Bilder des Löwener Malers Albrecht Bouts im Suermondt-Ludwig-Museum

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
14148265.jpg
Das Aachener Suermondt-Ludwig-Museum zeigt ab Mittwochabend bis zum 11. Juni 49 Werke des Löwener Meisters – hauptsächlich dieses Motiv. Foto: Harald Krömer
14148270.jpg
Eine sogenannte „Johannesschüssel“: Der abgeschlagene Kopf von Johannes dem Täufer, wie er der Legende nach der Salomé serviert wurde, war einst in Löwen ein beliebtes Andachtsbild. Foto: Harald Krömer

Aachen. Tränen kullern aus roten Augen die Wangen herunter, Blut tropft von der Stirn herab, ein seelenloser Blick ist ins Leere gerichtet. Das alles wirkt so plastisch, dass man die Hand hinreichen möchte, um über die Haut zu streichen: „Christus mit Dornenkrone.“

Malerische Qualität, wie sie die alten Holländer nahezu perfekt beherrschten, präsentiert das Aachener Suermondt-Ludwig-Museum wieder einmal passend zur Tefaf in Maastricht. Am Vorabend des Beginns der bedeutendsten Kunstmesse der Welt an diesem Mittwoch wird in Aachen die Schau „Blut und Tränen – Albrecht Bouts & das Antlitz der Passion“ eröffnet.

Zum ersten Mal überhaupt findet damit eine Werkschau dieses Löwener Malers (1451/55-1549) statt, der ein wenig im Schatten seines berühmteren Vaters Dirk Bouts steht. Gezeigt werden 49 bedeutende Werke von Albrecht Bouts selbst und einige aus seinem Umfeld wie von Hans Memling sowie mittelalterliche Skulpturen.

Die besondere Spezialität des Löwener Meisters könnte allerdings für manchen Zeitgenossen, der nicht so tief religiös verwurzelt ist, etwas abschreckend wirken: Bouts malte in einer Serie, wie es sie nirgendwo sonst gab, Christus mit der Dornenkrone, die Schmerzensmutter Mater dolorosa und die sogenannte Johannesschüssel – und das in allen Variationen. Die Ausstellung beschränkt sich auf diese Motive, nur drei Bilder – darunter die Darstellung der heiligen Familie – beweisen, dass Albrecht Bouts auch noch mehr auf der Palette hatte.

Ein Diptychon aus der hauseigenen Sammlung steht im Zentrum der Schau, die in Zusammenarbeit mit dem Nationalmuseum für Geschichte und Kunst in Luxemburg, dem Brüsseler KIK/IRPA und dem Royal Institute für Cultural Heri-tage entstanden ist. Die Werke sind Leihgaben der berühmtesten Museen der Welt: Zwei stammen aus dem Louvre, zwei aus dem Metro-politan Museum in New York, drei aus der National Gallery in London.

In erhabene Dunkelheit getaucht, spärlich beleuchtet, präsentiert sich immer wieder das Antlitz der Passion. Dagmar Prei-sing, neben Museumsdirektor Peter van den Brink Kuratorin der Ausstellung, hebt hervor, was auch für das weniger religiöse Publikum den Besuch lohnenswert macht: „Das ist die Qualität der Malerei, diese feine Art der Lasurmalerei, der unglaubliche Realismus und auch ein Thema, das bewegt.“

Bouts unterhielt in Löwen mit seiner Werkstatt ein florierendes Unternehmen, seine Motive erwiesen sich im Umkreis der großen theologischen Fakultät der Universität als gefragte Bestseller. Seine Werke waren als Andachtsbilder in Kirchen, aber bereits auch in privaten Haushalten hoch geschätzt. Dagmar Preising: „Sie wurden bis ins 17. Jahrhundert hinein kopiert.“

Zugute kam dem Meister die Frömmigkeitsbewegung der „Devotio moderna“, deren Spiritualität viele Anhänger fand. Gepredigt wurde ihnen das Mitleiden mit Christus. Genau darin sieht van den Brink eine nicht zu unterschätzende Aktualität des Themas: „Menschlichkeit ist ganz besonders wichtig in unseren Zeiten!“

Bouts Produktionen waren weitgehend standardisierte Bildformate und entweder Auftragswerke, oder sie wurden auf dem freien Markt verkauft. Besonders beliebt waren seine verhältnismäßig kleinformatigen Passionsbilder, die das Gesicht des Leidenden hautnah zeigen.

Etwas gruselig wirken heute die sogenannten Johannesschüsseln: gemalte oder geschnitzte Darstellungen des abgeschlagenen und der Legende nach der Salomé servierten Kopfes von Johannes dem Täufer. Vier Exemplare lassen den Besucher dreidimensional in Vitrinen erschauern – der Realismus ist frappierend.

Zu erleben ist das Ganze erstmals mit stimmungsvoller musikalischer Untermalung – unter anderem mit leisen Klängen aus Bach‘scher Passionsmusik. Van den Brink: „Ein Erlebnis für alle Sinne.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert