Bis zum Finale wartet ein Riesenpensum

Von: Eckhard Hoog
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Festliche Stimmung zum Auftakt
Er geht in seine letzte Spielzeit in Aachen: GMD Marcus R. Bosch. Während er an diesem Wochenende am Pult der Kurpark Classix steht - am Freitag bei einer „Night at the Opera” -, erwartet er bereits gespannt den Auftakt der Sinfoniekonzert-Saison am 11. September. Foto: Bernd Schröder

Aachen. Was für ein grandioser Erfolg, welch ein nicht für möglich gehaltener Publikumszuspruch: Glatt vervierfacht hat Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch die jährliche Zahl der Konzertbesucher in Aachen seit seinem Amtsantritt 2002 - und die absolute Zahl mag er dabei selbst noch nicht einmal nennen.

„Wir sind das Theater und definieren uns nicht nach Sparten”, betont er den erklärten Gemeinschaftscharakter seines „Unternehmens”. Verraten sei sie dennoch, die phänomenale Zahl: 48.000 Menschen strömten in der vergangenen Saison in die Konzerte; vor neun Jahren hätte davon niemand zu träumen gewagt.

Jetzt hat das Festival der „Kurpark Classix” kaum begonnen, da blickt Bosch bereits gespannt dem Start der Sinfoniekonzert-Saison entgegen - zugleich der Auftakt zu seiner letzten Spielzeit in Aachen. Und die ist nur so gespickt mit Höhepunkten - bis zu einem epochalen Finale im Juni 2012, das in die Annalen der Aachener Musikgeschichte eingehen wird!

Am 11. September geht es im Eurogress wieder los - zu ungewohnter Zeit: an einem Sonntag und dazu noch um 18 Uhr, mit der Wiederholung am Montag um 20 Uhr, statt mittwochs und donnerstags wie ehedem. Dem Eurogress bringt das vermehrt verkaufbare Termine im Kongressgeschäft, für die Musiker bedeutet das „deutlich mehr Stress” (Bosch): Das Konzertwesen in Aachen konzentriert sich immer mehr aufs Wochenende hin, den Musikern bleibt kaum mehr ein freier Sonntag übrig. Dafür wird aber den Wünschen des Publikums entsprochen, das in einer Umfrage mehrheitlich für den 18-Uhr-Termin am Sonntag gestimmt hatte.

„Ta ta ta taaa...” Schlicht, markant und doch so geheimnisvoll wie kein anderes Motiv der Musikgeschichte: Beethovens Superklassiker, die „Fünfte”, erklingt zum Auftakt der Sinfoniekonzerte am 11. September - bei dem Datum fürwahr ein ganz besonderer Schicksalstag. Für Bosch eine Herausforderung, die ihn bis zum Ende seiner Tage beschäftigen wird. Welches Tempo ist richtig, welche Aussage gemeint? „So pocht das Schicksal an die Pforte”, sind die Worte des Komponisten überliefert.

Vier Töne, die die Welt bewegen: „Daran kann man sich ein ganzes Leben lang abarbeiten”, lächelt der jugendliche Maestro, der bis zu seinem Abschied „Kreise schließen” will, die er in Aachen begonnen hat. Der Beethoven-Zyklus gehört dazu. Die 6., 7. und 8. Sinfonie folgen im 6. und 7. Sinfoniekonzert (25./26. März und 29./30. April). Die Krönung dann beim Neujahrskonzert: die alles überstrahlende „Neunte”.

Gleich im ersten Sinfoniekonzert ist die überragende deutsche Mezzosopranistin im schweren Fach zu erleben: Lioba Braun - vielgefragt auf allen internationalen Bühnen - mit den „Vier letzten Liedern” von Richard Strauss, die eine vergangene Zeit von Jugend und Schönheit heraufbeschwören.

Bei der Sängerin sind diese Themen allerdings genauso hochaktuell und noch keineswegs beschwörenswert wie bei dem Stargast des 2. Sinfoniekonzerts (16./17. Oktober): Das russische Klavierwunder Olga Scheps, gefeierte Echo-Preisträgerin, wird diesmal mit Chopins Klavierkonzert Nr. 1 e-Moll das Publikum be- und verzaubern.

In gewisser Weise gerät dieses Konzert zu einer Art Schicksalstag für das Aachener Musikleben: Dirigieren wird der US-Amerikaner Kazem Abdullah (32), neben dem Niederländer Enrico Delamboye (34) einer der beiden letzten verbliebenen Kandidaten für die Nachfolge Marcus Boschs. Wann Abdullahs Konkurrent sein entscheidendes Probedirigat abgeben wird, steht noch nicht sicher fest. Allerdings wird bereits für das 3. Sinfoniekonzert (13./14. November) statt des Dirigentennamen im Programm ein vielsagendes „N.N.” angegeben.

Weitaus größer und umfangreicher als die Folge der acht Sinfoniekonzerte mit jeweils einer Wiederholung fällt erneut das Angebot der Sonderkonzerte aus. Anfänglich verbreitete Bedenken, dass andere Ensembles gegen eine solche Konkurrenz nicht ankommen würden, sieht Bosch ins Gegenteil verkehrt: „Die Musikstadt Aachen ist dadurch beflügelt worden. Das Angebot ließ die Nachfrage wachsen - nicht umgekehrt.”

Der „doppelte” GMD

Und wie bewältigt ein bereits halbwegs scheidender GMD zwei Spielzeiten gleichzeitig? Immerhin gestaltet er 2011/12 auch noch das musikalische Programm seiner künftigen Wirkungsstätte, dem Staatstheater Nürnberg, neben Aachen schon mit. Bosch lächelt und macht kein besonderes Aufhebens: „Mit der Bahn.” Und mit Hilfe nachgewachsener Kräfte in Aachen, die mit dem Ersten Konzertmeister Felix Giglberger zum Beispiel Sonderkonzerte wie das „M & M” bei Mercedes-Benz, mit Péter Hálasz „Pferd und Sinfonie” oder Chordirektor Andreas Klippert das Domkonzert übernehmen.

Allein: Das Smartphone des doppelten GMD steht kaum einmal still. Doch der 42-Jährige strahlt nach wie vor die Gelassenheit eines Adagios aus - obwohl er in Aachen noch ein Riesenpensum zu bewältigen hat. Die nächste Bruckner-Einspielung in St. Nikolaus (28. Mai 2012) mit der „Nullten” zum Beispiel. „Die Reihe ist weltweit erfolgreich”, freut sich Bosch über die euphorischen CD-Besprechungen in aller Herren Länder.

Schließlich geht ein Abschiedskonzert über die Bühne (10., 11., 12. Juni), über das man noch lange sprechen wird: Nach 1913 erklingt in Aachen zum ersten Mal wieder die monumentalste aller Sinfonien: Gustav Mahlers „8.”, die „Sinfonie der Tausend” - mit allen Chören, mit denen Marcus Bosch in Aachen zusammengearbeitet hat. Da kommen gut und gerne 450 Sängerinnen und Sänger zusammen.

Die anschließende Party dürfte sich gewaschen haben...
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