Würselen - „Blind Date“: Überraschung? Geglückt!

„Blind Date“: Überraschung? Geglückt!

Von: Stefan Schaum
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Das nennt man wohl große Spannbreite: Dieter Kaspari mit Uwe Böttcher, „Der unglaubliche Heinz“ und Matteo Capreoli (im Uhrzeigersinn) beim „Blind Date“ auf Burg Wilhelmstein. Foto: Stefan Schaum
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Das nennt man wohl große Spannbreite: Dieter Kaspari mit Uwe Böttcher, „Der unglaubliche Heinz“ und Matteo Capreoli (im Uhrzeigersinn) beim „Blind Date“ auf Burg Wilhelmstein. Foto: Stefan Schaum
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Das nennt man wohl große Spannbreite: Dieter Kaspari mit Uwe Böttcher, „Der unglaubliche Heinz“ und Matteo Capreoli (im Uhrzeigersinn) beim „Blind Date“ auf Burg Wilhelmstein. Foto: Stefan Schaum

Würselen. Es gibt nicht wenige, die diese Wundertüte immer wieder wollen. Es steckt ja auch stets was Gutes drin. Erneut gab es beim „Blind Date“ auf Burg Wilhelmstein in Würselen-Bardenberg ein mit rund 1000 Leuten ausverkauftes Haus und überraschende Bühnengäste, die eine Menge Spaß machten.

Wer ein Ticket gekauft hatte, der wusste nicht, welches Programm ihn erwartete. Doch fest stand, dass er mit dem Besuch das Hilfswerk „Menschen helfen Menschen“ des Zeitungsverlags Aachen unterstützt. Denn der Erlös des Abends – der das diesjährige Programm auf der Freilichtbühne eröffnete – kommt der Unterstützung in Not geratener Menschen zugute. Die Arbeit des Hilfswerks stellte Redakteur Hans-Peter Leisten zu Beginn der Show vor, bevor Moderator Robert Esser das erste Geheimnis lüftete.

Knarziger Blues in Öcher Platt

Mit knarzigem Blues in Öcher Platt eröffnete Dieter Kaspari den Abend. Ein Newcomer ist der Mann nicht wirklich. Schließlich ist er Jahrgang 1947 und hat etliche Bühnen des Landes gesehen. Doch macht die „Blind Date“-Reihe in ihrem Anspruch, jungen und eher unbekannten Künstlern ein Sprungbrett zu bieten, für einen wie Kaspari gern eine Ausnahme. Lässig, im Karohemd und mit Wollmütze, präsentierte der in Alsdorf lebende Ur-Öcher seine Songs mit seiner Akustikgitarre und begleitet am Kontrabass und an der Violine von Uwe Böttcher. Blues pur, ohne Mätzchen, mit viel Herz. Dass ein Teil des Publikums den Texten vermutlich nur schwer folgen konnte, tat der Begeisterung keinen Abbruch. Solange das Gefühl stimmt. Und das stimmt bei Kaspari eigentlich immer. Wie auch in seinen schnurrigen Erinnerungen an die Kindheit im Aachener Westviertel, von denen er zwischen den Songs erzählte. „Da brauchte man schon einen guten Freund, wenn man abends draußen sicher unterwegs sein wollte. Oder eine starke Frau wie meine Mutter.“ Auch für die hatte er den passenden Song dabei. Ein Auftakt mit viel Lokalkolorit, für den es ordentlich Applaus gab.

Viel zu erzählen hatte dann einer, der das Wort „Understatement“ bloß vom Hörensagen kennt. Comedian Heinz Gröning, besser bekannt als „Der unglaubliche Heinz“. Auch der ist längst ein alter Hase, und eines weiß er ganz genau: Die Frauen wollen ihn. Und er will auch, na klar. Muss an seiner großen Klappe liegen, denn der Rest ist eher so lala. Er weiß das und beschrieb sich so: „Ich bin ein sensibler Poet, gefangen im Körper eines zu stark behaarten Lkw-Fahrers“. Als Mutter aller Rampensäue inszenierte er sich beim Auftritt. Jede Geste eine Show für sich, begleitet von kessen Sprüchen. „Ich muss eigentlich nicht hier sein. Ich könnte auch im Bett liegen und mich von einer Frau in den Wahnsinn treiben lassen. Mit Sätzen wie: Schatz, was denkst du gerade?“ Überhaupt: die Frauen. „Frauen mit ein bisschen Übergewicht leben statistisch gesehen viel länger als Männer, die das erwähnen.“ Auch er griff zur Gitarre, wobei daraus selten ganze Songs wurden. Ein bisschen Beat unter einen Witz gelegt, das war eher seine Masche. Und die kam glänzend an. Zu sagen, dass die Zuhörer ihm aus der Hand fraßen, wäre da nicht untertrieben. Er würde sagen: „Ich kenn’s ja nicht anders!“

Sonnige Songs, prasselnder Regen

Noch nicht so bühnenerfahren war der dritte Act des Abends: Sänger Matteo Capreoli. Ein Songwriter der jungen Generation, der den Folk modern inszeniert. Einer, der Beat mit ein wenig Rap, ein wenig Reggae, viel Melodie, Mitsingmomenten und deutschen Texten mischt. Sehr sonnig kamen viele Songs rüber. Das mussten sie auch, denn derweil prasselte der Regen kräftig aufs Zeltdach, das nicht alle Sitzplätze schützte. Dass es Capreoli und seinen beiden musikalischen Begleitern gelang, dagegen anzuspielen, sprach für sich. Mit seiner schwarzen Lockenmähne geht der Sänger sicher gut als Frauenschwarm durch, als Musiker ist er einer, der es zu was Großem bringen könnte. Die Songs des Debütalbums jedenfalls, dessen lang verzögertes Erscheinen er mehrfach anpries, konnten sich hören lassen. Viel Applaus auch für ihn. Und zum Schluss für das Defilee aller Künstler, die sich noch einmal bejubeln ließen.

Überraschung? Geglückt!

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