Aachen - Bequem war Peter Lacroix nie: Zum Tod des Aachener Künstlers

Bequem war Peter Lacroix nie: Zum Tod des Aachener Künstlers

Von: hjd
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Er wird fehlen: Der Aachener Künstler Peter Lacroix ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Foto: Jaspers

Aachen. Nein, bequem war Peter Lacroix wirklich nicht, warum auch. Das bekam - nur zum Beispiel - die Gerichtsbarkeit zu spüren. Die Geschichte ist so schön, dass man sie immer wieder erzählen kann.

Damals, im November 1975, als das Aachener Verwaltungsgericht einer Hauseigentümerin untersagte, die Fassade von Lacroix gestalten zu lassen, ließ der Künstler dem Richter einen „Sack graues Aachen” zukommen, zur Verschönerung des Gerichtssaals, gefüllt mit Schutt und Dreck.

Jede billige Anbiederung war Lacroix zuwider, den einfachen Weg ist er nie gegangen. Am Donnerstag ist Peter Lacroix in seiner Heimatstadt Aachen gestorben. Er wurde 86 Jahre alt.

Wer von der hiesigen Kunstszene spricht, der landet unweigerlich und schnell bei Lacroix. Das wird auch nach seinem Tod so bleiben. 1924 geboren, beschloss der gelernte Theatermaler im Jahr 1947, freischaffender Künstler zu werden. Mit Gleichgesinnten gründete er die „Neue Aachener Gruppe”; 1953 hatten die progressiven, wilden Künstler ihre erste Ausstellung im Suermondt-Museum. Dass Lacroix eine der treibenden Kräfte war, den Laden in Schwung hielt, das war kein Zufall. Raus aus dem Atelier, hinein ins Leben, den Mund aufmachen, als Künstler keine Kompromisse eingehen - der so humorvolle und umgängliche Mensch und notorische Baskenmützen-Träger Peter Lacroix ging keinem Streit aus dem Weg.

Die Theoretiker bezeichnen ihn als Konstruktivisten und Konzeptkünstler, er malte abstrakt, tendierte zur Op-Art, zur monochromen „Schwarzmalerei”, machte den Code der hebräischen Kabbala zum Ausgangspunkt verschlüsselter „Porträts”. Aber dann war da noch der Sammler, der Mentor, der Freund Lacroix. In der „Welschen Mühle” in Aachen-Haaren gab er Kollegen ein Podium. Sein Blick für Talente war legendär. „Wie ein Eichhörnchen” hat er über Jahrzehnte hinweg gesammelt: Joachim Bandau und Karl Otto Götz, Karl Fred Dahmen und Herbert Falken, Beuys und Christo, Herbert Bardenheuer und Ludwig Schaffrath, Win Braun und Hacky Ritzerfeld, Irene Blume und Fritz Martin. Mit 81 Jahren vermachte Lacroix gemeinsam mit seiner mittlerweile verstorbenen Ehefrau Trude die 402 Werke von 101 Künstlern der Stadt, im Suermondt-Ludwig-Museum waren sie 2006 und 2007 zu sehen.

Das alles und noch viel mehr wird von ihm bleiben. Wie vielleicht auch die „Farbleiter”, zwei senkrechte Streifen, je 1,40 Meter breit und gut 13 Meter hoch, die er vor 37 Jahren für das Standesamt an der Krämerstraße geschaffen und die die Stadt nach kurzer Zeit wieder abgehängt hatte. Jetzt soll sie wieder an ihren Platz. Dafür setzt sich eine Bürgerinitiative ein, die Politik hat zugestimmt. Bei der Sparkasse Aachen wurde das „Spendenkonto Peter Lacroix” (Konto 1070549603, BLZ 39050000) eingerichtet. Kunst im öffentlichen Raum, Kunst, die aneckt und anstößt: Es ist ganz im Sinne Peter Lacroix´, dass wir diese Daten noch einmal nennen.
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