Aachen - Balanceakt vortrefflich gelungen

Balanceakt vortrefflich gelungen

Von: Pedro Obiera
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Fantastische Kulisse: Chöre u
Fantastische Kulisse: Chöre und Sinfonieorchester im Aachener Dom. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. „Messe+”: Der Titel der verdienstvollen Reihe garantiert unter der Leitung von Andreas Klippert spannende Begegnungen mit Chorwerken, die es, ungeachtet der Prominenz ihrer Komponisten, auf der Popularitätsskala nicht sehr weit gebracht haben.

Nach Beethovens Messe in C-Dur erklang jetzt im Aachener Dom als Nachklang zum Jubiläumsjahr Franz Liszts „Legende von der heiligen Elisabeth”, die interessante Einblicke in die schillernde, teils widersprüchliche Persönlichkeit des Komponisten erlaubte.

Frömmigkeit, bühnentaugliche Theatralik und pathetischer Patriotismus lassen das Werk wie eine skurrile Mischung aus Oratorium, Oper und Nationalfeier erscheinen. In dem 1865 in Budapest uraufgeführten Werk stellt Liszt neben der karitativen Vorbildfunktion die ungarische Herkunft der Heiligen in den Mittelpunkt. In sechs bunt gemischten Szenen rollt ein biografisches Kaleidoskop von der Kindheit bis zur patriotisch überfrachteten Beisetzung an den Hörern vorüber.

Ungarische Kirchenlieder, orchestrale Tondichtungen, Schlachtenszenen und verklärende Apotheosen: Andreas Klippert hatte den großen, aus dem Sinfonischen Chor, dem Opern- und Jugendchor sowie vier Gesangssolisten zusammengesetzten Vokalapparat durch etliche stilistische Klippen und Wechselbäder zu führen. Der Balanceakt gelang ihm vortrefflich. Dass sich in den meditativen Teilen bisweilen ein leicht zäher Schleier über den Spielfluss legte, dass die harfenumrankten Verklärungen mitunter nazarenerhaft frömmelnd anmuten, ist mehr dem Werk als den Interpreten anzulasten, die ihre Aufgabe allesamt vorzüglich meisterten.

Das betrifft das voluminös und farbig aufspielende Aachener Sinfonieorchester ebenso wie die engagierten Chöre und nicht zuletzt die Gesangssolisten mit der sehr flexibel agierenden Irina Popova in der großen und anspruchsvollen Titelrolle. Die restlichen, kleineren Rollen waren mit Hrólfur Saemundson unter anderem als Elisabeths Gatte Ludwig, Pawel Lawreszuk und Sophie Nohad Becker ebenfalls angemessen besetzt.

Viel Beifall für eine gut zweistündige Begegnung mit einem aufwendigen, nicht unproblematischen Werk.
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