Bild vom rückständigen Yankee

Von: Jan Mönch
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Klischeebehaftet, aber unterha
Klischeebehaftet, aber unterhaltsam: „Boys do(n)t cry” in der Spielstätte Mörgens des Aachener Theaters. Foto: Ludwig Koerfer

Aachen. Die Ankündigung verspricht einigen Tiefgang: „Was ist eigentlich männlich und was weiblich?”, will das Theater Aachen mit seiner neuen Mörgens-Produktion „Boys do(nt) cry” herausfinden. Um dem nachzugehen, hat man sich die reale Geschichte des amerikanischen Transsexuellen Brandon Teena vorgenommen.

Als Teena Brandon geboren, wurde dieser 1993 im ländlichen Nebraska vergewaltigt und wenig später eines der Opfer eines Dreifachmords.

Nach Geschlecht sortiert

Im Mörgens tritt Felix Strüven vor das nach Geschlecht sortierte Publikum. Darauf, dass der Plot in den USA spielt, weisen sogleich Tierschädel an den Wänden und Cowboy-Hüte auf den Köpfen, außerdem Country-Musik und das gelegentliche Abgleiten ins Englische hin. Wesentlich mehr als die Erkenntnis, dass der amerikanische Provinzler im Allgemeinen ziemlich dämlich ist, bekommt man dann allerdings nicht erzählt.

Haupttäter John Lotter mag Football, spricht nicht über seine Gefühle, und als er klein war, hatte seine Mutter Probleme, ihn stubenrein zu kriegen. Wenn so jemand eine als Mann lebende Frau enttarnt, vergewaltigt er sie natürlich erst mal. Als aufgeklärter Westeuropäer hingegen, so wird suggeriert, kann man sich bei dem Thema zurücklehnen und mit dem Finger auf die rückständigen Yankees zeigen. Sicher, es geht um eine Geschichte nach Tatsachen, und die haben sich nun mal in Amerika abgespielt. Trotzdem unterläuft „Boys do(nt) cry” mit allzu bequemen Antworten seine eigene Fragestellung.

Beschränkte Sätzchen

Hätte man die psychologische Dimension des Plots so ernst genommen wie die abgegriffenen Amerikaklischees, wäre mehr drin gewesen. Stattdessen wird das Innenleben des Protagonisten beschränkt auf Sätzchen wie „Es ist, als wäre man im falschen Körper gefangen, besser kann ich es auch nicht erklären”.

Dabei haben Tanja Krone (Regie) und Katharina Rahn (Dramaturgie) sich durchaus einiges einfallen lassen, um dem „jungen Spielort” ihre Arbeit schwungvoll zu präsentieren. Elke Borkenstein, Karsten Meyer und Bettina Scheuritzel teilen sich die Figuren, die Teenas Lebensweg säumen. Nacherzählt wird dieser mal im Stil einer Talkshow, dann im nachrichtlichen Duktus einer Agenturmeldung. Klasse ist Meyer als obercooler Yankee im Plausch mit den Figuren, ebenso die gewohnt schrille Darbietung Borkensteins. Umsetzung und Ensemble ist so zu verdanken, dass „Boys do(n´t) cry” trotz seines eindimensionalen Inhalts noch passabel unterhält.

Weitere Aufführungen: 18., 25., 28. Mai, 3., 25., 29. Juni.
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