Cristian Fiel Freisteller Aufstiegshelden

Balsam für die Seele

Von: Rauke Xenia Bornefeld
Letzte Aktualisierung:
tibetbild
Licht und Freiheit: Yungchen Lhamo, die Stimme Tibets, in Aachen. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Frenetischer Beifall brandet erst auf, als Yungchen Lhamo den erhöhten Altarraum in der Aachener Kirche St. Paul verlässt. Vorher applaudieren die Zuhörer eher zaghaft, als wollten sie die besondere Atmosphäre, die bei diesem Highlight des „Across-the- Borders”-Festivals herrscht, seitdem Yungchen Lhamo die ersten Töne gesungen hat, nicht stören.

Zu familiär, zu sehr die Seele berührend ist das, was die „Stimme Tibets” in der Kirche an der Jakobstraße macht.

„Seien Sie nicht schüchtern!”

Aber was macht sie eigentlich? Sie singt und erzählt von Freiheit, Licht, göttlichen Wesen. Natürlich auch vom Dalai Lama und von ihrer Heimat Tibet. Sie gibt dem Publikum einen tiefen Eindruck von der tibetischen Sprache und Kultur.

Sie singt mit den Konzertbesuchern: „Seien Sie nicht schüchtern, wenn sie Gutes tun. Seien sie jetzt nicht schüchtern!” Ein ganzer Bienenschwarm scheint sich in St. Paul niedergelassen zu haben, als die dicht an dicht sitzenden Zuhörer durch ein meditatives Omm oder Ah selbst zum Instrument werden.

Yungchen Lhamo singt eines ihrer Lieder im traditionellen tibetischen Stil - gewendet zum Altar, scheinbar in direkter Zwiesprache mit Jesus am Kreuz. Ob sie nun mit oder für die Besucher singt - immer ist ihr Mund kaum geöffnet. Lächelnd erzeugt sie mit ihrer Stimme eine gewaltige Intensität mit Gänsehautfaktor.

Eine Instrumental-Begleitung braucht die Grammy-Gewinnerin („Tibetan Prayer”, bestes Weltmusik-Album 1995) nicht. Spielend füllt sie mit ihren Tönen den Kirchenraum, als wäre gerade genug Platz für sie darin.

Für Rick Takvorian, den Leiter des Aachener Festivals, macht sie eine Ausnahme. Ganz im Sinne des Mottos „Across the Borders” intoniert Yungchen Lhamo ihre asiatischen Klänge zu Takvorians westlicher Gitarrenbegleitung.

Dann geht sie erst mal - und endlich können die Konzertbesucher alle Vorsicht unberücksichtigt lassen: mit Standing Ovations.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.