„Attacca“ in Aachen: Alphorn und Putin in einem Topf

Von: Eckhard Hoog
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„Mit Humor kann man näher und sehr viel schneller zur Wahrheit kommen“: Musikkomödiant Hans Liberg spricht in seinem Programm „Attacca“ durchaus auch ernste Probleme an – aber auf witzige Weise. Foto: Stock/Eßling

Aachen. Komik und Musik bringt er auf der Bühne zusammen wie kein Zweiter: der niederländische Musikkomödiant Hans Liberg. Stücke spielt er nur an – um sogleich mit witzigen und überraschenden Informationen zu verblüffen. Da bleibt kein Auge trocken. Nächste Woche kommt er nach Aachen – wir sprachen mit ihm über sein neues Programm und die Anliegen, die er damit verbindet.

Ihre Deutschlandtournee beginnt in Aachen – gibt es dafür einen speziellen Grund?

Liberg: (lacht) Weil es mit A anfängt. Wir planen die Tour immer nach dem Alphabet. Aber nein, es ist so: Die Terminbuchungen mache ich selbst nicht, vermutlich gibt es keinen speziellen Grund.

Jetzt sind wir gerade beim A angekommen, und Ihr Programm trägt den Titel Attacca. Wen oder was wollen Sie angreifen?

Liberg: Na ja, es könnte „angreifen“ bedeuten. In der Musik ist aber etwas anderes damit gemeint: Da bedeutet Attacca eigentlich „verbinden“. Am Ende eines Stücks wird ein weiteres ohne Pause angespielt. Attacca heißt hier, dass man ein langsames Teil verbindet mit einem schnellen, ohne zu stoppen. Aber es ist gut, dass das Wort eine aggressive Ausstrahlung hat. Als Titel finde ich es gut, weil es bei mir nicht immer nur um Musik geht.

Was unterscheidet dieses Programm von Ihren vorherigen?

Liberg: Ich habe diesmal andere Instrumente und jetzt Musiker dabei: zwei junge Pop- und Jazzmusiker, die auch klassische Sachen spielen können. Und ich habe ein Alphorn auf der Bühne, da lasse ich das Publikum drauf spielen.

Und Sie selbst blasen auch mal da rein?

Liberg: Ja, ein bisschen.

Wie lange haben Sie dafür geübt?

Liberg: Eine halbe Stunde. Wenn man Tuba spielt, dann kann man das auch beherrschen. Ich war in der Schweiz in dem kleinen Dorf Hasliberg – das hat ja eindeutig etwas mit Hans Liberg zu tun. Dort habe ich das Ding gekauft. Und Liberg hat natürlich auch etwas mit der Schweiz zu tun, und zwar mit der Tatsache, dass da keine Flüchtlinge zugelassen werden.

Solche Dinge zum Beispiel kommen auch immer wieder im Programm vor. Oder die Diskussion in Holland über St. Nikolaus und seinen Knecht schwarzer Peter den man nicht mehr als solchen besingen sollte. Ein interessanter Punkt, wenn man jetzt Lieder umschreiben muss. Oder müsste. Dann dürfte man theoretisch auch nicht mehr schwarze Tasten spielen, denn die sind ja in der Minderheit. Ja, das sind solche Dinge, die auch in meinem Programm vorkommen.

Es geht also nicht nur um Musik. Sie sprechen durchaus ernste Themen an?

Liberg: Ja. Es gibt ein Flüchtlingsproblem und die Frage: Wie muss man damit umgehen? Musik ist eine Sprache, mit der man über all das erzählen kann.

Sie waren zum letzten Mal vor drei Jahren in Aachen. Unser Kritiker hat Sie damals als eine Mischung aus Clown und Professor bezeichnet. Können Sie das unterschreiben?

Liberg: Das klingt gut. Der Clown mit der roten Nase und der Professor – das stimmt. Ich habe immer den Anspruch, dass die Leute etwas mitnehmen nach der Vorstellung, dass sie etwas lernen, dass Kunst wichtig ist und sie eine andere Art von Denken kennenlernen. Es geht nicht nur um klassische Musik, die gibt es eigentlich gar nicht. Was Mozart komponierte, war keine klassische Musik. Es war gegenwärtige Musik, und er war natürlich ein normaler Mensch aus Fleisch und Blut. Der hat auch einen Kanon geschrieben „Leck mich im Arsch“. Das wollen die Anhänger der klassischen Musik nicht wahrhaben, es war aber so.

Der Clown in Ihnen – wo kommt der her?

