Aus dem Müll der Mutter entsteht Kunst

Von: Ingrid Peinhardt-Franke
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„Der stumme Zeuge”: Hermann
„Der stumme Zeuge”: Hermann Josef Mispelbaum mit einer seiner Skulpturen. Foto: Heike Lachmann

Aachen. „Wenn die Dinge zusammenkommen, werde ich ganz unruhig”, sagt Hermann Josef Mispelbaum, der sich vor allem mit seinen legendären Zeichnungen einen großen Namen erworben hat.

Doch nun geht es um Skulptur-„Grottesken” (in Anlehnung an seine Atelier-Grotte) - geschaffen aus Haushaltsgegenständen der Mutter, gehalten von Gips und bisweilen ein bisschen Farbe.

Tag und Nacht arbeitet der Künstler in Übach-Palenberg an seinen Werken, fügt alte Teller und Kleiderbügel, Kaffeemaschinen und Teigrollen, Staubsaugerdüse, Besteck und andere Dinge zusammen. Angetrieben wird er von einer Abenteuerlust, die den Müll verwandelt und ihm neues Leben einhaucht.

Weiß ummantelt von Gipsbrei, mit bloßen Händen liebevoll aufgetragen, wird die Abfall-Bricolage zum Botschafter. Titel wie etwa „Der Garten der Legenden” oder „Die Geburt der Anarchie” verweisen auf eine gewisse Selbstironie, die sich auf den Betrachter überträgt. Was hat Anarchie mit Kleiderbügeln zu tun, und warum ist der alte Porzellanteller orange übermalt?

Mispelbaum ergibt sich der Assoziationsflut, die ihn angesichts der Massen von Müll der Mutter überkommt und verknüpft ihn in gewisser Weise mit seiner angestammten Disziplin zwischen Zeichnung und Malerei. An Francis Bacon denkt er, wenn er fleischfarbenes Rosa für eine Arbeit voller eingearbeiteter Kleinmünzen verwendet. „Die Erdinsolvenz” nennt er die Bacon-Gedächtnis-Skulptur und verweist auf die aktuelle Finanzkrise in Europa. Pablo Picasso ist in gewisser Weise der geistige Übervater der Matschkunst Mispelbaums - er lernte von seinen Kindern die Matschlust, aus der Weltkunst entstand. Mispelbaums Inspiration ist die Mutter. Ihr alter Regenschirm und die unbrauchbare Fernsehantenne sind Bestandteil der Skulptur „Golgatha”, benannt nach dem Leidensweg, den der Katholik Mispelbaum schon als Kind kennenlernte.

Die Ausstellung des Aachener Kulturwerks zeigt erstmalig 40 dieser Skulpturen und einige Bilder des ehemaligen Beuys-Schülers, der seine künstlerische Laufbahn an der Akademie Düsseldorf begann und vor einiger Zeit in das Haus der Mutter in seiner Herkunftsstadt Übach-Palenberg zurückkehrte, wo er erst kürzlich mit dem Kunstpreis ausgezeichnet wurde.

Eröffnet wird die Skulpturenschau „Grottesken” von Hermann Josef Mispelbaum am Samstag, 13. Oktober, um 17 Uhr im Kulturwerk im ersten Stock der Aachen-Arkaden, Trierer Straße 1.

Zur Eröffnung spricht Professor Wolfgang Becker, Gründungsdirektor des Aachener Ludwig Forums.

Zu sehen ist die Ausstellung bis Samstag, 10. November, dienstags bis samstags von 13 bis 19 Uhr.

Der Künstler kommt zu Gesprächen nach Anmeldung unter: Telefon 0241/604000.

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