Bonn - Ausstellung zu „Humor und Politik in Deutschland”

Ausstellung zu „Humor und Politik in Deutschland”

Von: dapd-nrw
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Künstler kommentieren in Deutschland bisweilen die große Politik mit putzigen kleinen Figuren: Die Gartenzwerge (von links) Hans Dietrich Genscher, Norbert Blüm, Hans-Jochen Vogel und Helmut Kohl stammen von dem Münsteraner Künstler Laurenz Kirchner - sie gehören zur Ausstellung „Humor und Politik” im Bonner Haus der Geschichte, die bis zum 13. Juni zu sehen ist. Foto: Punctum/Bertram Kober, Leipzig

Bonn. Das Haus der Geschichte in Bonn widmet ab Freitag (10. Dezember) eine Ausstellung dem Humor und der Satire von der deutschen Nachkriegszeit bis zur Gegenwart. Die Schau mit dem Titel „Spaß beiseite. Humor und Politik in Deutschland” zeigt mehr als 800 Exponate sowie Film- und Tondokumente zur Entwicklung von Satire und Ironie im Alltag und in den Medien.

Ziel der Ausstellung sei es unter anderem, „die Grenzen und Spielräume von Satire aufzuzeigen und damit einer Gesellschaft auf den Zahn zu fühlen”, sagte Projektleiter Daniel Kosthorst am Donnerstag.

Ausstellung über elf Räume

Die Geschichte des deutschen Humors wird in elf Räumen gezeigt, die sowohl chronologisch als auch thematisch angeordnet sind. Unter anderem erläutert die Ausstellung anhand von Dokumenten auch die Zensur der politischen Satire in der DDR und zeigt die Tabus innerhalb des politischen Kabaretts im Westen.

Trotz Kontrollen seien Kabarett und Karikatur in der DDR ein Weg gewesen, um das damalige Regime zu kritisieren, sagte Hans Walter Hütter vom Haus der Geschichte. Bis 1989 sei man im Osten des geteilten Deutschlands noch sehr vorsichtig gewesen. „Wir zeigen in der Ausstellung auch eine Karikatur, die ursprünglich das Motiv eines Werbeplakats des Ost-Berliner Kabaretts Die Distel” sein sollte„, sagte Hütter. Die Zeichnung zeigt einen Häftling in Sträflingskleidern und die Aufschrift ”eine gute Pointe muss eben sitzen„. Dem Chef des Kabaretts sei diese Karikatur zu gefährlich gewesen.

Ein anderer Raum widmet sich aktuellen Tabuthemen wie den Mohammed-Karikaturen. Dort sind neben Zeitungsartikeln auch die Orginal-Koffer ausgestellt, die 2006 bei einem misslungenen Anschlag auf einen Regionalzug eine Rolle gespielt haben. Fundamentalistische Islamisten hatten sie als Reaktion auf Mohammed-Karikaturen aus Dänemark mit Sprengstoff gefüllt. Die Kofferbomben gingen damals nicht los. Islam-Satiren sind nach Angaben der Verantwortlichen immer noch ein Tabu. Ursprünglich habe man einen Ausschnitt eines satirischen Fernsehsketches aus den 80ern aus der ”Tagesshow„ mit Rudi Carrell zeigen wollen, in dem Ayatollah Khomeini mit Büstenhaltern beworfen werde. Der Inhaber der Rechte, Radio Bremen, habe dazu aber nicht die Erlaubnis gegeben. Das entsprechende Schreiben zählt nun auch zu den Exponaten.

Auch Humor im Fernsehen wird thematisiert

Ein weiterer Komplex innerhalb der Schau hinterfragt die Spaßgesellschaft in TV und Politik. ”Das Privatfernsehen hat die Kabarettlandschaft geändert„, betonte Kosthorst. Dadurch habe sich eine Industrie aus Angebot und Nachfrage ergeben, so dass mittlerweile bestimmte Kabarettformen nur noch auf Bühnen funktionierten. Nur die wenigsten seien mittlerweile bereit, fünf Minuten auf eine Pointe zu warten, hieß es.

Die Ausstellung wurde bereits im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig gezeigt. In Bonn dauert die Schau bis zum 13. Juni und ist dienstags bis sonntags von 9 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.
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