Aachen - Bachverein präsentiert sich flexibel und stilsicher

Bachverein präsentiert sich flexibel und stilsicher

Von: Pedro Obiera
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Aachen. Die Heiligtumsfahrt ist zwar ein sehr katholisches Ritual. Das hindert das Aachener Domkapitel jedoch nicht, sich auch in diesem Rahmen ökumenisch zu öffnen.

Dass und ob Bach als Protestant Gott huldigte, Vivaldi als Katholik oder Händel als Anglikaner, ist im kirchenmusikalischen Alltag ohnehin ohne Bedeutung. Das bekräftigte auch der Auftritt des Aachener Bachvereins in der voll besetzten Kirche St. Michael. Ein vom Domkapitel ausgerichtetes Konzert, für das man Aachens evangelischen Spitzen-Chor engagierte und Wert auf die drei religiös unterschiedlich orientierten barocken Großmeister legte.

Der Kammerchor des Bachvereins hat, nicht erst unter Leitung von Georg Hage, ein Niveau erreicht, das einen Premiumplatz im ohnehin qualitativ überdurchschnittlichen Aachener Chorwesen einnimmt. Händels mächtige Vertonung des „Dixit Dominus“ stellt nicht nur durch geschmeidige, geradezu virtuose, kontrapunktisch dicht verästelte Fugen und Fugati die Flexibilität und Stilsicherheit der Sänger auf eine harte Probe.

Auch in den festlichen Höhepunkten muss der Chor Transparenz und Klangschönheit bewahren. Und um die nahezu bizarren vokalen Effekte im „Judicabat“ so pointiert und geschlossen zum Klingen zu bringen, ist eine exzellente Schulung gefordert, die Hage vorbildlich leistet.

Weit und breit ist keine Schwierigkeit zu erkennen, die den Chor in Verlegenheit bringen könnte. Und das „historisch“, zum Glück nicht puristisch orientierte Instrumentalensemble „arcipelago“ agierte auf gleichem Niveau.

Zuvor erklang das straff gebaute „Magnificat“ von Vivaldi konzentriert und ein wenig herb. Dem Charakter des Stücks, das angesichts des düsteren Textes nur gelegentlich an die lichtdurchfluteten Violinkonzerte erinnert, durchaus angemessen. Ein wenig hektisch begann der Abend mit Bachs Kurzmesse in g-Moll, die dem Chor knifflige Koloraturen abverlangt, die ein wenig überdreht wirkten. Ein Manko, das sich im Verlauf des Abends rasch verflüchtigte.

Zu erwähnen ist noch das hochkatätig besetzte und homogen agierende Solistenquintett mit einer überragenden Gabriele Hierdeis (Sopran), der Sopranistin Soetkin Elbers, dem klangschönen, elegant artikulierenden Altus Harald Maiers, dem geschmeidigen Tenor Florian Cramer und dem Bassisten Christian Walter.

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