Ausstellung über Architektur: Denkmal für 500-Euro-Schein

Von: Eckhard Hoog
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Eine Baustelle im Garten des Kunsthauses NRW in der Alten Reichsabtei Kornelimünster als Denkmal für die 500-Euro-Banknote: Der Düsseldorfer Künstler Clemens Botho Goldbach hat die Darstellung auf dem Schein für die neue Ausstellung nachgebaut. Foto: Heike Lachmann

Kornelimünster. Wie schade, dass die 500-Euro-Banknote abgeschafft wird, nur weil das organisierte Verbrechen sie hortet. Mit ihr verschwindet die Moderne aus der Geldscheinwelt: Der „500er“ ist der einzige europäische Zaster, auf dem der Baustil des 21. Jahrhunderts verewigt ist.

Ansonsten reicht das Spektrum der Darstellungen von der Antike (beim „Fünfer“) bis zum 19. Jahrhundert (beim „200er“). Einer, der dem „500er“ auf hintergründig-witzige Weise nachtrauert, ist der Düsseldorfer Künstler Clemens Botho Goldbach. Er kam auf die Idee, die Architekturdarstellungen auf den Euro-Banknoten ganz real nachzubauen. Im landeseigenen Kunsthaus NRW in der Alten Reichsabtei Kornelimünster sind die Objekte ab Samstag im Rahmen der Ausstellung „Against Representation – Recherchen und Interventionen zur Architektur“ zu sehen.

Vier Künstler hat Kunsthaus-Chef Marcel Schumacher eingeladen, Architektur ganz allgemein auf ihre historischen, politischen oder funktionalen Beziehungen hin zu befragen. Inspiriert sind Thema und Konzept der Ausstellung vom neobarocken Bau der Alten Reichsabtei, selbst Denkmal eines klerikalen Repräsentationsbedürfnisses.

Keines der Euroländer sollte sich bei den neuen Banknoten eifersüchtig übergangen fühlen – deshalb sind die Architekturdarstellungen, entworfen von dem österreichischen Designer Robert Kalina, rein fiktiv: vorne Portale und Fenster, hinten Brücken – beim „50er“ im Stil der Renaissance gehalten. Im Garten der Reichsabtei zeigt Goldbach, wie diese pseudohistorischen Entwürfe – aus Holz gewirkt – tatsächlich aussehen könnten.

Dem „500er“ hat der Künstler einen Nachbau aus Ytong nebst Schalbrettern in den Farben des Scheins gewidmet – versehen mit einem Baustellenschild: „Euruin 500 Eur“. War da nicht eine Krise? Marcel Schumacher erkennt überdies Beziehungen zum Neubau des Berliner Stadtschlosses: „Das ist gleichfalls eine pseudohistorische Architektur. Alles neu – in Wahrheit verschwindet die Geschichte.“

Der Düsseldorfer Künstler Christian Odzuck baut im Garten der Reichsabtei einen zehn Meter hohen Turm – teilweise aus einfachen Stahlrohren – und ironisiert damit den scheinrepräsentativen Anspruch mancher Architektur.

Der Belgier Adrien Tirtiaux zeigt mit Videos seine witzigen Eingriffe in bestehende Bauten – da wird etwa ein stillgelegter Kühlturm zur Behausung eines Einsiedlers. Die Kölner Künstlerin Frauke Dannert verändert den neobarocken Rahmen der Reichsabtei, indem sie auf einen wehenden Vorhang im Gartensaal Aufnahmen von Gewächshäusern projiziert.

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