Ausstellung eines Nazi-Malers: Kulturkampf entbrannt

Von: Hermann-Josef Delonge
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Das Original malte Werner Pein
Das Original malte Werner Peiner als Geschenk für Hitler: Ausstellungskurator Dieter Pesch (rechts) und sein Sohn Martin mit einer Reproduktion des Gemäldes „Deutsche Erde”. Es ist Teil der umstrittenen Ausstellung im Kunstforum Eifel in Gemünd. Foto: Manfred Hilgers/dpa

Schleiden. Wenn man dann auch die dritte Etage geschafft hat und damit auch das Afrika-Triptychon mit Löwe und Büffel in weiter Steppe, dann fragt man sich leicht ermattet schon, was das denn alles jetzt soll: die Ausstellung, aber auch die ganze Aufregung drum herum.

Wer tatsächlich durchhält, der hat dann fast 80 Bilder gesehen. Porträts, fast impressionistisch anmutende Szenen, Radierungen, aber auch Öl- und Tempera-Schinken, die in Mythologie baden - und darin ertrinken. Und Landschaften mit kernigen Bauern, die die Scholle brechen. Man kann nicht so recht begreifen, warum über diese Bilder einer Ausstellung ein kleiner Kulturkampf ausgebrochen ist in der Eifel.

Die Bilder sind von Werner Peiner, den man mit vollem Recht und ohne An- und Abführungszeichen einen Nazi-Maler nennen kann; zu sehen sind sie bis Ende August im Kunstforum in der Fußgängerzone von Schleiden-Gemünd.

Dagegen gibt es massiven Widerstand. Wenn die Ausstellung am Samstag um 11 Uhr eröffnet wird, dann organisieren zwei Eifeler Bündnisse gegen Rechts bzw. Rassismus Gegenveranstaltungen. Hubert vom Venn ist dabei, der HipHop-Sänger Nic Knatterton und der Autor Thomas Menzel, Karl von Monschau wird im evangelischen Gemeindezentrum seine Installation „Dinner-Tribunal der Entarteten” vorstellen, Dietrich Schubert zeigt einen Film über den von den Nazis verfolgten Otto Pankok, dessen Werke bis vor kurzem auf Burg Vogelsang und in einem Schleidener Gymnasium zu sehen waren.

Die Auseinandersetzung wurde und wird mit scharfen Worten ausgetragen, sogar Verschwörungstheorien um Alt- und Neonazi-Seilschaften wurden geschmiedet. Die Präsentation der Peiner-Bilder sei eine „Verunglimpfung der Eifeler Maler und des Museums” und berge die Gefahr, Anlaufstelle für Anhänger rechter Ideologie zu werden, sagen die Gegner.

Peiner werde auf einen Sockel gestellt, und überhaupt: Warum einen zweitklassigen Maler aus der Versenkung holen, statt ihn ein für allemal dort zu lassen? Vielleicht, um den Marktwert der Bilder zu steigern? Niemals hätte man nur Peiner allein zeigen dürfen, meint etwa Marita Rauchberger vom Eifeler Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt. Wenn überhaupt, dann nur mit damals verbotenen Künstlern.

Dieter Pesch will das nicht gelten lassen. Wenn der Kurator der Ausstellung, der bis Mai 2007 Leiter des Freilichtmuseums Kommern war, sich und die Präsentation der Peiner-Bilder verteidigt, dann in ausdrücklicher Gegenrede zu seinen Kritikern: Die Ausstellung sei keine kunsthistorische, sondern explizit eine historische. Aufklärung solle sie leisten.

Peiner werde nicht auf, sondern neben den Sockel gestellt und als das gezeigt, was er gewesen sei: ein Maler mit Talent, der sich freiwillig in den Dienst der Nazis gestellt und davon profitiert habe, der sich schuldig gemacht, sich auch nach Kriegsende nicht von der Nazi-Ideologie gelöst und bis zu seinem Tod geleugnet habe, Parteimitglied gewesen zu sein. Ein Nazi-Maler.

Aufklärung also. In der Ausstellung dienen dazu 30 Schrifttafeln, die Peiners Werdegang und seine Verstrickung thematisieren. Sie basieren vor allem auf einem Buch, das Pesch gemeinsam mit seinem Sohn Martin geschrieben hat. „Die Texttafeln sind wichtiger als die Bilder”, sagt Pesch. Wer das fast 50 Euro teure Buch nicht kaufen will, der kann eine CD mit den Texten der Tafeln mit nach Hause nehmen und ein vierseitiges Faltblatt, auf dem die wichtigsten Fakten und Einordnungen zu lesen sind.

