Beethoven spielte Boogie Woogie

Von: Rudolf Teipel
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Auf höchst amüsanter Parforc
Auf höchst amüsanter Parforcejagd durch die Musikgeschichte: Der Niederländer Hans Liberg begeisterte das Publikum im Aachener Eurogress mit überraschenden Einsichten. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Wenn Hans Liberg die Bühne betritt, grübelt der Zuschauer unweigerlich, ob er nun einen Clown oder einen Professor vor sich hat. Für beide Annahmen spricht einiges.

Zum einen ist da der kaum zu bändigende Humor des Mannes mit dem kahl geschorenen Schädel, der kleinen Brille und dem immerwährenden spöttischen Lächeln in den Mundwinkeln. Zum anderen die messerscharfe Intelligenz, die den 57-jährigen Niederländer zu einem geradezu enzyklopädischen Wissen über die Musik sämtlicher Epochen und Stile befähigt.

Da Liberg obendrein ein grandioser Pianist und Multi-Instrumentalist ist, entstehen so wahre musikalische Parforcejagden durch die Melodien der Welt. Schlüssig und obendrein äußerst amüsant weist der gebürtige Amsterdamer nach, dass Kinderlieder wie „Hänschen klein” oder „Fuchs, du hast die Gans gestohlen” in berühmten Werken der klassischen Konzertliteratur enthalten sind, dass sämtliche Handy-Klingeltöne aus Klavierkonzerten abgeleitet wurden, und dass allseits bekannte Klassik-Stücke ganz schön schräg klingen können, wenn man sie nur genügend variiert - aber: „Das ist nicht falsch, meine Damen und Herren, das ist bitonal!”

Selbst ein Virtuose

Wer wollte dem niederländischen Musik-Magier da widersprechen. Schließlich gelingt es Liberg dank seiner überwältigenden Virtuosität selbst da musikalische Zusammenhänge herzustellen, wo es gar keine gibt. Und sollte es einen Liberg-Skeptiker im gut gefüllten Aachener Eurogress gegeben haben - was stark zu bezweifeln ist -, der partout nicht glauben mag, dass Beethoven Boogie Woogie gespielt hat, wird er vom wie immer in einen Yamamoto-Anzug gehüllten Musikkomödianten beschieden: „Das mag Beethoven so nicht aufgeschrieben haben, aber ich bin sicher, dass er es so gespielt hat.”

Noch Fragen? Nein, keine. Auch nicht, wenn er „Andrew Lloyd Mozart” in bombastischer Manier spielt, „so wie Richard Wagner und ich das machen”, oder per E-Gitarre nachweist, dass in „Proud Mary” von Creedence Clearwater Revival nicht nur „Get Back” von den Beatles, sondern auch „Haribo macht Kinder froh” enthalten ist.

Nach knapp zwei Stunden und einer grandiosen Persiflage des kanadischen Kult-Pianisten Glenn Gould ist der musikalische Wirbelsturm mit Hans Liberg im Epizen-trum vorbei.

Tosender Beifall belohnt einen Ausnahme-Musiker, der aus sich selbst ein Gesamtkunstwerk geschaffen hat.
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