Bernd Glemser spielt grandios bei Aix Piano

Von: Thomas Beaujean
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Aachen. Mit einem wahrhaft außergewöhnlichen Programm jenseits allen Mainstreams wartete der renommierte deutsche Pianist Bernd Glemser im dritten Konzert der von Michael Rische künstlerisch betreuten und vom WDR mitgetragenen Konzertreihe Aix Piano im Konzertsaal der Aachener Musikhochschule auf.

Standen am Beginn und am Ende des Recitals mit Ferruccio Busoni und Max Reger zwei diesjährige Jubilare, so bildeten die Brücke zu diesen beiden Eckpunkten Werke von Joseph Haydn und Johannes Brahms. Johann Sebastian Bach war der Fixstern sowohl von Busoni wie von Reger.

So eröffnete Glemser den Abend mit zwei Choralbearbeitungen Bachs durch Ferruccio Busoni, wobei er die beiden Stücke eher durch die Brille Busonis als die Bachs betrachtete. Bei aller Transparenz der Stimmverläufe und Klarheit des Klangbildes nutzte er das Pedal mehr, als man es für diese Stilistik gewöhnt ist. Joseph Haydns dreisätzige Sonate cis-Moll ist aufgrund ihrer ungewöhnlichen Form eines der vielen Beispiele für die Experimentierfreude des Komponisten.

Glemser spielte diese eigenwillige Musik mit einer bestechenden Natürlichkeit des Ausdrucks und rundem Klavierton, ohne Ambitionen auf historische Orientierung. Die Klavierstücke op. 118 von Johannes Brahms sind im Konzertsaal selten als geschlossener Zyklus zu hören. Glemser findet für diese dunkel gefärbten, herbstlichen Stücke aus dem Spätwerk des Komponisten eine adäquate klangliche Sprache, kompakt und dennoch durchhörbar, wobei er bei aller Rundung des Klangbildes den polyphonen Verläufen der Mittelstimmen klanglich delikat nachgeht.

Seine große künstlerische Ernsthaftigkeit zeigt sich allein darin, dass er die Pedalanweisungen des Komponisten genau befolgt, das Intermezzo A-Dur mit unendlicher Zartheit spielt und bei der Ballade g-Moll, wie von Brahms gefordert, ordentlich zulangt. Das tut und muss er allerdings auch bei den Variationen und Fuge über ein Thema von Bach von Max Reger, mit dem Glemser den Bogen schlägt zum Beginn des Konzertes.

Fast unspielbar

Regers Intention der Übertragung des Orgelklangs auf das Klavier grenzt an Hypertrophie, ist aber im Erfindungsreichtum seiner Verwandlungen des eher schlichten Themas aus einer Kantate Bachs, in seinem direkten Nebeneinander von berührend zarten Partien und geradezu explosiven dynamischen Ausbrüchen grandios, wenn es auch bisweilen ans Unspielbare grenzt.

Glemser erweist sich hier als ein blendender Techniker, der dieses sperrige Werk ohne jede Exaltiertheit und klanglich immer gebändigt meistert. Selbst in der wahnwitzigen Doppelfuge am Schluss behält lässt den Hörer diese komplizierte Polyphonie mitvollziehen. Da blieb als Zugabe nur noch einmal Bach.

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