Liberg: Das hat vielleicht mit meiner Familie zu tun. Meine Mutter war ziemlich witzig. Ich weiß nicht, aber Humor ist auch ein gutes Medium, um den Finger in eine Wunde zu legen. Mit Humor kann man näher und sehr viel schneller zur Wahrheit kommen.

Neben Clown und Professor sind Sie auch ein Multiinstrumentalist. Gibt es eigentlich auch ein Instrument, das Sie nicht spielen können?

Liberg: Ja, natürlich, viele. Geigen zum Beispiel und ähnliche Instrumente, das habe ich nie gemacht.

Zu Ihrem Programm gehört stets E- und U-Musik, wie die Deutschen immer unterscheiden. Sehen Sie selbst einen Unterschied?

Liberg: Das ist schwer. Ich meine, es gibt viel E-Musik, die nicht so interessant ist. Und von Mozart gibt es auf der anderen Seite auch viel Musik, die beim Essen gespielt wurde – weil es damals keine CDs gab. Es gibt dagegen aber auch Unterhaltungsmusik, die sehr intellektuell sein kann. Ich finde, es ist schon eine komische Unterscheidung.

Die E-Musik gilt als ernste Musik, deshalb auch der Name. Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen, die ausgerechnet mit Humor zu verbinden?

Liberg: Ich kannte einen Komiker aus Dänemark, Viktor Borge. Der war in Amerika eine Legende. Den fand ich super, als ich ganz jung war. Später war ich bei einem Konzert von Steve Reich und seiner Minimal Music. Bei dessen Konzert habe ich mich geärgert. Die Musik fand ich eigentlich super, aber das Publikum hat das quasi religiös als eine Art von Meditation erfahren. Das fand ich ein bisschen komisch. Zu Hause habe ich meine Orgel geholt und daraufhin Minimal Music gespielt. Damit hat es eigentlich angefangen.

Sie stammen aus Amsterdam, gehen auf Tournee in Deutschland und sind da sehr erfolgreich. Das ist ja nicht selbstverständlich.

Liberg: Ich dachte, mit so einem Programm muss man auch im Ausland spielen, weil es wegen der Musik international ist. Damit habe ich 1990 in München begonnen, und das ging sehr gut. Auf der anderen Seite bin ich in Amsterdam geboren im Haus meines Großvaters, und er war ein Deutscher.

Haben Sie die Erfahrung gemacht, dass die Deutschen möglicherweise mehr Humor haben als die Niederländer?

Liberg: (lacht) Nicht jedes Volk hat so viel Humor, wie es braucht, aber wenn ein Holländer ein bisschen Klamauk macht mit ernsthaften klassischen Sachen, dann kommt das in Deutschland sehr gut an. Wir haben den Ruf, so ein bisschen locker improvisatorisch auf der Bühne zu stehen.

Der sympathische Akzent kommt auch noch dazu . . .

Liberg: Wahrscheinlich, den muss man auch kultivieren. Umgekehrt funktioniert das nicht. Es gibt keinen deutschen Komiker, der in Holland populär ist.

Wie kommt das?

Liberg: Das Land ist wahrscheinlich auch zu klein.

Gibt es Musik, die Sie überhaupt nicht mögen?

Liberg: Ja, diese Hiphop-Sachen, wo es immer nur geht: bumm bumm bumm. Rappen geht noch, aber meist ist es sehr sexistisch.

Muss man Klassikfan sein, um Ihren Auftritt genießen zu können?

Liberg: Ich finde nicht. Es geht schließlich nicht um Wissen. Ich behandle beide Niveaus, ich bin high und low, klassisch und auch bei der Musik von der Straße. Und es geht immer um interessante Beziehungen. Da ist zum Beispiel die Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland – man hört schon jetzt am Fernseher die Erkennungsmelodie. Das ist das Klavierkonzert von Tschaikowski in einer populären Version. Putin unterstützt das natürlich, obwohl das eigentlich gar nicht zu ihm passt: Tschaikowski war schwul, und die Melodie, die verwendet wird, ist eine ukrainische Melodie.

Das weiß der vermutlich gar nicht. Sagen Sie das nicht zu laut, sonst ändert Putin das noch . . .

Liberg: (lacht) So mächtig bin ich nicht . . .

Musikkomödiant Hans Liberg ist am Freitag, 6. November, um 20 Uhr im Aachener Eurogress zu erleben. Karten gibt es beim Kundenservice des Medienhauses Zeitungsverlag Aachen.

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