Bei anderen Pianisten geht die Sonne auf...

Von: Thomas Beaujean
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Aachen. Schon in seinen beiden ersten Karrieren galt der tschechische Pianist Josef Bulva als ein Analytiker, dem die Durchhörbarkeit kompositorischer Strukturen besonders am Herzen lag.

Das Publikum der Meisterkonzerte konnte ihn nun im Brüssel-Saal des Eurogress bei seinem Start in seine dritte Karriere erleben, nach seinem fatalen Sturz 1996 mit einer totalen Zertrümmerung der linken Hand und einer 14-jährigen Rekonvaleszenz und gleichzeitiger Abstinenz vom Konzertpodium.

Der jetzt 68-Jährige demonstrierte mit einem Beethoven-Chopin-Programm eindrucksvoll, dass sich an seinen Interpretationsidealen nichts geändert hat. Beethovens Fantasie-Sonate op. 27 Es-Dur erklingt ebenso wie die folgende Waldstein-Sonate analytisch-scharf, ohne jedes Pathos, aber auch ohne jenen für Beethoven typischen idealistischen Tonfall.

Das ist, bei aller Bewunderung für die Transparenz des Klangbildes kein Klavierspiel, das das Herz erwärmt. Dafür ist Bulvas Klavierton zu trocken, zu wenig sinnlich, und in den melodiösen Passagen zu wenig kantabel.

Das wird überdeutlich beim ersten Erscheinen des Rondo-Themas beim Übergang vom zweiten zum dritten Satz der Waldstein-Sonate. Wo bei anderen Pianisten die Sonne aufgeht, klingt das bei Bulva recht nüchtern.

Respekt vor dem Künstler

Im zweiten Teil dann Chopin: eine Polonaise, eine Etude, ein Scherzo, ein Walzer und am Schluss das Andante spianato et Grande Polonaise brillante. Bulva badet bei seinem Chopin-Spiel nicht in schönen Klängen. Auch hier geht Deutlichkeit über alles. Das ist spieltechnisch nicht immer ganz einwandfrei, in vielen schnellen Passagen aber beeindruckend virtuos.

Auch wenn sich seine Klangvorstellungen stark von einem warmen und klanglich bis ins kleinste nuancierten Chopin-Spiel unterscheiden, so bleibt der Respekt vor einer eigenwilligen Künstlerpersönlichkeit, die dabei ist, sich den Weg auf die internationalen Konzertpodien zurück zu erkämpfen.
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