„Barock im Ballsaal“ mit Werken von Bach, Händel und Graun

Von: Pedro Obiera
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Traditionelles Osterkonzert: Bei „Barock im Ballsaal“ erklangen gestern Kompositionen von Händel, Bach und Graun. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. „Barock im Ballsaal“: Das traditionelle Osterkonzert des Aachener Sinfonieorchesters im schmucken Alten Kurhaus stand diesmal im Zeichen zweier Sängerinnen, die auch nach ihrer Stipendiaten-Zeit dem Aachener Theater treu geblieben sind und beste Vor-aussetzungen für das Motto des gut besuchten Konzerts mitbrachten.

Unter dem Namen „Arkadische Duette“ verbarg der junge Händel eine Sammlung sinnlicher Gesangsduette, die die Sopranistinnen Soetkin Elbers und Suzanne Jerosme mit jugendlicher Frische und stimmlicher Gewandtheit zum Klingen brachten und dabei die zarten Elegien und Koloraturen, mit denen Händel delikate Facetten und Stimmungen des Liebeskummers schmückt, lebendig, sicher und stimmschön ausführten.

Zudem hebt sich der helle Sopran von Suzanne Jerosme deutlich von der dunkler timbrierten Stimme Soetkin Elbers‘ ab, so dass im großen Duett aus Carl Heinrich Grauns Oper „Semiramide“ eine spannende Dialogwirkung erzielt werden konnte. Die unterschiedlichen Stimmfärbungen schlugen sich auf die Auswahl der Solo-Arien nieder.

Suzanne Jerosme bevorzugte vitale, koloraturreiche Gesänge wie Iphigenies Arie aus Grauns Oper „Ifigenia in Aulide“ als Höhepunkt, Soetkin Elbers eher expressiv-lyrisch gestimmte Arien wie eine Nummer aus Grauns Oper „L’Europa galante“ oder eine Arie aus Bachs Osteroratorium. Mit ihren Vorträgen rückten die Damen die Qualitäten der vergessenen Werke Grauns, des von Friedrich II. hoch geschätzten Zeitgenossen Bachs und Händels, ins rechte Licht.

Die technischen Anforderungen ihrer virtuosen Gesänge bewältigte Suzanne Jerosme nahezu mühelos, Soetkin Elbers phrasierte klug und natürlich und ließ eine erfreuliche Legato-Kultur erkennen. Allerdings hätte man sich gerade in den ruhigeren Programmpunkten eine etwas markantere instrumentale Begleitung gewünscht. Das richtet sich nicht gegen die Instrumentalisten des Sinfonieorchesters, die, wie Felix Giglberger auf der Violine, Claudius Wettstein am Violoncello und Matthias Schmidt an der Flöte, ebenfalls anspruchsvolle Solo-Aufgaben zu erfüllen hatten, sondern gegen die musikalische Leitung von Karl Shymanovitz, der auch in den großen orchestralen Beiträgen wie einem Concerto grosso von Händel und Johann Sebastian Bachs zweiter Orchestersuite einen rhythmisch weichen, etwas dicklichen Klang bevorzugt. Das passt allerdings nicht zum französischen Gusto der Musik und bremste damit den Fluss der Musik aus. Dafür braucht man auch kein historisches Instrumentarium mit seinen offenbar unvermeidlichen Intonationstrübungen.

Das minderte den positiven Gesamteindruck des Osterkonzerts jedoch angesichts des Einsatzes und der insgesamt hohen Qualität sowohl des Orchesters als auch der jungen Sängerinnen nur geringfügig. Begeisterter Beifall für ein festtagswürdiges Konzert

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