Beethovens „Neunte“ beim Kulturfest Hürtgenwald

Von: Pedro Obiera
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70 Jahre Frieden in Hürtgenwald: Aus diesem Anlass wurde in der Maschinenhalle Peterberg in Raffelsbrand Beethovens Neunte Symphonie mit den Bergischen Symphonikern unter der Leitung von Christoph Schiffers aufgeführt. Foto: Gudrun Klinkhammer

Hürtgenwald. 70 Jahre Frieden in Hürtgenwald: Ein würdigerer Anlass für eine Aufführung von Beethovens gewaltiger Neunter Symphonie lässt sich kaum denken und ein würdigeres Werk für ein solches Ereignis nicht weniger. Einer kleinen Gemeinde wie Hürtgenwald verlangt ein solches Projekt Anforderungen ab, die ihre Möglichkeiten überschreiten.

Dass es dennoch zu einer eindrucksvollen Aufführung in der voll besetzten Maschinenhalle Peterberg in Raffelsbrand kommen konnte, verdient als Zeugnis vorbildlichen bürgerlichen Engagements und Zusammenhalts höchsten Respekt.

Christoph Schiffers, ausgebildeter Kapellmeister, als ehemaliger Leiter der Hambacher Bläservielharmonie in der Region bestens bekannt, mobilisierte mit den Bergischen Symphonikern aus Solingen und Remscheid ein versiertes Orchester, mit dem WDR Rundfunkchor Köln einen Chor der Luxusklasse, und auch das Solistenquartett konnte sich hören lassen.

Bis der Chor freilich die bekannte Freundschafts- und Freiheitsode im vierten Satz anstimmt, gilt es zunächst, drei Orchestersätze zu bewältigen, die Beethoven von seiner filigransten und anspruchsvollsten Seite zeigen. Der mystische Beginn des Kopfsatzes gelang Schiffers ebenso überzeugend wie die diffizilen thematischen Verarbeitungen und Verwicklungen in der Durchführung.

Friedensvision schön entfaltet

Dem schattenhaft feinen Gespinst des Scherzos hätten noch ein oder zwei Proben gut getan. Umso schöner konnte Schiffers die Friedensvisionen des Adagios entfalten, wobei er Beethovens Anleitung „cantabile“ ernst nahm und die zeitenrückten Melodiebögen ausdrucksvoll zelebrierte. Dem berühmten Schlusssatz verlieh der phänomenale WDR Rundfunk Chor ein nachhaltiges Gepräge. Ohne übliches Gebrüll verloren auch die schrillen Höhepunkte des Satzes nicht ihre klangliche Contenance. Vier recht prominente Solisten ergänzten das vielköpfige Ensemble, wobei die Altistin Michaela Dobmeier und der Bariton Arndt Schumacher stärker überzeugten als die etwas scharf intonierende Sopranistin Dong-Hi Yi und der recht unsicher wirkende Tenor Giovanni da Silva.

Begeisterter Beifall des Publikums für alle Mitwirkenden. Ein spektakulärer Höhepunkt des Hürtgenwalder Kulturfests, auf den nicht nur Bürgermeister Axel Buch stolz sein darf. Und das genau an dem Tag, an dem vor 190 Jahren Beethovens „Neunte“ beim ersten Niederrheinischen Musikfest in Aachen anlässlich der Eröffnung des Theaters 1825 ihre Deutsche Erstaufführung erfuhr.

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