Bonn - Ausstellung: Abstrakte Bilder mit den Farben der Eifel

Ausstellung: Abstrakte Bilder mit den Farben der Eifel

Von: Claudia Rometsch
Letzte Aktualisierung:
10563489.jpg
Blick ins Mechernicher Atelier von Hann Trier: „So aufgeräumt war es immer“, versichert seine Witwe Renate Mayntz. Zum 100. Geburtstag des rheinischen Künstlers zeigt das Landesmuseum Bonn neben Werken auch raumhohe Fotos aus dem Atelier. Foto: J. Vogel, LVR-Landesmuseum Bonn

Bonn. Die Künstlerbewegung Informel, die die informelle Kunst in der Nachkriegszeit zusammenfasst, wird seit einigen Jahren wiederentdeckt. Einige prominente Vertreter wurden schon mit Werkschauen zu ihrem 100. Geburtstag geehrt, derzeit zum Beispiel in Düsseldorf, Köln und Rolandseck der Künstler Bernard Schultze.

Etliche Ausstellungen fanden auch zum 100. Geburtstag des Aachener Künstlers Karl Otto Götz 2014 statt. Nun zeigt das LVR-Landesmuseum Bonn die Ausstellung „Der unbekannte Trier. Hann Trier zum 100. Geburtstag“.

Dazu kann das Museum auf einen Fundus bislang unbekannter Arbeiten zurückgreifen. Denn Triers Witwe, Renate Mayntz, verkaufte vor kurzem das Atelierhaus in Mechernich in der Eifel. Zuvor aber wurde Triers Atelier ausgeräumt und fotografiert. Gefunden wurden unter anderem bislang unbekannte Vorarbeiten zu seinen Deckengemälden, etwa im Schloss Charlottenburg.

1999 gestorben in der Toskana

In der Ausstellung in Bonn können die Besucher nun mit Hilfe von raumhohen Fotos hinter die Kulissen schauen. Vor den Wänden mit den Fotos steht Triers Malerwagen mit seinen Farben und Pinseln, so wie er ihn zurückließ, bevor er 1999 in seinem Haus in der Toskana starb. Das wirkt so echt, dass selbst seine Witwe sagt: „Ich wollte da reingehen.“

Der Blick ins Atelier verrät einiges über den in Köln aufgewachsenen Maler und Grafiker, der von 1957 bis 1980 Professor und später Direktor der Hochschule für bildende Künste in Berlin war: Die Pinsel stehen ordentlich gesäubert in Behältern, die Wände sind weiß getüncht, es herrscht penible Ordnung. Da sei nicht erst nach seinem Tod aufgeräumt worden, sondern so habe es immer ausgesehen, sagt seine Witwe.

Trier ging in seinen Arbeiten, anders als es seine Zuordnung zum Informel vermuten lässt, äußerst planvoll vor. Skizzen und Studien aus seinem Atelier zeigen, dass er Struktur und Farbgebung seiner Gemälde vorab genau austüftelte. Museumsdirektorin Gabriele Uelsberg – ehemalige Kuratorin am Ludwig Forum Aachen – hält Triers Zuordnung zum Informel deshalb auch nur für bedingt zutreffend.

Ähnlich wie andere Künstler des Informel betrachtete Trier Malerei zwar als intuitiv gesteuerten Prozess, in dem die spontane Geste und der Malvorgang selbst im Mittelpunkt stehen. Auch seine Bilder grenzen sich sowohl von der gegenständlichen als auch von der geometrischen Abstraktion ab. Trier sei aber eher als abstrakter Expressionist zu bezeichnen, sagt Uelsberg. Denn anders als bei anderen Malern des Informel, bei denen der Selbstzweck des Malprozesses im Vordergrund stand, fühlte sich Trier der Realität außerhalb des Bildes verpflichtet. So flossen die Farben der Landschaften, die er durch seine Atelierfenster in der Eifel und in der Toskana sah, stets in seine Bilder ein.

Eine weitere Besonderheit seiner Arbeiten ist deren Zentriertheit und Symmetrie. Trier war in der Lage, mit beiden Händen gleich gut malen zu können. So arbeitete er häufig beidhändig. Er setzte sich intensiv mit Kunstgeschichte auseinander und nahm in seinen Arbeiten immer wieder Bezug auf Werke vergangener Jahrhunderte. Er habe Barock-Kirchen geliebt und immer wieder besucht, sagt seine Witwe Mayntz.

Dieser Einfluss wird vor allem deutlich an seiner Liebe zur Deckenmalerei. „Er empfand das Rechteckige als Beengung und wollte darüber hinaus“, sagt Mayntz. Ein Meisterwerk der Deckenmalerei schuf er zum Beispiel im Weißen Saal und im Treppenhaus des Charlottenburger Schlosses, wo sich die Stadt Berlin entschieden hatte, die zerstörte Rokoko-Malerei nicht mehr zu rekon-struieren. Die Bonner Ausstellung, die bis zum 4. Oktober zu sehen ist, zeigt Entwürfe zu seinen Deckengemälden, die die Farben und Formen des Rokoko aufgreifen und dabei abstrakt bleiben.

Ab 18. September Aquarelle

Die Schau in Bonn ist Teil einer Serie von Jubiläumsausstellungen. In Kooperation mit dem LVR-Landesmuseum zeigt das Museum Ratingen frühe Arbeiten Triers. Parallel zu diesen beiden Ausstellungen präsentiert das Käthe-Kollwitz-Museum in Köln ab dem 18. September Aquarelle des Künstlers.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert