Aachen - Begeisternd: Ein Piazzolla-Abend mit Escualo 5 bei Accordate

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Begeisternd: Ein Piazzolla-Abend mit Escualo 5 bei Accordate

Von: Thomas Beaujean
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Auf den Spuren von Astor Piazzolla: die Formation Escualo 5 beim Accordate-Konzert im Krönungssaal des Aachener Rathauses. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Feurig-fetzige Rhythmen und süffig-sentimentale Melodien: Auch das gibt es in der Accordate-Kammermusik-Reihe, zumindest dann, wenn die Formation Escualo 5 dem Publikum im gut gefüllten Krönungssaal des Aachener Rathauses in einer Tango-Gala mit Musik des Argentiniers Astor Piazzolla einheizt.

Das Ensemble, das sich nach dem Titel eines Stückes von Piazzolla „Escualo“ (Haifisch) nennt, setzt sich aus den fünf Musikern Rudens Turku (Violine), Débora Halász (Klavier), Franz Halász (Gitarre), Philipp Stubenrauch (Kontrabass) und Alexander Kuralionok (Akkordeon) zusammen, was genau der instrumentalen Besetzung der Formation entspricht, mit der Piazzolla von 1960 an zusammenarbeitete und für die er zahllose Kompositionen schrieb.

Wie mitreißend, aber auch wie kompositorisch substanzvoll diese Stücke des Schöpfers des Tango nuevo sein können, das bewies der Auftritt der fünf „Escualos“ in eindrucksvoller Weise. Allesamt Virtuosen auf ihrem Instrument, perfekt im Zusammenspiel, zeigten sie sich in ihren Interpretationen von mitreißendem Temperament.

Mal aggressiv, mal lyrisch-schön

Die unmittelbare Abfolge von harmonisch harten, bisweilen geradezu aggressiven, mit perkussiven Elementen und Glissandi versehenen Passagen und dann wieder bestechend lyrischen, von der typischen Tango-Melancholie beseelten Teilen mit berührend schönen Melodien wurde hier auf geradezu exemplarische Weise vorgeführt. Dass die Stückabfolge durch unterschiedliche instrumentale Besetzung aufgelockert wurde, gab diesem ungewöhnlich spannenden Abend eine zusätzliche Färbung.

Besondere Glanzlichter vermochte der Kontrabassist Philipp Stubenrauch zu setzen, der sein Instrument einerseits wie ein Cello mit bestechend schöner Tongebung singen ließ, andererseits den Corpus dermaßen wie ein Schlagwerk traktierte, dass man um den Bestand des Instrumentes fürchten musste. Die anderen vier begeisterten das Publikum nicht minder mit ihrem perfekten und energiegeladenen Spiel.

In der breiten Auswahl von zwölf im Programm aufgelisteten Stücken gab es mehrere Fugen, die Piazzollas Verehrung für Johann Sebastian Bach untermauerten. Fugen im Stile und im Rhythmus des Tango nuevo: Das hat einen ganz eigenen Charme. Sie weisen den Komponisten als gediegenen Kontrapunktiker aus. Wie denn überhaupt dieser begeisternde Abend den Blick auf die stilistische Vielfalt von Piazzollas Tango-Welt in sehr erhellender Weise erweiterte.

Dass es bei dem anhaltenden Jubel des Publikums nicht ohne zwei Zugaben abging, versteht sich fast von selber.

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