Barrierefreies Kino dank „Greta & Starks“

Von: Günter H. Jekubzik
Letzte Aktualisierung:
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Die kostenlos herunterladbare App „Greta & Starks“ versorgt sehbehinderte oder hörgeschädigte Kinofreunde: entweder mit Untertiteln oder mit Audio-Deskriptionen, mit hörbaren Beschreibungen des Filmgeschehens per Smartphone. Foto: Greta & Starks

Aachen. Greta und Starks kommen ins Kino! Wobei die beiden mal nicht lustige Zeichentrickfiguren von Disney und Co. sind. Trotzdem werden sie einigen Menschen viel Freude bereiten: Die beiden Smartphone-Apps mit den Namen „Greta“ und „Starks“ revolutionieren mit handlichen Audio-Deskriptionen oder Untertiteln das barrierefreie Kino.

Dank ihrer sind ganz normale Kinovorstellungen auch für Menschen mit Einschränkungen beim Sehen und Hören einfach zu erleben. Die Wurzeln dieser einfachen und überzeugenden Kultur-Technik liegen in Aachen.

Die Idee hinter Greta & Starks ist verblüffend einfach: Blinden, visuell beeinträchtigten und gehörlosen Zuschauern wird durch die beiden kostenlosen Apps ein ganz gewöhnlicher Kinobesuch bei immer mehr Filmen ermöglicht, nicht in einer speziell organisierten und gekennzeichneten Vorstellung, sondern jeden Tag, ganz normal mit Freunden und Kollegen. Selbstverständlich und selbstbestimmt können Menschen mit Sinnesbeeinträchtigung mit Hilfe von Greta & Starks einen Kinobesuch planen. Weder die Kinos noch die Zuschauer müssen dafür in zusätzliche, technische Ausstattung investieren.

Die Benutzer wählen sich aus einem wachsenden barrierefreien Filmangebot bei „Greta“ die Audio-Deskription seines Wunschfilms aus und laden sie kostenlos herunter. In Ergänzung zur normalen Tonspur mit Geräuschen und Dialogen erzählt die Audio-Deskription alles, was sich nur vom Bild her erschließt. Dabei sind die Schilderungen erstaunlich detailliert und genau beobachtet. Der Gesichtsausdruck einer Figur wird ebenso für die Ohren wiedergegeben wie der Einrichtungsstil seiner Wohnung. Im Kino synchronisiert sich die App dann auch ohne Internetverbindung jederzeit mit der normalen Tonspur. Selbst nach einer Austret-Pause liefern die Kopfhörer auf einem Ohr zusätzliche Informationen exakt synchron mit dem Filmverlauf. Durch die Ohrstöpsel werden die anderen Kinobesucher nicht durch die Bilderläuterungen gestört.

„Starks“ leistet das Entsprechende für Taube oder Hör-Geschädigte: Die vorher geladenen Untertitel laufen parallel auf dem Smartphone mit. Wieder erkennt die App den Filmanfang und synchronisiert sich offline und eigenständig mit dem Film. Dass die Nutzer ihre Smartphones jedoch über die ganze Filmlänge in der Hand halten müssen, ist nach Aussage der Macher von „Greta & Starks“ in Berlin nur eine Zwischenlösung. Ebenso wie die aus Autos bekannten Schwanenhals-Befestigungen für Smartphones, die einige Kinos schon bereitstellen. Es wird an einer Starks-Datenbrille gearbeitet, die den Anwendern das Gefühl geben soll, dass die Untertitel in den Raum, direkt auf die Leinwand projiziert werden.

Zurzeit treibt Seneit Debese, Geschäftsführerin und Inhaberin von „Greta & Starks“ in Berlin, die Entwicklung voran: „Wir möchten, dass in Zukunft alle Filme für alle Menschen frei zugänglich sind, ohne Umwege und ohne spezielle Ausrüstung, sondern eigenständig und diskret, damit jeder genau den Film im Kino sehen kann, den er sehen möchte.“

In die gleiche Richtung arbeiten geänderte Förderrichtlinien der bundesdeutschen „Film-Förderungsanstalt“ (FFA), die Produzenten von durch die FFA geförderter Filme neuerdings verpflichten, barrierefreie Filmkopien herzustellen. Die Richtlinie betrifft in Deutschland rund 80 bis 100 Filme im Jahr. Bei den Unterstützern von „Greta und Starks“ wird neben der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und dem Schweizer Bundesamt für Kultur auch das Aachener Apollo Kino genannt. Denn das Verfahren basiert auf dem „AD-Player“, einer Entwicklung der Kohlscheider Filiale von Ericsson, die von Anfang an als Sponsor dabei war und eine Beta-Version für den Film „Die Kunst sich die Schuhe zu binden“ entwickelten. Die Tests erfolgten dann im Apollo unter tatkräftiger Unterstützung des Berufsförderungswerkes Düren.

Das Zentrum für berufliche Bildung Blinder und Sehbehinderter fuhr immer wieder mit seinen Schülern nach Aachen, um die neue Kino-Technik zu testen.

Bislang sind aktuelle Titel wie „Der kleine Medicus“, „Coming In“, „Get on Up“ oder „Phoenix“ im Programm von Greta und Starks. Auch für das Heimkino liegen einige Filme wie „Der Medicus“ oder „Imagine“ vor.

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