Bachverein brilliert mit klug zusammengestelltem Programm

Von: Pedro Obiera
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Aachen. „Licht-Gestalten - zu leuchten wie des Himmels Glanz”. Mit Mozart, Händel und Mendelssohn lässt sich das Motto der diesjährigen Bachtage sinnlich und substanzreich ausfüllen.

Bevor in zwei Wochen Händels „Messias” die Michaels-Kirche in Aachen füllen wird, kombinierte Annakantor Georg Hage an gleicher Stelle Mozarts Messe in c-Moll mit Teilen des „Christus”-Oratoriums von Felix Mendelssohn Bartholdy. Beides fragmentarische Hinterlassenschaften der Meister, wobei von Mendelssohns Opus kaum mehr als die kleinen, aber aufschlussreichen Bruchstücke zu finden sind, die Hage in die in größeren Teilen erhaltene Mozart-Messe einfügte.

Dass die c-Moll-Messe so viel seltener zu hören ist als das noch unvollständiger hinterlassene „Requiem”, kann nicht an der Qualität liegen, sondern allenfalls an der Schwierigkeit der Chorsätze. Und da präsentierte sich der Bachverein von seiner besten Seite, trotz der quantitativen Unterbesetzung der Männerstimmen. Ein allgemein grassierendes Problem, das auch vor traditionsreichen Chören wie dem Bachverein nicht halt macht. Gleichwohl erklangen die Chorsätze klangschön artikuliert und sauber intoniert.

Überirdisch schön

So konnte Hage im Osanna ein grenzwertig schnelles Tempo anschlagen, ohne dass der Chor aus der Kurve flog. Neben dem Kyrie sticht das „Incarnatus” in seiner überirdischen Schönheit besonders hervor. Schade, dass Hage das verlässliche Deutsche Radio Kammerorchester gerade im „Incarnatus” zu schwerfällig führte. Und auch die Sopranistin Silke Schwarz verfügt in den Höhen nicht über die nötige Schwerelosigkeit.

Besonderes Interesse verdienen die Relikte aus Mendelssohns bereits in frühem Stadium abgebrochenem Oratorium „Christus”, das dessen frühere Großwerke „Paulus” und „Elias” krönen sollte. Die vorhandenen Rezitative und Chöre zur Geburt und zum Sterben des Herrn fordern natürlich einen Vergleich mit Händels „Messias” und den Bach´schen Passionen heraus, was Mendelssohns Arbeitseifer an dem Werk nicht gefördert haben dürfte. Eine immerhin lohnende Begegnung mit einer Rarität, die Hage mit angemessen feinem Einfühlungsvermögen gestaltete, und in der der Bariton Rafael Bruck seinen großen Auftritt hatte.

Viel Beifall für ein klug zusammengestelltes Programm auf hohem musikalischem Niveau.
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