Bayreuther Festspiele: Musikalisch ist eine Aufwärtstendenz zu spüren

Von: Pedro Obiera
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Dick aufgetragen: Im „Parsifal“ identifiziert sich der leidende Amfortas mit dem gequälten Christus. Foto: Enrico Nawrath/Bayreuther Festspiele

Bayreuth. Neben den neuen „Meistersingern“ und den letzten Durchläufen von Frank Castorfs umstrittener Inszenierung des „Rings“ stehen in diesem Jahr mit „Tristan und Isolde“ sowie dem „Parsifal“ zwei noch relativ „frische“ Produktionen auf dem Bayreuther Festspielprogramm.

Katharina Wagners „Tristan“ erscheint zum dritten, Uwe Eric Laufenbergs „Parsifal“ zum zweiten Mal. Beide Produktionen haben sich vor allem musikalisch weiterentwickeln können.

Der Bayreuth-erfahrene „musikalische Direktor“ der Festspiele Christian Tielemann stach mit seinem glühenden, klanglich perfekt ausgeleuchteten und organisch atmenden „Tristan“-Dirigat bereits im vergangenen Jahr als bester Orchesterleiter am „Grünen Hügel“ heraus. Bayreuth-Neuling Hartmut Haenchen hat in diesem Jahr ebenfalls zu einem angemessenen „Parsifal“-Klang von dunkler Glut und seidenweicher Zartheit gefunden. Dass er vor allem den langen ersten Akt im Sprintertempo durcheilt, lässt zwar keinen Raum für weihevolle Weihrauchschwaden, nimmt der Musik allenfalls eine Prise Pathetik, aber keinesfalls ihr singuläres Kolorit.

Ein großer Gewinn ist die Neubesetzung der Titelpartie mit Andreas Schager, der dem Parsifal mit seinem strahlkräftigen Tenor wesentlich markantere und leuchtendere Akzente verleiht als sein Vorgänger, der Publikumsliebling und „Super-Star“ Klaus Florian Vogt mit seinem viel zu lyrisch und weich gefärbten Tenor. Schager, ein Sänger mit einer zudem prächtig jugendlichen Bühnenpräsenz, hat sich mit dieser Leistung für (noch) größere Partien auf dem Hügel empfohlen. Grandios wie im vergangenen Jahr auch der vorbildlich artikulierende Georg Zeppenfeld als Gurnemanz und die mit Hochdruck und dennoch kontrolliert singende Elena Pankratova als Kundry.

Ideen nur bedingt durchgesetzt

Im „Tristan“ konnten Stephen Gould und Petra Lang in den Titelpartien sowie Christa Mayer als Brangäne ihre gewohnt glänzenden Leistungen noch verdichten. Herausragend ist die Neubesetzung König Markes mit dem grandiosen, markant artikulierenden René Pape.

Beide Produktionen deuten eine erfreuliche Stabilisierung des musikalischen Niveaus der Festspiele an, was über szenische Mängel mehr oder weniger stark hinwegsehen lässt. Letztlich können beide Regisseure, Katharina Wagner im „Tristan“ wie Uwe Eric Laufenberg im „Parsifal“, ihre wohlgeformten Ideen nur bedingt umsetzen.

Die Absicht Katharina Wagners, der Tristan-Tragödie möglichst menschliche Züge zu verleihen, wird durch die statuarisch-steife Personenführung durchkreuzt, wobei das eindrucksvolle Röhrengestänge, mit dem Bühnenbildner Frank Philipp Schlößmann im ersten Akt eine Schiffstakelage assoziieren will, die Bewegungsfreiheit zusätzlich einschränkt und die Figuren optisch reduziert. Die Fehldeutung Markes als brutaler Machtmensch, der Isolde rücksichtslos von der Leiche Tristans zerrt, wird auch im dritten Jahr nicht plausibler.

Und Uwe Eric Laufenbergs Intention, das Mitleid als religiöse Schlüsselbotschaft Wagners herauszukristallisieren und mythischen Ballast zu neutralisieren, durchkreuzt er selbst mit seiner dick aufgetragenen Identifikation des leidenden Amfortas mit dem gequälten Christus. Die Vermischung christlicher und islamischer, merkwürdigerweise keiner jüdischen Symbole, die die Universalität der Barmherzigkeits-Botschaft unterstreichen soll, wirkt nach wie vor recht klischeehaft.

Fazit nach den drei großen Einzelopern, bevor der „Ring“ von Frank Castorf zum letzten Mal geschmiedet wird: Musikalisch ist eine erfreuliche Aufwärtstendenz zu spüren. Das gilt auch für die neuen „Meistersinger“ mit ihrer vorzüglichen Besetzung, auch wenn sich Philippe Jordan am Pult des Festspielorchesters mit den akustischen Herausforderungen des Hauses und des Stücks noch schwer tut.

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