Historisch brisant

Dokumente und Bilder der Ausstellung kommen zu großen Teilen aus dem Nachlass der Familie. Marcus Albanus ist der älteste von drei Stiefenkeln Peiners und Sprecher für den Nachlass. Dazu gehört auch die Burg im bergischen Leichlingen, wo er mit seiner Familie lebt. Er bezeichnet die Hinterlassenschaft als „kunst- und kulturhistorisch brisant”. Gegen die Familie schwele immer ein Verdacht, Peiner auf den Sockel heben zu wollen, um mit seinen Bildern Geld zu verdienen, sagt Albanus. Das sei Unsinn.

Und: „Wir werden diese Bilder, die hier hängen, auf keinen Fall verkaufen.” Die Familie gehe offen mit dem Nachlass um und stelle ihn zur Aufarbeitung zur Verfügung. Zwei Dissertationen, jetzt die Ausstellung. „Die Motivation ist, nicht mit rechtem Gedankengut in Verbindung gebracht zu werden.” Pesch nickt dazu.

Das ist alles sehr redlich. Die Ausstellungsmacher verschweigen oder beschönigen nichts. Sie ordnen korrekt und mit klarer Sprache ein, der kunsthistorische Aspekt spielt in der Tat eine untergeordnete Rolle. Und trotzdem will sich der Sinn nicht erschließen. Wer sich unbedingt über die historische Person Peiner informieren will, der braucht die Ausstellung nicht, sondern kann alles nachlesen. Für Kunstliebhaber sind die Gemälde ohne großen Wert.

Und ins Gemünder Kunstforum passen sie auch nicht, denn das Haus widmet sich explizit den Eifel-Malern, und das war Peiner nicht. Wollte er auch gar nicht sein, wie Pesch einräumt. „Diese Bezeichnung hätte er als unter seinem Niveau empfunden.” Dass er seinen Kritikern bei der Präsentation der Ausstellung vorwirft, ihre Vorwürfe hätten „fast faschistoide Züge”, wird mit Sicherheit nicht zur Deeskalation beitragen.

So bleiben viele Fragen offen. Warum war es etwa nicht möglich, die Ausstellung auf Vogelsang zu organisieren, vielleicht tatsächlich in Zusammenhang mit der Pankok-Präsentation? Die offiziellen Stellen halten sich auffallend zurück; die Stadt Schleiden etwa oder auch der Euskirchener Landrat Günter Rosenke. Der lässt ausrichten, er gehe selbstverständlich davon aus, dass die Ausstellung Peiner kritisch aufarbeite. Zur Eröffnung heute wollte er allerdings nicht kommen, „aus privaten Gründen”.

Deutlicher wird da der Aachener Städteregionsrat Helmut Etschenberg. Der lässt sich mit folgender Aussage zitieren: „Ich habe in der Eifel an verschiedenen Stellen Plakate mit dem Aufdruck ,Peiner will keiner! wahrgenommen. Diese kurze und prägnante Aussage, der ich mich eindeutig anschließe, gibt sehr klar meine eigene Haltung zu diesem Thema wieder.”

Geboren wurde Werner Peiner am 20. Juli 1987 in Düsseldorf. Seine Eltern stammen aus der Eifel. Nach dem Ersten Weltkrieg studierte er an der Düsseldorfer Kunstakademie.

Schon Anfang der 30er Jahre bekannte er sich zum Nationalsozialismus. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges leitete er die Hermann-Göring-Meisterschule für Malerei in Kronenburg in der Eifel und entwarf unter anderem monumentale Gobelins für die Neue Reichskanzlei. Hitler nahm ihn in die Liste der „gottbegnadeten Künstler” auf.

1944 zog Peiner mit seiner Frau ins Oberbergische Land. Nach Kriegsende wurde er interniert und sein gesamter Besitz beschlagnahmt. 1948 erwarb er die verfallene Burg Haus Vorst in Leichlingen. Dort lebte und arbeitete er. Dabei konzentrierte er sich auf religiöse Themen. Reiche Kunden unterstützten ihn.

Peiner starb am 19. August 1984 in Leichlingen.

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