Aachen - Begeisternd: Benyamin Nuss bei Aix Piano

Begeisternd: Benyamin Nuss bei Aix Piano

Von: Thomas Beaujean
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Er geht seinen Weg: Benyamin Nuss, noch Student an der Musikhochschule in Aachen. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Er ist ein Wanderer zwischen zwei Welten und gleichermaßen in der Klassik wie im Jazz zu Hause. Dass sich diese Doppelgleisigkeit durchaus befruchten kann, das bewies Benyamin Nuss, 25-jähriger Noch-Student an der Musikhochschule in Aachen und schon mit internationalen Preisen ausgezeichnet, in seinem Klavierabend in der Reihe Aix Piano im Kammermusiksaal der Musikhochschule.

Seine Programmzusammenstellung war die eines unbekümmerten jungen Mannes: Claude Debussys „Estampes“ folgten im ersten Teil weitere impressionistisch angehauchte, dabei mit folkloristischen Elementen gewürzte Werke, die die besondere Liebe des Pianisten für diese Stilrichtung zum Ausdruck brachten. Nuss spielte Debussy mit einer betörenden klanglichen Sensibilität, die die Charaktere der drei so unterschiedlichen Sätze genau trifft. Dabei steht ihm eine bemerkenswerte Skala an Klangfarben zur Verfügung, die sich mit einer souveränen Technik verbindet.

Damit stand das kompositorisch bedeutendste Werk des Abends am Beginn. An den „Impressões seresteiras“ des Brasilianers Heitor Villa-Lobos und erst recht an den „Danzas argentinas“ des Argentiniers Alberto Ginastera konnte Nuss seine Freude an vitalen rhythmischen Finessen demonstrieren. Das ist bei aller Vitalität und Spontaneität des Augenblicks ein klanglich immer kontrolliertes Klavierspiel, das selbst im Fortissimo nie brachial wirkt.

Der zweite Teil brachte mit Fünf Preludes und einer Elegie für Fukushima Kompositionen von Nuss selbst, ebenso hörenswert und phantasievoll wie das Stück „Sanzui“ des Japaners Masashi Hamauzu, dessen Tonsprache kaum Rückschlüsse auf seine Nationalität zulässt. Am Schluss dann Mily Balakirews orientalische Fantasie „Islamey“, eines der virtuosesten Werke der Klavierliteratur, das Nuss mit technischer wie tonlicher Brillanz meisterte und damit das Publikum zu nicht enden wollendem Applaus motivierte. Der wiederum animierte den Pianisten zu mehreren Zugaben, die seine Affinität zum Jazz zeigten. Es dürfte interessant sein, die weitere künstlerische Entwicklung dieses jungen Mannes zu verfolgen.

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