel Beifall für einen erfrischenden Liederabend junger Hoffnungsträger.

Die Reihe wird am 6. Mai von Irina Popova mit einem russischen Liederabend fortgesetzt.

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