Lüttich - Beseeltes Grusel-Melodram in Lüttich

Beseeltes Grusel-Melodram in Lüttich

Von: Guido Rademachers
Letzte Aktualisierung:
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Pulverfass auf zwei Beinen: Mark Rucker verleiht bei der Aufführung des Lütticher Opernhauses mit seinem Bariton dem Rigoletto viel Dramatik. Cinzia Fortes (Gilda) Sopran dagegen fließt sanft. Foto: Jacky Croisier

Lüttich. Wunder an Bühnenopulenz sind bei der eingeschränkten Technik im Theaterzelt nicht zu erwarten. Das Stammhaus im Zentrum der Stadt wird grundsaniert. Seit dem Saisonstart spielt Lüttichs Oper in einem Provisorium am Boulevard de la Constitution, dort, wo jeden Freitag der große Flohmarkt stattfindet.

Man hat sich inzwischen gut eingerichtet unter den weißen Zeltkuppeln. Die Akustik ist ausgezeichnet, schnell vergessen, dass vor dem ersten Orchesterton die Klimaanlage geräuschvoll anspringt, und auch die Frage, ob Sänger und Orchester elektronisch verstärkt werden müssen. Selbst die bühnentechnischen Beschränkungen hat man im Griff.

Beim Publikumsmagneten „Rigoletto” allerdings geht man wieder auf Nummer Sicher. Eine riesige graue Wand links, eine gekrümmte rechts, so dass der Raum zwischen den Wänden sich nach hinten zu einem langen Gang verengt. Ansonsten viele Lichtstimmungen im Halbdunkel, wenige Regieeingriffe und unter diesen keiner, der die Sänger abhalten könnte, sich musikalisch unbekümmert zu entfalten.

Bis auf den offenbar Belcanto als „Bellcanto” missverstehenden Arturo Chacón-Cruz als Herzog, wissen alle Solisten den für ihre Gesangskunst von Regisseur Philippe Sireuil bereitgestellten Präsentierteller zu nutzen. Cinzia Fortes sanft fließender, wenn auch nicht unbedingt dem Mädchenstereotyp der Gilda entsprechender Sopran durchläuft so unangestrengt wie sicher die Stromschnellen der Koloraturen. Der Amerikaner Mark Rucker als Rigoletto bringt mit seinem kräftig-harten Bariton viel Dramatik mit. Ein Pulverfass auf zwei Beinen.

Paolo Arrivabeni am Dirigentenpult liefert ein selten ausdrucksvolles, auf den Gesamtklang achtendes, beseeltes Beispiel dessen, was „Italianitá” in Verdis Musik bedeuten kann. Sein schwungvoller, aber rhythmisch kontrollierter Ansatz hat das Melodische im Auge, den längeren Spannungsbogen und verliert sich nicht in die Phrase zersetzende Kleinstpointierungen. Gleichwohl sind sie da: die genauen Akzente, das plötzliche Crescendo und auch das Schroffe, der gellende Schreckensakkord. Denn das wird bei Arrivabeni deutlich: „Rigoletto” ist das große Grusel-Melodram über den Fluch, der den Vater die eigene Tochter töten lässt.

Begeisterter Applaus. Beim Hinaustreten in die Messehallen-Atmosphäre des Zeltfoyers vermisst man das alte plüschige Opernhaus dann doch.

„Rigoletto” von Giuseppe Verdi ist noch am 24., 25., 26., 27. (20 Uhr), 28. (15 Uhr) März im Palais Opéra de Liège am Espace de Bavière (Eingang Boulevard de la Constitution) sowie am 9. April (20 Uhr) im Theater Heerlen zu sehen. Karten und Infos unter 0032/4/2214722 (Oper Lüttich) oder 0031/45/5716607 (Theater Heerlen)und im Internet.
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