Auf den Flügeln bunter Fantasie

Von: Ralph Allgaier
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Tolle Atmosphäre: 17 Hippies auf der Burgbühne von Würselen-Bardenberg. Das Publikum feierte die Gruppe aus Berlin. Foto: Stephan Schaum

Würselen-Bardenberg. Blitz, Donner, Regentropfen: Auf Burg Wilhelmstein rückten die Menschen unterm Zeltdach dicht zusammen. Und hatten das miese Wetter flugs vergessen. Denn auf der Bühne intonierten die 17 Hippies eine vor Temperament und Spielfreude nur so sprühende Musik, die die Fantasie beflügelte und die Zuhörer sogleich mitriss in ganz andere Welten.

Mal wähnte man sich mittendrin auf einem fröhlichen osteuropäischen Dorffest. Dann in einem versonnen-romantischen Film. Oder im Zirkuszelt.

Die 17 Hippies, die in Wahrheit nur zu 13 auftreten, obwohl es irgendwann im Laufe ihrer Karriere auch mehr (bis zu 20) waren, kennen stilistisch keine Grenzen. Es fasziniert sie, aus den unterschiedlichsten musikalischen Strömungen immer neue, manchmal wilde bis leicht anarchische Mischungen zu kreieren. Da verschmelzen orientalische Motive mit Balkanpop, trifft Jiddisches auf Country-Music, Bigband- Sound auf irischen Folk, bedient man sich munter bei lateinamerikanischen oder afrikanischen Ideengebern und kehrt immer wieder zum französischen Chanson zurück.

Virtuose Arrangements

Ein feingewobenes Gesamtkunstwerk mit erstaunlich virtuosen Arrangements. Und der Beobachter ist schlicht verblüfft, wie diese seit 15 Jahren bestehende Berliner Multikulti-Truppe es vermag, so punktgenau - und das nicht selten in rasendem Tempo - miteinander zu harmonieren. Wie sie kunterbunt und in häufig wechselnden Formationen über die Bühne tänzelt und sich immer wieder auf scheinbar wundersame Weise neu sortiert.

Keiner der 17 Hippies steht dabei wirklich im Mittelpunkt, entscheidend ist die Leistung des Gesamtensembles.

Die weitgereiste Band, die in Frankreich weit mehr Fans hat als hierzulande und selbst in Algerien, Japan und China Aufsehen erregte, kommt übrigens ohne Schlagzeug oder sonstige Percussion aus und trotzdem in den meisten Stücken extrem tanzbar daher. Auch auf jegliche elektronische Finessen können die Hippies locker verzichten, statt dessen packen sie lieber Akkordeon und Posaune, Kontrabass und Klarinette oder auch so seltene Instrumente wie Nasenflöte oder Ukulele aus.

Auf der leider nicht ausverkauften Burg Wilhelmstein kam diese mit viel Humor vorgetragene Musik bestens an, der stimmungsvolle Abend war auch optisch ein Hochgenuss. Und ein schönes Beispiel dafür, wie spannend es ist, sich auf fremde Kulturen einzulassen.
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