Berlioz‘ „Benvenuto Cellini“: Ein wahrer Kraftakt

Von: Pedro Obiera
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Eindrucksvolle Szene aus „Benvenuto Cellini“ in der Kölner Oper: der Papst vor einem leuchtenden Totenkopf. Foto: Paul Leclaire

Köln. Ein so gigantisches Werk wie Hector Berlioz‘ Oper „Benvenuto Cellini“ überhaupt unter den schwierigen Bedingungen an einem Ausweichort zu realisieren, verdient Respekt. Dass der Kraftakt durch die erst vor zwei Wochen in Bonn gezeigte Premiere des gleichen Stücks ein wenig von seinem exklusiven Glanz verliert, muss man in Kauf nehmen, wenn sich nicht einmal unmittelbar benachbarte Theater über ihre Pläne austauschen.

Immerhin wuchert Köln mit der ungekürzten Pariser Erstfassung, die 1836 wenig Gefallen fand und Berlioz zu mehreren gestrafften Überarbeitungen anregte. Die Kölner Aufführung schrammt damit knapp an der Vier-Stunden-Marke vorbei.

Auch wenn Berlioz ein musikalisches Stilsammelsurium von schriller Vielfalt aufbietet, das der neue Kölner Generalmusikdirektor François-Xavier Roth entsprechend farbig und teilweise knallig umsetzt, stellen sich Längen ein. Erst recht in einer so harmlosen Inszenierung wie die von Carlus Padrissa, der zwar als Mitglied der katalanischen Theatergruppe „Fura dels Baus“ Bühnenbildner Roland Olbeter viel Freiraum für das ein oder andere spektakuläre Bühnen-Outfit lässt, doch mit einer durchdachten Personenführung nicht dienen kann. Von einer strukturierten Leitung des meist regungslos vor sich hinstarrenden Chores ganz zu schweigen.

Es sind eher zirzensische als theatralische Lichtblicke, wenn die elastischen jungen Damen und Herren des Tanzensembles „Angels Aerials“ durch die Lüfte schweben. Dramaturgisch Sinn macht das nicht immer.

Die Handlung erinnert an den Renaissance-Künstler Benvenuto Cellini, dem der Papst nach einem Tötungsdelikt Vergebung und Straffreiheit verspricht, wenn er innerhalb eines Tages eine große Perseus-Statue fertigstellen kann. Andernfalls drohe der Galgen. Cellini, von Zeit- und Materialnot geplagt, schmelzt alle seine bisherigen Kunstwerke ein, um seinen Kopf retten zu können. In Köln errichten die Artisten einen Ofen von babylonischen Ausmaßen, der am Schluss auseinanderfliegt und den Blick auf die fertige Skulptur freigeben soll. In der Premiere blieb die Verkleidung weitgehend hängen, so dass lediglich Umrisse einer Lichtskulptur zu erahnen waren. Eindrucksvoll gelang auf jeden Fall der Auftritt des Papstes vor dem Hintergrund eines überdimensionalen Totenkopfes, der revueartig bunt ausgeleuchtet wird.

Platz für 850 Zuschauer

Die Halle 1 des Staatenhauses bietet 850 Zuschauern Platz. Gespielt wird auf dem Boden. Die Tiefe der Spielfläche nutzte man aus, indem man das groß besetzte Orchester in den Hintergrund rückte, was das Orchester recht distanziert und diffus klingen lässt. Wenn der Chor auftrumpft, ist von den Instrumenten kaum noch etwas zu hören. Ein Ungleichgewicht, das die orchestralen Finessen, um die sich Roth zweifellos bemüht, nur entfernt hörbar werden lässt.

Leider nutzen die Sänger ihre Vorteile gegenüber dem Orchester nur teilweise. Vokal kann Köln mit der Bonner Konkurrenz nicht mithalten. Ferdinand von Bothmer verfügt für die kräftezehrende Titelpartie über einen kleinen, glanzlosen Tenor und seine Kondition reicht nicht aus, um auch nur eine Gesangslinie bruchlos formen zu können.

Auch Emily Hinrichs koloraturgewandter So-pran wirkt für die größte Frauenpartie des Stücks, die der Teresa, zu leichtgewichtig und in den Höhen zu scharf. Die junge Mezzosopranistin Katrin Wundsam als Cellinis Gefährte Ascanio sorgte für das einzige wirklich überzeugende vokale Glanzlicht des Abends, während in den restlichen Partien kaum mehr als Mittelmaß geboten wurde.

Das Kölner Publikum, über das verspätete Lebenszeichen der Oper offenbar erleichtert, reagierte mit freundlichem bis begeistertem Beifall über eine aufwendige Produktion, die allen Beteiligten unter schwierigen Umständen das Letzte abverlangte, künstlerisch aber noch Meilen hinter dem Standard eines Spitzenhauses hinterherhinkt.

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