Aachen - Augustin Hadelich im Eurogess: Eigenwillig und spieltechnisch perfekt

Augustin Hadelich im Eurogess: Eigenwillig und spieltechnisch perfekt

Von: Pedro Obiera
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Absolut verdienter Applaus: der Geigenvirtuose Augustin Hadelich im Eurogress. Foto: Bernd Mathieu

Aachen. Ob die Kopplung eines überdimensionierten Werks wie Gustav Mahlers Sechste Symphonie mit einem auch nicht gerade leichtgewichtigen Violinkonzert wie dem von Jean Sibelius sinnvoll ist, mag jeder für sich entscheiden.

Schon Marcus R. Bosch kombinierte vor neun Jahren die Sechste mit einem Solokonzert, hatte allerdings große Probleme mit den klanglichen Anforderungen der Symphonie. Das gelang Kazem Abdullah insgesamt besser, auch wenn dieses symphonische Kraftpaket im Aachener Eurogress alles andere als gut aufgehoben ist.

Doch zunächst zu Jean Sibelius‘ grandiosem Violinkonzert, einem der besten des 20. Jahrhunderts. Von besonderem Interesse war hier im Rahmen des 7. Sinfoniekonzerts der Saison die Begegnung mit dem 32-jährigen Geiger Augustin Hadelich, der bisher vor allem in Amerika Triumphe feierte und seit relativ kurzer Zeit auch die europäische Konzertszene zu erobern beginnt.

Dass der in Italien als Sohn deutscher Eltern geborene Musiker, der in New York lebt, eine schlimme Brandkatastrophe mit schwersten Verbrennungen unter anderem an der rechten Hand mit eisernem Willen überwunden hat, verdient besonderen Respekt. Erst recht die eigenwillige, tief erfüllte und spieltechnisch absolut perfekte Interpretation des finnischen Meisterwerks. Dabei pflegt er für das dunkel timbrierte Stück einen ungewöhnlich hellen, feinen, französisch noblen und völlig fettfreien Ton, ohne es an Intensität mangeln zu lassen.

Allenfalls im tänzerischen Finale wirkte der Ton etwas zu leichtgewichtig, zumal Abdullah und das Aachener Sinfonieorchester den scharfen Rhythmus recht lasch angingen. Aus dem Satz ließen sich mehr Funken schlagen. Die entschlackte Tongebung des Solisten fiel ohnehin bei Abdullah auf keinen besonders fruchtbaren Boden, der einen breiten und schweren Orchesterklang bevorzugte. Insgesamt eine höchst erfreuliche Gestaltung aus den Händen eines Solisten, der auch in Europa für Aufsehen sorgen wird.

Mahlers „Tragische“ hat Bosch seinerzeit zu einem hektischen Gewaltritt im Dauerfortissimo verleitet. Im Eurogress mit fatalen Folgen. Abdullah schlug erheblich entspanntere Tempi an, drosselte die Dynamik so gut es ging und fand eine einigermaßen ausgewogene Balance zwischen Streichern und Bläsern. Der Trauerrhythmus im Kopfsatz wies dennoch genug Gewicht auf, den melodischen Gehalt der Binnensätze entfaltete Abdullah mit geradezu kantabler Delikatesse und verzichtete dem geglätteten Wohlklang zuliebe auf die ironisch-bizarren, die romantischen Reminiszenzen verzerrenden Wendungen.

Das klang schön und kultiviert, aber auch recht glatt. Vorzüglich die lange, hintergründig schillernde Einleitung des Finales, dessen folgende Klangeruptionen Abdullah recht gut unter Kontrolle hielt, so dass, anders als bei Bosch, die markanten Hammerschläge nicht im klingenden Tumult untergingen, sondern ihre intendierte Wirkung entfalten konnten.

Dass das Aachener Orchester die schwierige Partitur vorzüglich meisterte, spricht für das Niveau des Orchesters. Begeisterter und völlig verdienter Beifall für einen langen und interessanten Abend voller Überraschungen.

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