Oberammergau - Besucher strömen in Scharen: Halbzeit bei Passionsspielen

Besucher strömen in Scharen: Halbzeit bei Passionsspielen

Von: Paul Winterer, dpa
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Halbzeit Oberammergauer Passionsspiele
Besucher verfolgen den ökumenischen Eröffnungsgottesdienst der Passionsspiele im Passionstheater. 99,7 Prozent beträgt die Besucherauslastung bei den Passionsspielen von Oberammergau. Der Verkaufsleiter des weltberühmten Theaterstücks vom Leiden und Sterben Jesu Christi kann sich zur Halbzeit der Passion 2010 zwar noch nicht zurücklehnen. Doch ist Herrlinger zuversichtlich, dass auch die zweite Hälfte der exakt 102 Aufführungen vor vollem Haus gespielt wird. Foto: Tobias Hase, dpa

Oberammergau. 50 Mal ist Jesus in Oberammergau nun schon eindrucksvoll den Kreuzestod gestorben - Halbzeit bei den Passionsspielen. Und obwohl die US-Amerikaner dieses Jahr nicht in Massen in das oberbayerische Dorf strömen, sind alle Vorstellungen so gut wie ausverkauft.

Diese Zahl macht Werner Herrlinger glücklich: 99,7 Prozent beträgt die Besucherauslastung bei den Passionsspielen von Oberammergau. Der Verkaufsleiter des weltberühmten Theaterstücks vom Leiden und Sterben Jesu Christi kann sich zur Halbzeit der Passion 2010 zwar noch nicht zurücklehnen. Doch ist Herrlinger zuversichtlich, dass auch die zweite Hälfte der exakt 102 Aufführungen vor vollem Haus gespielt wird.

Noch bis zum 3. Oktober wird in dem oberbayerischen Alpendorf das Passionsspiel gegeben. Es geht auf ein Pestgelübde aus dem Jahr 1633 zurück. Premiere für die Spiele 2010 war am 15. Mai - damals bei nur wenigen Grad über null und strömendem Regen. Das halbe Dorf ist auf oder hinter der Bühne aktiv. Bis der letzte Vorhang fällt, sollen fast eine halbe Million Zuschauer nach Oberammergau geströmt sein. Die Gemeinde hofft auf einen Reingewinn von 28 Millionen Euro.

Zu Beginn des Aufführungsreigens hatte es wenig rosig ausgesehen, was den Verkauf der nicht eben billigen Eintrittskarten betrifft. Der beste Platz kostet immerhin 165 Euro; 49,50 Euro sind für einen Sitz ohne gute Sicht zu berappen. Grund für die Besorgnis im Verkaufsbüro war das mehr als zögerliche Verhalten der US-Reisebranche.

Nicht zuletzt wegen der Terroranschläge vom 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington bleiben nach wie vor viele US-Bürger lieber zu Hause. Abertausende von Karten-Arrangements samt zwei Hotelübernachtungen wurden in den USA storniert.

Doch die Gemeinde Oberammergau als Veranstalter der Passionsspiele reagierte darauf und gab die zurückgegebenen Karten in den freien Verkauf. Denn in Deutschland ist die Nachfrage nach den Passionsspielen ungebrochen, wie Sprecher Frederik Mayet weiß. „Von den fast 5000 Sitzplätzen im Theater werden jeden Tag nur zwischen 20 und 80 an der Tageskasse verkauft, alle anderen Karten gehen schon zuvor weg.”

Auch die Hoteliers in Oberammergau und Umgebung können mit dem geänderten Buchungsverhalten leben. Weil die Aufführungen in diesem Jahr zum ersten Mal in der Geschichte der Passionsspiele bis in den späten Abend dauern, übernachten auch viele deutsche Besucher im Ort, wie es übereinstimmend in der Gästebranche heißt.

War es in den ersten Wochen der Passionsspiele deutlich zu kalt, mussten die Darsteller im Juli unter ihren teils schweren Leinenkostümen und mit großen Kopfbedeckungen auf der Freilichtbühne schwitzen. „An manchen Tagen war es ganz schön heiß”, sagt Passionsspiel-Sprecher Mayet, der auch einer der beiden gleichberechtigten Christus-Darsteller ist. Da half, dass er bei der Kreuzigung nur einen Lendenschurz trägt.

Nach 50 Aufführungen - gespielt wird fünf Mal die Woche - haben indessen vor allem die Hauptdarsteller ihre Rollen weiterentwickelt. „Jeder probiert noch ein wenig aus”, erläutert Mayet, „er steht auf der Bühne mal woanders oder spielt eine Szene in Nuancen anders.”

Von größeren Pannen oder gar Unfällen auf der Bühne sind die Mitwirkenden bislang verschont geblieben. Vor einigen Tagen musste eine Aufführung während der Abendmahlsszene allerdings unterbrochen werden. Es begann plötzlich heftig zu hageln. „Neben mir prasselten taubeneigroße Hagelkörner auf den Bühnenboden”, berichtet Mayet. „Wir haben 20 Minuten pausiert, dann ging es weiter.” Das Publikum habe mit großem Verständnis auf die erzwungene Unterbrechung reagiert.

Und auch König Fußball spielte indirekt auf der Bühne schon mit. Beim WM-Achtelfinale gegen England - die Deutschen gewannen 4:1 - hallte ausgerechnet während der stillen Abendmahlsszene lauter Jubel durchs Dorf, der auch im Passionstheater unüberhörbar war. Die Deutschen hatten gerade ihr zweites Tor geschossen. Mayet: „Da habe auch ich gewusst, was in Südafrika Sache ist.”
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