Köln - Auch das noch: Frau Heinrich schreibt!

Auch das noch: Frau Heinrich schreibt!

Von: THomas Thelen
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Köln. Der Ort ist nicht zufällig gewählt. Hier im Makk-Café (Museum für Angewandte Kunst Köln) hat Sabine Heinrich viele Stunden gesessen und geschrieben. Am liebsten draußen am Ecktisch im Innenhof, immer dann, wenn es das Wetter zuließ. Sie fühlt sich wohl hier, ihr Herz hängt an dem Museum. Und nicht nur an diesem.

Sabine Heinrich liebt es, in Museen zu gehen. Meistens hat sie dann Stöpsel in den Ohren und hört Musik. „Ich kehre immer wieder zu meinen Lieblingsbildern zurück. Dann stehe ich davor und frage mich, was mit mir passiert ist, während das Bild die ganze Zeit da gehangen hat.“

Es ist viel passiert im Leben von Sabine Heinrich in den vergangenen Jahren. Und irgendwie ist alles an ihr vorbeigerauscht. „Ich habe so viele Dinge in meinem Job gemacht, die ich nicht richtig genossen habe“, sagt sie nachdenklich. Und immer sei da dieser latente Leistungsdruck gewesen. „Ich hätte viele Sachen einfach viel mehr feiern können für mich. Aber ich wollte emsig sein, wollte alles richtig machen.“

Vieles hat sie richtig gemacht: Beim Jugend-Radiosender EinsLive ist sie eine der herausragenden Stimmen. In ihrer Sendung „Frau Heinrich“ hat sie oft genug bewiesen, dass sie nicht nur schlagfertig ist, sondern auch blitzgescheite Fragen stellen kann. Deshalb war es auch nur eine Frage der Zeit, bis man beim Fernsehen auf die Frau mit der markanten Zahnlücke aufmerksam wurde. Der Durchbruch kam 2010, als sie gemeinsam mit Matthias Opdenhövel den „Echo“ in der ARD sowie die Sendung „Unser Star für Oslo“ auf ProSieben moderierte. Und es folgten weitere Fernsehformate; aktuell ist sie mit „Frau Heinrich kommt“ im WDR zu sehen. „Ich habe niemals geplant, den ‚Echo‘ zu moderieren. Meistens sind die Dinge auf mich zugekommen; das zieht sich durch mein Leben. Dinge passieren, und ich frage mich, warum sie immer mir passieren? Ich habe irgendwie Glück, da meint es jemand gut mit mir“, sagt Sabine Heinrich.

Alles nur Glück? Lange hat sie das tatsächlich gedacht. „Langsam bin ich aber auf dem Weg zu sagen, es gibt Leute, die trauen mir Dinge zu, die sagen, das ist wirklich gut, was die macht.“

Beim renommierten Kölner Verlagshaus Kiepenheuer & Witsch traut man Sabine Heinrich offensichtlich einiges zu. Beispielsweise auch, ein Buch zu schreiben. Jedenfalls wurde ein Lektor mit der entsprechenden Anfrage vorstellig – wohl auch mit dem Gedanken, dass sich ein Buch der Radiofrau mit Kultstatus gut verkaufen würde. Sabine Heinrich wäre im Leben nicht auf die Idee gekommen, ein Buch zu schreiben. „Ich hätte das frevelhaft gefunden, ich bin doch keine Schriftstellerin, sondern Journalistin.“

Die Leidenschaft für Bücher

Sehr lange brauchte der Lektor nicht, um die 37-Jährige zu überzeugen. Heute erscheint ihr Debüt „Sehnsucht ist ein Notfall“. Stellt sich die Frage, warum sie den Roman trotz aller Bedenken doch geschrieben hat? „Ich habe immer schon geschrieben, zum Beispiel Kurzgeschichten als Weihnachtsgeschenk für die Familie. Das hat mir viel Spaß gemacht“, sagt sie. Außerdem seien Bücher eine ihrer Leidenschaften, „ich lese, wann immer ich Zeit finde. Bücher sind eine spannende Reise. Und immer, wenn ich eins ausgelesen habe, fühle ich mich einsam“.

Wer Sabine Heinrich samstagsabends in der Sendung „Klubbing“ (ein Mix aus Musik und Literaturprogramm mit Autorenlesungen- und Interviews) zuhört, der kann diese Leidenschaft spüren. Was Christine Westermann in Sachen Literatur für WDR 2, dass ist Sabine Heinrich für EinsLive.

