Benefizkonzert: Schon als Chorknabe im Dom

Von: Sabine Rother
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Leitet die Gaechinger Cantorey: Hans-Christoph Rademann. Foto: Holger Schneider

Aachen. Auf dem Programm beim 32. Benefizkonzert für den Aachener Dom am Samstag, 18. November, 19 Uhr, stehen drei Kantaten – zwei von Johann Sebastian Bach, eine von Georg Philipp Telemann.

„Bei dieser Gelegenheit kann man die beiden Komponisten sehr gut vergleichen“, rät Professor Hans-Christoph Rademann, Leiter der Gaechinger Cantorey der Internationalen Bachakademie Stuttgart, die er seit 2013 leitet. „Telemann wird ja oft so hochnäsig als Vielschreiber bezeichnet und damit meiner Meinung nach abgewertet – zu Unrecht.“ Und Rademann verrät: „In Leipzig war damals sogar Telemann noch vor Bach der Favorit, als man einen neuen Thomaskantor suchte.“

Und damit ist er schon ganz bei der Sache. „Ein feste Burg ist unser Gott“ lautet der Auftakt-Choral zum ersten Bach-Werk auf der Liste, das zudem ein höchst aktuelles Jahresthema aufgreift: 500 Jahre Reformation. „Die meisten kennen ,Ein feste Burg‘ als Kirchenlied und haben es schon oft mitgesungen, aber nicht diese große Kantate mit ihren Arien und Chorälen“, meint Rademann. Gleiches gelte für die Kantate „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“. Interessant sei zudem Telemanns „Wertes Zion, sei getrost“.

Der Protestant Telemann hat immer wieder aus Liedern und Chorälen Martin Luthers Kantaten geschaffen, die, so heißt es, häufig an die wortgewaltigen Predigten des Reformators erinnern. Für Rademann Grund genug, die Werke mit seiner Gaechinger Cantorey aufzuführen. „Wir trennen nicht zwischen Orchester, Chor und Solisten, es ist der barocke Gesamtklang, den wir so authentisch wie möglich erzeugen wollen“, sagt der künstlerische Leiter der Bachakademie, der sich gleichfalls engagiert der Uraufführung und Pflege Neuer Musik widmet.

Musik für Kopf und Herz

Bei Dirigent und Musikpädagoge Hellmuth Rilling, der die Gaechinger Cantorey (damals noch „Gächinger Kantorei“ geschrieben) 1954 gegründet und so lange geleitet hat, bis Rademann sie übernahm, hat der Dirigent und Chorleiter – unter anderem Chefdirigent des NDR Chors und des Rias-Kammerchors – Meisterkurse besucht. Rillings Schatten war groß – aber sein Nachfolger hatte den Mut zu Neuem. „Mein Medium ist der Klang“, betont er. „Als ich nach Stuttgart ging, war mein Ziel der neue Bachklang.“

Für den in Dresden geborenen und in Schwarzenberg im Erzgebirge aufgewachsenen Künstler, der bereits als Student der Musikhochschule Dresden den Dresdner Kammerchor gegründet hatte, war der Wechsel nach Stuttgart nicht leicht – aber immerhin: Ein Stuttgarter Musikverlag ermöglicht der Bachakademie zurzeit die erstmalige Einspielung des Gesamtwerks von Heinrich Schütz, die 2018 erscheinen soll. Mit Aachens Dom fühlt sich Rademann verbunden, seit er dort selbst gesungen hat – als Knabe im Kreuzchor. Gern forscht er in Archiven nach unbekannten Werken aus dem Kreis der Bachfamilie.

„Da liegen noch viele Stücke brach“, weiß er. So entdeckte er bereits ein Requiem von Johann Christian Bach und eine Trauermusik von Johann Ludwig Bach, einem entfernten Verwandten von Johann Sebastian Bach.

Rademann ist gern kreativ, hat mit Ehefrau Friederike, vormals Solotänzerin und Choreographin an der Dresdner Oper, das Musikvermittlungsprojekt „Bachbewegt. Tanz“ für Jugendliche aufgebaut, als er nach Stuttgart ging und die Gaechinger Cantorey übernahm. „Bachs Musik muss durch den Körper gehen!“, ist seine Devise. Dabei hat man sich bereits die Matthäus-Passion ertanzt, einen Film und eine Doppel-DVD produziert.

Für Aachen wünscht er sich ein offenes Publikum, das sich für Feinheiten begeistern lässt. „Bach erreicht eher den Kopf, Telemann das Herz“, sagt er. „Das ist eine schöne Verbindung.“

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