Aachen - Ausstellung zum „Jahr der Grafik in NRW”

Ausstellung zum „Jahr der Grafik in NRW”

Von: Sabine Rother
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Kuratorin Dagmar Preising (re.) und Museumsmitarbeiterin Kirsten Remky haben das „Blumenstillleben” (1919) von Christian Rohlfs im Depot des Suermondt-Ludwig-Museums entdeckt. Im Rahmen der Ausstellung zum „Jahr der Grafik” ist es jetzt wieder zu sehen. Foto: Heike Lachmann

Aachen. In roten Nebel taucht Emil Noldes „Dschunke” ein, kraftvoll und lebensfroh leuchten die Blumen im „Stillleben” von Christian Rohlfs, und herrlich weit über das blaue Meer schickt Erich Heckel den Blick des Betrachters.

„Verborgene Bildwelten: Meisterwerke der klassischen Moderne” nennt das Suermondt-Ludwig-Museum Aachen eine mit 28 Werken zwar übersichtliche, aber qualitativ sehr hochwertige Ausstellung im Kupferstichkabinett mit Aquarellen, Gouachen und Kreidezeichnungen aus dem Bestand des Hauses, darunter zusätzlich einige hochkarätige Leihgaben, die am Sonntag, 5. April, 11 Uhr, eröffnet wird.

Die Liste der Namen liest sich wie eine Versammlung all jener Künstlerpersönlichkeiten, die den Begriff des Expressionismus mit gestalterischem Leben erfüllen: Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel, 1905 Mitbegründer der Künstlergemeinschaft „Die Brücke”, deren spätere Mitglieder Emil Nolde und Otto Müller, aber auch Max Beckmann, der es nicht mochte, als „Expressionist” benannt zu werden, oder die Bauhauslehrer Lyonel Feininger und Oskar Schlemmer sowie Peter Foerster, ein Vertreter der „Neuen Sachlichkeit”.

Möglich wurde die Ausstellung im Rahmen des „Jahres der Grafik 2009”, das Museen in Deutschland, Österreich und der Schweiz gemeinsam ausrufen konnten.

Allein in Nordrhein-Westfalen, wo sich Land, Landschaftsverband und Sparkassenstiftung an der Finanzierung beteiligten, öffnen 55 Museen und Sammlungen ihre Schatzkammern, deren Werke nicht nur hinsichtlich ihrer Lichtempfindlichkeit oft ein Schattendasein führen. „Die Leiterinnen und Leiter aller grafischen Sammlungen treffen sich einmal im Jahr”, berichtet Kuratorin Dagmar Preising, die zusammen mit Kirsten Remky die Aachener Auswahl getroffen hat. „2006 haben wir uns entschlossen, dieses Jahr der Grafik auszurufen, seitdem laufen die Vorbereitungen.”

Aus der Idee, den Kostbarkeiten auf Papier mehr Popularität zu schenken, von denen es allein in NRW rund 500.000 Blätter gibt, wurde ein Projekt mit beachtlichen Ausmaßen. So bietet der zum Jahr der Grafik erschienene „Führer zu verborgenen Schätzen” (19,90 Euro) eine kompakte und gut gegliederte Übersicht zu sämtlichen Orten und Sammlungen des Landes mit ihren jeweiligen Highlights, ob nun Zeichnungen, Aquarelle, Druckgrafiken oder Fotografien, die gleichfalls in diese Werkgattung gehören.

Weitere Angebote

Wer Lust hat, kann von Aachen bis Wuppertal reisen, sich in Bibliotheken und Lesesälen die kostbaren Werke vom mittelalterlichen Antiphonium-Blatt bis zur Kunst des 21. Jahrhunderts in Ruhe anschauen, wobei man auch gezielt einen Wunschkandidaten benennen kann, ob nun Hans von Aachen und Andreas Aachenbach oder Heinrich Zille und Oscar Zügel. Der Führer, den es in dieser Form bisher nicht gab, bietet alphabetische Übersichten zu Künstlern, Städten und Häusern, die Lust auf mehr wecken. In gut sichtbaren roten Kästchen finden sich zudem Adressen, Internethinweise, Telefonnummern und Öffnungszeiten.

Zusätzlich gibt es im Laufe des Jahres noch so manches interessante Angebot: Zwei handliche Hefte, die man kostenfrei in den Museen erhält, bieten in Kurzform einen Überblick zu den NRW-Sammlungen sowie eine Zusammenstellung der Ausstellungen und Veranstaltungen, an denen sich in Aachen sowohl Suermondt-Ludwig-Museum als auch das Ludwig Forum für internationale Kunst beteiligen. „Wir wussten gar nicht, was es alles gibt”, schwärmt Dagmar Preising, die sich ganz besonders auf das Wochenende 25./26. April freut, das NRW-weit unter dem Motto „Grafische Sammlungen packen aus” lockt. Die ansonsten gut verschlossenen Depots werden geöffnet, es gibt Sonderführungen, Kurse und manches mehr.

Schon die aktuelle Schau im Suermondt-Ludwig-Museum beweist, dass man über Raritäten verfügt - zum Beispiel in eigentümlichen Violett-Tönen kolorierte Zeichnungen, die einen untypischen Lyonel Feininger zeigen, oder das dunkle Leuchten schwerer Farben in Noldes „Apostel”-Gemälde, die einen reizvollen Kontrast zu den kühlen, streng grafischen Bildern eines Xaver Fuhr bilden.

Schön ist es, die Aquarelle Erich Heckels zu „erwandern” und seinem Blick auf die Landschaft nachzuspüren. Die „Verborgenen Bildwelten” wollen eben entdeckt werden.

„Verborgene Bildwelten - Meisterwerke des Klassischen Moderne”, Suermondt-Ludwig-Museum Aachen, Wilhelmstraße 18. Eröffnung 5. April, 11 Uhr. Geöffnet bis 31. Mai Di., Do., Fr. 12-18 Uhr; Mi. 12-20 Uhr; Sa./So. 11-18 Uhr, Vorträge siehe Programm, NRW-Führer 19,90 Euro.

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