Als Schriftstellerin fühlt sie sich aber nicht. Richtige Schriftsteller, das sind für Sabine Heinrich andere – Gabriel García Márquez, Javier Marías oder John Irving. Was aber nicht heißt, dass sie nicht ein bisschen stolz ist, ihr eigenes Buch geschrieben zu haben. Und voller Überzeugung sagt sie: „Ich finde die Idee, eine Debütautorin zu sein, toll. Ich muss mich nicht mit meinem eigenen Werk messen.“

Eines der großen Themen des Buchs ist die Frage, wie Menschen in ihrem Leben zu Entscheidungen kommen – oder auch nicht.„Ich finde das Thema immer spannend. Wenn mir jemand sagt, er habe sich entschieden, ein Haus zu kaufen, dann möchte ich mich nicht mit ihm über das Haus unterhalten, sondern über den Moment der Entscheidung. Was waren die Für und Wider, was waren die Hoffnungen und die Ängste. Mich interessiert vor allem der Prozess. Warum entscheiden sich manche Menschen sehr schnell? Und warum hadern andere?“

„Man lebt nur einmal“

Anders als die Protagonisten in ihrem Roman hat sich Sabine Heinrich für ihren Weg entschieden. Die etwas platte Formel „Man lebt nur einmal“ scheint sie in allem, was sie tut, anzutreiben. „Schlimmer als die falsche Entscheidung ist die Nicht-Entscheidung, dieses quälende Schwelen. Ich glaube, dass ein zu langer Entscheidungsprozess mehr kaputtmachen kann als eine falsche Entscheidung“, sagt sie und rät dazu, zuweilen einen Blick auf die ganz persönliche Entscheidungsbilanz zu werfen und sich zu fragen, wie oft man tatsächlich falsch gelegen habe.

Mut! Leidenschaft! Entscheidung! Das sind Worte, die immer wieder fallen im Gespräch mit Sabine Heinrich. Über die berufliche Zukunft mag sie nicht weiter sprechen, „noch zwei Jahre EinsLive, mal sehen“. Es gibt natürlich konkrete Pläne, sicher scheint, dass man sie weiter im Fernsehen sehen wird. Vorerst genießt sie aber einfach nur die Veröffentlichung ihres Buches.

Ob sich das Buch gut verkauft, daran hänge nicht ihr Lebensglück, sagt sie. Man nimmt ihr das ab. Überhaupt kommt sie sehr authentisch und natürlich rüber. Die Frau, die „Unser Star für Oslo“ moderierte, hat so gar nichts von Star-Gehabe. Einmal schaut sie auf ihre grell lackierten Fingernägel und lässt ihre Hände fast ein bisschen verschämt unter dem Tisch verschwinden. „Mensch, die sehen ja vielleicht aus!“

Nun, da ihr gebundenes „Baby“ auf dem Markt ist, beschleicht Sabine Heinrich eine gewisse Unsicherheit. „Klar hab‘ ich Schiss – aber hallo“, sagt sie und für einen kurzen Moment hat man die Radio-Stimme im Ohr. Ansonsten schlägt Frau Heinrich, die Rampensau aus dem Radio, die selbst den farblosesten Studiogast glänzen lässt und manche Sendung rettet, eher zurückhaltende Töne an, wenn sie über ihr erstes Buch spricht. „Wenn ich im Radio eine Sendung moderiere, dann kann ich absehen, was passiert. Das ist mit dem Buch komplett anders. Aber statt zu sagen, es wird alles so schrecklich, denke ich, es kann doch gar nichts passieren. Und wenn es nur meine Mutter ist, die wahnsinnig stolz ist.“

Bloß nicht kitschig

Sie habe nicht kitschig sein wollen in ihrem Buch, sagt sie, alles, aber bloß nicht kitschig. Und auch nicht oberflächlich. Dann macht sie eine Pause, die lang genug ist, um zu begreifen, dass sie sich selbst nicht ganz sicher ist. Und weil sie es nicht länger aushält und das Buch bis dahin nur engste Freunde, Teile der Familie und Menschen aus dem Verlag gelesen haben, schaut sie auf und fragt fast ängstlich: „Mal ehrlich, ist es kitschig geworden?“ (Antwort siehe Buchbesprechung links).

Sabine Heinrich weiß, dass es kritische Stimmen geben wird, die sagen: Muss das denn jetzt auch noch sein? Von müssen kann nicht die Rede sein. Sie hat das gewollt. Auch wenn sie selbst nicht auf die Idee gekommen wäre. „Vielleicht kommt irgendwann ein Mängelexemplarstempel drauf und gut ist. Aber für mich bleibt es. Ich muss mich nicht schämen.“ Und überhaupt: Es hängt ja nicht ihr Lebensglück daran.

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