„Auf Leben und Tod”: Malerei trifft auf Fotografie

Von: Timo Steinhaus, dpa
Letzte Aktualisierung:
Ausstellung Malerei trifft auf Fotografie
Ein Mann steht in Köln vor dem Gemälde „Weißbärtiger Alter” von Wilhelm Leibl (links) und einer Fotografie von Fidel Castro des kubanischen Fotografen Roberto Salas (rechts). Foto: dpa

Köln. Beinahe lasziv blickt die junge Pariserin den Betrachter an. Eine langstielige Tonpfeife in der Hand, liegt sie dort in ihrem schwarzen Kleid, das alles außer Kopf und Händen bedeckt. So porträtierte Wilhelm Leibl 1869 eine junge Frau und ärgerte sich, dass man sie als „Kokotte” deutete - eine elegant auftretende, aber als anrüchig geltende Person mit Verbindungen zu zweifelhaften Kreisen.

Kaum auszumalen, was der Künstler dann wohl von Herlinde Koelbls Foto der Studentin Andrea Kummer gedacht hätte, das nun im Kölner Wallraf-Richartz-Museum neben seinem Gemälde hängt: Nackt bis auf die Unterhose, Piercings in beiden Brustwarzen und den linken Arm tätowiert, räkelt sie sich auf einem Bett.

Auch wenn 135 Jahre zwischen den beiden Bildern vergangen sind, ähneln sie sich nicht nur in Hinsicht der Posen der beiden porträtierten Damen. Sie zeigen auch einen neuen Typus einer jungen Frau und demonstrieren bei der Gegenüberstellung, wie sich Themen wie Körperbewusstsein und sexuelle Identität im Laufe der Zeit verändert haben.

Herlinde Koelbl und Wilhelm Leibl - das ist nur eine Kombination, die Besucher von Freitag an im Wallraf-Richartz-Museum zu sehen bekommen. „Auf Leben und Tod” heißt die Ausstellung, in der die alten Gemälde des Wallraff auf die Fotokunst aus der Sammlung des Bielefelders Lutz Teutloff treffen.

Sämtliche Bilder zeigen den Menschen, der in neun Kapiteln von der Geburt bis hin zum Tod mit anschließender Wiedergeburt abgebildet wird. Glück und Verzweiflung werden dabei genauso gezeigt wie Einsamkeit, Euphorie, Angst oder Hoffnung. „Der Besucher soll sehen, wie ältere Bilder bis in die heutige Zeit fortwirken. Wie benutzt und zitiert die Fotografie die Formen der alten Meister? Wie wird die Malkunst parodiert und ironisiert? Wo bricht die Fotografie aus?”, sagt Kurator Roland Krischel.

Auch die „Todsünde”, kleine Fotos neben große Bildern an die Wand zu hängen, wurde gelöst: „Durch die optische Täuschung erscheinen die Bilder größer oder kleiner gemacht und gleichzeitig die mediale und epochale Distanz ins Bewusstsein gerufen”, erläutert Krischel. Die bis zum 9. Januar 2011 dauernde Ausstellung wird von mehreren Vorträgen begleitet.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert