Köln - Blue Man Group im Musical Dome: Ein grelles Spektakel voller Hintersinn

Blue Man Group im Musical Dome: Ein grelles Spektakel voller Hintersinn

Von: Susanne Schramm
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Die Blue Man Group: Jetzt ist die amerikanische Gruppe mit einer Multimedia-Performance aus surrealem Theater, Slapstick, Video, Lightshow und treibender Rockmusik zu Gast im Kölner Musical Dome. Mit im Gepäck der drei scheinbar emotionslosen, glatzköpfigen, blau glänzenden, stummen Männer befinden sich auch Marshmellow-Werfer und funkensprühende Elemente. Foto: Thomas Brill

Köln. Mit Essen spielt man nicht. Aber von diesem Verbot haben die drei Männer mit den blauen Gesichtern und den blauen Händen scheinbar noch nie gehört. Sie werfen mit Marshmallows, treten Cornflakes mit Füßen und entlocken einem wehrlosen Wackelpudding wimmernde Töne. Vieles von dem, was in ihren geöffneten Mündern landet, wird wieder ausgespuckt. Und lässt sich hinterher prima als Kunstobjekt deklarieren.

„5000 Euro“, so verkündet ein Preisschild, soll so ein Readymade kosten. Auf den ersten Blick wirkt das ausgesprochen politisch unkorrekt. Aber so einfach ist es dann doch nicht.

Dass die Blue Man Group durchaus Hintergründiges im Sinn hat, davon konnte sich das Publikum in NRW bereits 2007/2008 überzeugen, als die preisgekrönte Theaterproduktion in Oberhausen und in Köln gastierte. Auf Welttournee macht die Truppe, die aus der New Yorker Underground-Szene hervorging, jetzt erneut in Köln Station. Im Musical Dome präsentieren die blauen Männer noch bis zum 17. Dezember ihren Mix aus Drum-Performance, Musikspektakel und Pantomime, Licht- und Videokunst, Clownerie und Groteske. Jetzt war Premiere.

Für diejenigen, die noch keine Gelegenheit hatten, Bekanntschaft mit den drei Herren zu schließen, wirken die auf den ersten Blick ziemlich erschreckend. Nicht nur aufgrund der azurblauen Tönung ihrer Haut. Ihre Köpfe sind kahl, weder Brauen, noch Ohren sind sichtbar, die Gesichter wirken wie aus Plastik gegossen. Sind es Aliens, die sich aufgemacht haben, unsere Welt zu entdecken? Wenn ja, dann stoßen sie dabei auf allerlei seltsame Dinge. Per Drüber-Wischen bedienbare Kommunikationsgeräte, in die man hineingehen kann, um sich dort verwandeln zu lassen, einen Knigge für Rock-Konzerte oder eben Kunst, die dadurch entsteht, dass man etwas ausspuckt. Während andere Hunger leiden.

Die Kritik an einer Überfluss-Gesellschaft, die immer schöner werden will, sich dabei immer gleicher (und zugleich festgelegter) verhält und nur sich selbst und den nächsten (Kunst)-Kick im Blick hat, ist durchaus angebracht. Kommt hier aber nicht mit erhobenem Zeigefinger daher, sondern spielerisch.

Wie Außerirdische

So gesehen sind die Akteure dann eher Kinder als Außerirdische. Die sich die Welt neu erfinden, so, wie sie ihnen gefällt. Sie bunter machen und mit Rhythmus erfüllen. Blaue Männer braucht das Land!

Wenn die Protagonisten auf ineinander verschachtelten PVC-Rohren und mit Ruten aus Kunststoff musizieren, dann hat das etwas Stompiges, das Schlagen einer riesigen Trommel mit zwei Metern Durchmessern gemahnt an Yamato, die spiraligen, elektronisch pulsierenden Videoinstallationen zur percussionsstarken Musik der Band oberhalb der Bühne erinnern in ihren besten Momenten an Kraftwerk-Konzerte.

Auch das Publikum muss immer wieder ran. Wird auserkoren, Tob-leronestücke zu werfen, als menschlicher Pinsel für eine Kunstaktion zu dienen oder sich von den Blaumännern bewirten zu lassen.

Am Ende – im furiosen Finale mit riesigen blau schillernden Ballons, die quer durch den Saal gepritscht werden, und Bergen von leuchtenden Luftschlangen – sind dann alle beteiligt. Und anschließend traurig, dass die Show jetzt schon vorbei ist. Irgendwie ging das viel zu schnell. Was aber ja im Grunde kein schlechtes Zeichen ist. Im Gegenteil.

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